US-Midterms

So haben Aktien historisch auf die Wahl reagiert

Nach den US-Zwischenwahlen haben sich amerikanische Aktien in der Vergangenheit häufig nach einem gewissen Muster verhalten.

So haben Aktien historisch auf die Wahl reagiert

New Yorker Börse: 07.08.2026, USA, New York: «New York Stock Exchange» ist am Gebäude der New Yorker Börse zu lesen. Foto: Yuki Iwamura/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Von Lukas Böhl

Die US-Midterms gelten an der Wall Street als wichtiger Orientierungspunkt. Alle vier Jahre, zur Halbzeit der Präsidentschaft, wählen die Amerikaner das gesamte Repräsentantenhaus und rund ein Drittel des Senats neu. Die Ergebnisse können die politischen Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändern und damit den wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum des Präsidenten beeinflussen.

Für Anleger sind die Zwischenwahlen allerdings noch aus einem anderen Grund interessant: Historisch betrachtet folgte auf die Midterms häufig eine Phase kräftiger Kursgewinne. Mehrere Auswertungen zeigen, dass der amerikanische Aktienmarkt in den zwölf Monaten nach der Wahl deutlich besser abschnitt als in durchschnittlichen Börsenjahren.

S&P 500 nach Midterms seit 1950 immer im Plus

Besonders häufig wird eine Statistik von J.P. Morgan und anderen Investmenthäusern zitiert. Demnach erzielte der S&P 500 nach sämtlichen 19 Midterm-Wahlen zwischen 1950 und 2022 innerhalb der folgenden zwölf Monate eine positive Rendite. Die durchschnittlichen Kursgewinne lagen bei rund 15 Prozent.

Auch über kürzere Zeiträume fällt die Bilanz positiv aus. Eine Auswertung des Brokers Pepperstone zeigt für denselben Zeitraum einen durchschnittlichen Anstieg von 7,7 Prozent innerhalb der ersten drei Monate nach den Wahlen. Nach sechs Monaten lag das Plus im Mittel bereits bei 14,1 Prozent. Während der Markt nach 17 der 19 Wahlen innerhalb von drei Monaten zulegte, waren die Renditen nach sechs und zwölf Monaten in sämtlichen Fällen positiv.

Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Berechnungsmethode. So ermittelte die Analysegesellschaft Shaker Investments für die zwölf Monate nach den Midterms eine durchschnittliche Rendite von 18,8 Prozent. Unterschiede entstehen unter anderem durch die Berücksichtigung von Dividenden und die Wahl des jeweiligen Start- und Endzeitpunkts.

Längere Datenreihen relativieren die Erfolgsbilanz

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn historische Daten vor 1950 berücksichtigt werden. Das Finanzportal Motley Fool untersuchte auf Basis von Daten des Ökonomen Robert Shiller insgesamt 38 Midterm-Wahlen zwischen 1874 und 2022.

Das Ergebnis: In 32 der 38 Fälle entwickelten sich amerikanische Aktien innerhalb der folgenden zwölf Monate positiv. Das entspricht einer Erfolgsquote von rund 84 Prozent. Die durchschnittliche Rendite betrug etwa 14 Prozent einschließlich Dividenden.

Zum Vergleich: Über beliebige Zwölfmonatsperioden seit 1871 lag die Wahrscheinlichkeit einer positiven Aktienrendite bei etwa 73 Prozent. Der durchschnittliche Ertrag erreichte rund elf Prozent. Der historische Vorteil nach den Midterms beträgt damit etwa drei Prozentpunkte.

Dass die Börse nach Zwischenwahlen keineswegs zwangsläufig steigt, zeigen einzelne historische Beispiele. Nach den Midterms 1906 verloren amerikanische Aktien innerhalb von zwölf Monaten rund 34 Prozent. Nach der Wahl 1930 betrug der Rückgang etwa 33 Prozent, nach 1902 rund 20 Prozent.

Die oft zitierte Serie ausschließlich positiver Renditen gilt somit nur für den Zeitraum seit 1950. Sie ist kein allgemeingültiges Gesetz der Börsengeschichte.

Das Jahr nach den Midterms ist häufig besonders stark

Die Kursentwicklung nach den Zwischenwahlen fügt sich in ein längerfristiges historisches Muster ein: den vierjährigen US-Präsidentschaftszyklus.

Auswertungen von Fidelity und anderen Finanzdienstleistern zeigen, dass das zweite Jahr einer Präsidentschaft, in dem die Midterms stattfinden, häufig vergleichsweise schwach ausfällt. Das darauffolgende dritte Amtsjahr zählt dagegen historisch zu den stärksten Börsenphasen.

