Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) geht davon aus, dass die Wehrpflicht wieder eingeführt wird.
Von dpa
Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) erwartet eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland. Er gehe nicht davon aus, dass mit dem neuen Wehrdienst genügend Freiwillige zur Bundeswehr kommen, sagte Scharping dem „Spiegel“. Er betonte: „Wir werden zur Wehrpflicht zurückkehren.“
Der neue Wehrdienst hatte zum 1. Januar begonnen. Nach einem Ringen um die Frage eines verpflichtenden Dienstes hatten sich SPD und Union dabei auf Zielmarken für den Wehrdienst und den Aufwuchs der Truppe geeinigt. Wenn diese nicht erreicht werden, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden.
Scharping warnte vor einem zu engen Verständnis von Sicherheit. „Unsere Sicherheit beschränkt sich nicht aufs Militärische“, sagte er. Und: „Ich befürworte eine allgemeine Dienstpflicht, für Männer und Frauen. Unsere Sicherheit hängt davon ab, ob es genügend Männer und Frauen gibt, die dieses Land gut finden und es im Ernstfall beschützen würden.“
Den von Verteidigungsminister Boris Pistorius geprägten Begriff der „Kriegstüchtigkeit“ hält er für angebracht. „Das ist eine legitime Zuspitzung“, sagte Scharping. Das Wort sei dazu geeignet, „eine Gesellschaft aufzurütteln, die satt ist und nicht gern über die Voraussetzungen ihres guten Lebens nachdenkt“.
Er lobte seinen Nachfolger an der Spitze des Wehrressorts: „Pistorius ist der beste Verteidigungsminister seit Helmut Schmidt, mich eingeschlossen.“
Rudolf Scharping, ehemaliger Verteidigungsminister, aufgenommen während des Hoffestes vor dem Roten Rathaus.