Baden-Württemberg

So viele tote Radfahrer wie nie zuvor im Südwesten

Ein trauriger Rekord in Baden-Württemberg: 2025 starben so viele Radfahrer wie nie zuvor. Der ADAFC fordert mehr Anstrengungen von der Politik.

So viele tote Radfahrer wie nie zuvor im Südwesten

Wenn Autos und Radler im Verkehr aufeinandertreffen, haben die Zweiräder häufig das Nachsehen. (Symbolbild)

Von Michael Bosch

Im vergangenen Jahr hat es einen traurigen Rekord auf den Straßen in Baden-Württemberg gegeben: Es sind so viele Radfahrerinnen und Radfahrer ums Leben gekommen wie noch nie zuvor. Im Jahr 2025 sind demnach 60 Radler im Südwesten gestorben. „Mehr als eine Person pro Woche“, beklagt der Allgemeine Deutsche Fahrad-Club (ADFC). Besonders häufig endeten Unfälle tödlich, wenn Radler außerorts größere Straßen queren wollten. „60 getötete Menschen sind viel zu viel, und für Entwarnung bei den Unfallzahlen gibt es keinen Anlass,“ so Matthias Zimmermann, Vorsitzender des ADFC Baden-Württemberg.

Insgesamt bestätige die Erhebung der Unfallzahlen in Baden-Württemberg die langfristigen Trends, teilt der Verein mit: „Während der Straßenverkehr insgesamt sicherer wird, steigen die Zahlen der verunglückten Radfahrenden“, heißt es. Laut Innenministerium habe es im vergangenen Jahr insgesamt 13.073 Fahrrad- und Pedelec-Unfälle gegeben. Das bedeute einen Anstieg von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zahlen im Südwesten insgesamt rückläufig

„Im besonders großen Widerspruch zur allseits beschworenen Vision Zero (keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr) steht die nochmals gestiegene Zahl der Verkehrstoten“, schreibt der ADFC. „Die Zahl der gefahrenen Fahrradkilometer steigt seit Jahren kontinuierlich, die Rahmenbedingungen für sicheres Radfahren wachsen aber nicht mit.“

„Bei Autos und Motorrädern sinken die Unfallzahlen seit Jahren tendenziell – vor allem durch die Verbesserung technischer Standards“, schreibt der ADFC. Allerdings zeigt die Verkehrsunfallbilanz der Landesregierung im vergangenen Jahr ein leichtes Plus (0,6 Prozent). Insgesamt ereigneten sich 314.129 Verkehrsunfälle. Dennoch ist der Befund nicht falsch. Im Vergleich zum Zehnjahreshöchststand aus dem Jahr 2017 habe sich die Anzahl der Verkehrstoten um 20 Prozent (2017: 458, 2025: 367) und die Anzahl der Schwerverletzten um rund 40 Prozent (2016: 8.992, 2025: 5.561) reduziert, heißt es im Bericht.

ADFC fordert Umdenken

Auch deshalb fordert die Radlobby „ein Umdenken“, um Unfälle mit Radfahrern zu reduzieren. „Wenn mehr Radverkehr automatisch mehr Unfälle bedeutet, zeigt das ein strukturelles Problem“, so Matthias Zimmermann. „Beim motorisierten Verkehr ist es gelungen, steigende Verkehrsleistung von den Unfallzahlen zu entkoppeln. Beim Radverkehr gelingt das bislang nicht.“ Die Politik müsse mehr für sicheren Radverkehr tun – dazu gehörten neben mehr Lückenschlüssen im Radnetz auch mehr Tempolimits für Autos.

Der ADFC argumentiert, dass der Straßenverkehr „häufig“ nicht für Radler gemacht sei. „Fahrräder haben keine Knautschzone und keinen Airbag. Bei einem Zusammenstoß ziehen sie zwangsläufig den Kürzeren – mit umso schwereren Folgen, je höher die Geschwindigkeiten der anderen Beteiligten sind“, heißt es. „Oft sind Radfahrende mangels sicherer Infrastruktur überfordert,“ sagt Zimmermann. Besonders betroffen seien dabei Seniorinnen und Senioren.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass laut dem Bericht der Landesregierung die Mehrzahl der tödlich verunglückten Radler (rund zwei Drittel) mit einem Pedelec unterwegs waren. Mehr als die Hälfte habe keinen Helm getragen. Und der Bericht zeigt noch etwas: die Zahl der Schwerverletzten Radler ging leicht zurück – um 5,8 Prozent (2024: 1.818; 2025: 1.713).