Eine Untersuchung der S&P-500-Kalenderjahresrenditen zwischen 1947 und 2023 ergab für Midterm-Jahre einen durchschnittlichen Kursanstieg von 4,6 Prozent. Im darauffolgenden Jahr lag dieser hingegen bei 16,3 Prozent.

Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten. Dass die Kurse in der Vergangenheit regelmäßig einem bestimmten Muster folgten, bedeutet nicht, dass der Wahlzyklus selbst die Ursache dafür ist. Geldpolitik, Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinne und die jeweilige Ausgangsbewertung beeinflussen die Aktienmärkte ebenfalls.

Welche Rolle spielen die Mehrheitsverhältnisse?

Eine weitere Frage ist, ob die Zusammensetzung der Regierung und des Kongresses die anschließende Börsenentwicklung beeinflusst.

Die langfristige Motley-Fool-Auswertung zeigt deutliche Unterschiede. Nach Midterms, auf die eine einheitliche demokratische Kontrolle von Weißem Haus und Kongress folgte, stiegen amerikanische Aktien innerhalb von zwölf Monaten durchschnittlich um rund 23 Prozent. Bei einem republikanischen Präsidenten und einer geteilten Regierung lag das durchschnittliche Plus bei etwa 18 Prozent.

Unter einem demokratischen Präsidenten mit geteilter Regierung erreichten die Renditen rund 13 Prozent. Bei einer einheitlichen republikanischen Regierung ergab sich dagegen ein durchschnittlicher Rückgang von etwa einem Prozent.

Diese Zahlen lassen sich allerdings kaum als Beleg für eine grundsätzliche Überlegenheit einzelner politischer Konstellationen interpretieren. Die jeweiligen Gruppen umfassen lediglich sieben bis 14 historische Fälle. Hinzu kommt, dass Ereignisse wie Wirtschaftskrisen, Kriege und geldpolitische Veränderungen die Ergebnisse maßgeblich beeinflussen können.

Anleger sollten deshalb vorsichtig sein, aus der politischen Mehrheit im Kongress unmittelbar auf die künftige Kursentwicklung zu schließen.

Besonders hohe Gewinne nach dem Jahrestief

Noch deutlich höhere Renditen ergeben sich, wenn nicht der Wahltag, sondern das jeweilige Kurstief im Midterm-Jahr als Ausgangspunkt gewählt wird.

Eine Auswertung historischer S&P-500-Daten zwischen 1946 und 2022 kommt für die zwölf Monate nach dem jeweiligen Jahrestief auf einen durchschnittlichen Kursanstieg von 30,6 Prozent. In sämtlichen 20 untersuchten Fällen legte der Index anschließend zu.

Für Anleger besitzt diese Statistik allerdings nur begrenzte praktische Aussagekraft. Denn der tatsächliche Tiefpunkt eines Börsenjahres lässt sich erst im Nachhinein zuverlässig bestimmen. Die hohen Renditen zeigen vor allem, wie kräftig die Erholungsbewegungen nach zeitweisen Kursverlusten in Midterm-Jahren ausfallen konnten.

Was die Historie für Anleger bedeutet

Die historischen Daten liefern insgesamt ein vergleichsweise positives Bild für die Zeit nach den US-Zwischenwahlen. Unabhängig von der konkreten Berechnungsmethode zeigen zahlreiche Untersuchungen überdurchschnittliche Renditen und eine hohe Wahrscheinlichkeit steigender Aktienkurse innerhalb der folgenden zwölf Monate.

Allerdings hängt die Aussagekraft entscheidend vom gewählten Untersuchungszeitraum ab. Während der S&P 500 seit 1950 nach jeder Midterm-Wahl auf Jahressicht zulegte, dokumentieren längere Datenreihen mehrere deutliche Kursverluste.

Auch die statistische Grundlage ist begrenzt. Selbst 38 historische Wahlen stellen eine relativ kleine Stichprobe dar. Zudem fanden sie unter sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen statt.

Für die Entwicklung nach den Midterms vom 3. November 2026 ergibt sich daraus ein historisch günstiges, aber keineswegs verlässliches Signal. Ob sich das bekannte Muster erneut wiederholt, dürfte nicht zuletzt von der amerikanischen Konjunktur, den weiteren Entscheidungen der US-Notenbank und der Gewinnentwicklung der Unternehmen abhängen.