Natur und Landwirtschaft

Geschäftsmodell Moor: Bund fördert Wiedervernässung

Pflanzen für Papier oder Kartons, Fleisch von Wasserbüffeln: auch mit Mooren lässt sich Geld verdienen. Damit das mehr Landwirte tun, gibt es nun Geld vom Bund. Das soll dem Klima helfen.

Geschäftsmodell Moor: Bund fördert Wiedervernässung

Eine mögliche Bewirtschaftung für nasse Flächen bieten Wasserbüffel, die mit dem feuchten Untergrund gut zurechtkommen. (Archivbild)

Von Von Martina Herzog, dpa

Berlin - Mit staatlicher Förderung will Bundesumweltminister Carsten Schneider die klimaschonende Bewirtschaftung von Mooren attraktiv machen. Die Moore könnten so "wieder die natürliche Klima-Anlage werden, die sie jahrtausendelang waren", sagte der SPD-Politiker in Berlin. 

Mehr als 90 Prozent der ursprünglichen Moorböden in Deutschland sind heute nach Angaben des Ministeriums trockengelegt. Nass seien nur noch rund 100.000 Hektar. Die Förderung soll diese Fläche um 90.000 Hektar erweitern, also fast verdoppeln. 

Was Moore für das Klima leisten

Moore können viel schädliche Treibhausgase speichern und helfen so beim Klimaschutz. Wenn sich die torfigen Moorböden im trockenen Zustand zersetzen, geben sie Kohlenstoff ab. Wenn die Böden wieder nass werden, wird dieser Prozess gestoppt oder sogar umgekehrt. 

Großes Lob kam von Umweltverbänden. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sprach von einem Meilenstein. "In Zeiten von Dürre und Starkregen sind nasse Moore unverzichtbar: Sie speichern Wasser, sichern Ernten und stabilisieren unsere Trinkwasserversorgung." Nötig seien nun aber auch deutlich schnellere Genehmigungsverfahren, Anreize etwa für die Rückhaltung von Wasser und die klare Verankerung des Moorschutzes in der Raumplanung. 

Moore als Klimaschutz-"Verbündete"

Der Deutsche Naturschutzring nannte die Pläne einen "Game Changer", die Wiedervernässung sei einer der wirksamsten Hebel, um die Treibhausgasemissionen in der Landnutzung zu senken. "Während entwässerte Moorböden in Deutschland enorme Mengen CO₂ freisetzen, sind nasse Moore unsere natürlichen Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise."

Über geförderte Naturschutzprojekte sei es bislang gelungen, 1.600 Hektar Moor wieder zu vernässen, sagte Schneider. "Wir können dabei aber nicht stehen bleiben, sondern brauchen mehr, denn über 80 Prozent der entwässerten Moorböden werden bisher land- und forstwirtschaftlich genutzt."

Was passiert, wenn Moore trockengelegt werden

In der Vergangenheit wurden Moore entwässert, um Wiesen und Äcker zu gewinnen und Torf abzubauen, der als Brennstoff genutzt wurde. Doch inzwischen wisse man um die Nebenwirkungen, sagte Schneider. "Landwirtschaft auf trockenen Moorböden wird mit der Zeit immer schwieriger und irgendwann unmöglich. Wasser geht der Region verloren, der Grundwasserspiegel sinkt ab, Wälder vertrocknen immer mehr und der im Boden gebundene Kohlenstoff entweicht in die Atmosphäre und heizt den Planeten immer weiter auf." 

Obwohl Moore nur einen kleinen Teil der Landesfläche ausmachten, verursachten sie rund 7 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen, über 50 Millionen Tonnen. 

Was Schneider fördern will

Nach Jahrhunderten der Entwässerung gehe es nun um "eine historische Trendwende im Verhältnis zwischen Mensch und Natur", sagte Schneider. Die Grundidee der Unterstützung: Eine schonende Bewirtschaftung der wertvollen Flächen soll sich finanziell lohnen. Mit dem Ansatz ist Deutschland laut Schneider in Europa Pionier. 

"Mit diesem Angebot können wir den Moor-Regionen in Deutschland und vor allem den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben eine echte Zukunftsperspektive geben", erklärte Schneider. Die Wirkung reiche weit über die geförderte Fläche hinaus. 

Mit der "nassen Landwirtschaft" könne man das Wasser in der Fläche halten, ohne die wirtschaftliche Nutzung aufzugeben. Rund sieben Prozent der deutschen Agrarfläche entfalle auf entwässerte Moorböden.

"Niemand wird gezwungen"

Schneider betonte, dass es um die Zusammenarbeit mit den Landwirten gehe. "Niemand wird gezwungen, seine Flächen nass zu bewirtschaften", versprach er. Der Deutsche Bauernverband mahnte an, eine Förderung könne nur erfolgreich sein, wenn es auch längerfristig wirtschaftliche Perspektiven mit marktbasierten Ansätzen für eine dauerhafte Nutzung der Flächen gebe. 

Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der die neue Förderung mit erarbeitet hat, sagte, das sei eine riesige Chance für die Forst- und Landwirtschaft. "Moorböden wiederzuvernässen ist Klimaschutz als Geschäftsmodell. Sei es der Anbau von Schilf als Baustoff für Dächer oder Fleisch aus der Haltung von Wasserbüffeln – hier liegen neue Einkommenschancen für unsere Höfe. Auch innovative Nutzungsformen wie Moor-Photovoltaik sind möglich."

Was sich aus Moorpflanzen machen lässt

Geld soll fließen für die Wiedervernässung, für den Ausgleich von Wertverlusten bei Eigentum und Nutzung und den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten für Produkte aus Moorpflanzen. Das können laut Ministerium zum Beispiel Fasern für Papier, Kartons oder Baumaterialien sein. Bewerben können sich Eigentümer, Bewirtschafter und Verbände. Zuschüsse sollen bis zu 100 Prozent möglich sein. 

Die Bundesregierung stellt dafür bis Ende 2029 rund 1,75 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. Die EU-Kommission hat die Förderung bereits genehmigt. Förderfähig ist neben einer schonenden Bewirtschaftung auch eine Stilllegung von Flächen.

Geschäftsmodell Moor: Bund fördert Wiedervernässung

Umweltminister Carsten Schneider (SPD); hier bei einem Besuch der wiedervernässten Möllmer Seewiesen in Brandenburg, glaubt: Von nasseren Mooren kann nicht nur das Klima profitieren, auch die Landwirte gewinnen. (Archivbild)

Geschäftsmodell Moor: Bund fördert Wiedervernässung

Die Wiedervernässung von Mooren, wie hier in Schleswig-Holstein, soll Treibhausgase im Boden halten. (Archivbild)