Der Silberpreis hat am vergangenem Freitag einen dramatischen Einbruch erlebt und ist in nur 24 Stunden um 35 Prozent gefallen. Ein historischer Preissturz. Was hinter dem Preisbeben steckt.
Der Silberpreis ist seit vergangenem Freitag um 42 Prozent gefallen und liegt aktuell bei 83 US-Dollar. Erfahren Sie, welche Faktoren diesen dramatischen Einbruch ausgelöst haben.
Von Matthias Kemter
Nach einer beeindruckenden Rally, die den Silberpreis allein im Januar um fast 70 Prozent anstiegen ließ, kam am Freitag der große Knall. Vom neuen Allzeithoch bei knapp 121 US-Dollar ging es direkt innerhalb eines Tages wieder um 35 Prozent auf etwa 78 US-Dollar bergab. Der größte prozentuale Rückgang seit 1980. Zum Wochenbeginn fiel der Kurs kurz weiter auf die 72-Dollar-Marke. Ein Rückgang von 42 Prozent, bis sich der Silberkurs bei aktuell etwa 83 US-Dollar je Feinunze eingependelt hat.
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Politische Unsicherheiten & die Rolle von Kevin Warsh
Der zentrale Auslöser für den Preisverfall war die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der Federal Reserve zu nominieren. Warsh galt in der Vergangenheit als Verfechter einer strengen Zinspolitik, was die Erwartungen an eine lockere Geldpolitik dämpfte. Diese Entscheidung führte zu einer leichten Erholung des US-Dollars, der den Silberpreis zusätzlich unter Druck setzte. Da Silber in US-Dollar gehandelt wird, verteuert ein starker Dollar das Edelmetall für Käufer außerhalb der USA und bremst die Nachfrage.
Gewinnmitnahmen & technische Korrekturen
Der Silbermarkt war in den letzten Monaten stark überhitzt. Um fast 70 Prozent stieg der Preis allein in den letzten 4 Wochen. In den letzten 6 Monaten waren es sogar über 300 Prozent. Kein anderes Edelmetall hat einen derartigen Anstieg verzeichnet. Auch charttechnisch befand sich der Markt in einer überkauften Lage, die den Preis besonders anfällig für Korrekturen machte. In solchen Situationen geht es nicht mehr um die Frage, ob eine Korrektur kommt, sondern wann und wie stark diese ausfallen wird. Die Nominierung von Kevin Warsh brachte den Stein ins Rollen. Viele Anleger nutzten die hohen Preise, um Gewinne zu realisieren, was eine Verkaufswelle auslöste. Wenn in solchen Situationen noch wichtige Unterstützungsmarken unterschritten werden, bringen automatisierte Verkäufe, um Verlust zu reduzieren, zusätzliche Dynamik in den Markt und lassen die Kurse weiter fallen. Dass der Silberpreis am stärksten von den Turbulenzen am Edelmetallmarkt betroffen ist, ist kein Wunder.
Marktpsychologie und Volatilität
Die Nervosität unter Anlegern war bereits vor dem Einbruch hoch. Der Silbermarkt ist im Vergleich zu anderen Rohstoffmärkten relativ illiquide, was ihn besonders anfällig für starke Schwankungen macht. Die hohe Volatilität zeigt, dass der Markt weiterhin um den „richtigen“ Preis ringt. Trotz des Rückgangs bleibt der langfristige Aufwärtstrend jedoch intakt, da die fundamentalen Treiber wie geopolitische Unsicherheiten und die Rolle von Silber als sicherer Hafen bestehen bleiben.