Donald Trump droht unter anderem Deutschland mit neuen Zöllen. Wie fallen die Reaktionen von Wirtschaftsverbänden aus? Und wie äußern sich Mercedes und Bosch?
Die Kosten durch mögliche neue Strafzölle, wie sie US-Präsident Trump angekündigt hat, wären laut VDA-Präsidentin Hildegard Müller für die deutsche und die europäische Industrie enorm.
Von Rouven Spindler
US-Präsident Donald Trump hat im Grönland-Streit mit neuen Zöllen gedroht – und zwar gegen acht europäische Staaten, darunter Deutschland. Die seien so lange zu entrichten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf Grönlands erzielt sei, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Seine Pläne rufen hierzulande bei Wirtschaftsvertretenern harsche Kritik hervor.
„Die Ankündigungen möglicher neuer Strafzölle durch den US-Präsidenten sind eine erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen“, teilt Hildegard Müller mit, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Die Kosten, die dadurch entstehen würden, wären laut Müller für die deutsche und die europäische Industrie enorm – und das „in ohnehin herausfordernden Zeiten“.
BDI-Präsident: „Unangemessene und für alle Seiten schädliche Eskalation“
Peter Leibinger, Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), sieht in der Zoll-Drohung „eine unangemessene und für alle Seiten schädliche Eskalation“. Diese setzte „die transatlantischen Beziehungen völlig unnötig unter enormen Druck“, so Leibinger, der auch Aufsichtsratvorsitzender des Ditzinger Maschinenbauers Trumpf ist. Es sei „notwendig und richtig, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den europäischen Partnern deutlich macht, dass sie diese Drohung nicht hinnehmen wird“.
Am Donnerstag soll es zu einem Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs kommen. Gegenzölle und weitere Sanktionen, wie die EU sie in Betracht zieht, halte der BDI „in der aktuellen Phase für plausibel“, so Leibinger. Sie verfüge über Instrumente, um sich gegen Erpressungsversuche zur Wehr zu setzen. Doch gleichzeitig erachtet er es als „ wichtig, dass die EU die Kanäle für Dialog offenhält und auf Deeskalation drängt“.
VDA-Chefin Müller hält nun „eine kluge, strategische und mit den betroffenen Ländern abgestimmte Reaktion aus Brüssel“ für entscheidend. Zugleich spricht sie sich gegen Schnellschüsse aus. Die führten „zu einer Eskalation und einer möglichen Spirale, die nur Verlierer produziert“.
Sollten Trumps Ankündigungen in Kraft treten, müssten die acht betroffenen Länder seiner Erklärung nach bis zu einem Verkauf Grönlands an die USA zusätzliche Zölle in Höhe von zehn Prozent und später in Höhe von 25 Prozent zahlen. „Freier Handel und fairer Wettbewerb sichern Wohlstand, Wachstum und Innovationskraft“, teilt Mercedes-Benz gegenüber unserer Zeitung zur aktuellen Situation mit. „ Wenn eine allgemeine Strömung zu Protektionismus Fuß fasst, hat das negative ökonomische Konsequenzen für alle beteiligten Akteure. Dies kann nicht im Interesse von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sein“, ergänzt der Stuttgarter Autobauer.
Mercedes-Benz unterstütze daher die liberale Handelsordnung. „Dazu gehört das Prinzip, dass alle Beteiligten die gleichen Bedingungen vorfinden. Barrieren, die den freien Handel einschränken, sollten nicht neu geschaffen, sondern stattdessen abgebaut werden“, teilt der Autohersteller mit.
„Für eine Einschätzung zu Auswirkungen ist es derzeit noch zu früh“, heißt es von Bosch zu den Zolldrohungen. Der Stuttgarter Technologiekonzern erklärt jedoch, dass für ihn globaler Handel unter fairen Wettbewerbsbedingungen von großer Bedeutung sei. Auch Volkswagen, der Mutterkonzern des Sportwagenbauers Porsche aus Stuttgart, möchte sich zu diesem Thema auf Anfrage derzeit nicht äußern.