Die kommunalen Arbeitgeber in Baden-Württemberg wollen die Gewerkschaft Verdi noch vor Beginn der Tarifrunde im Nahverkehr bremsen: Streiks wären aktuell besonders schädlich.
Demnächst droht wieder tageweise Stillstand bei den Nahverkehrsunternehmen im Land.
Von Matthias Schiermeyer
Der Kommunale Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) befürchtet schon bald streikbedingte Ausfälle im Nahverkehr des Landes. Grund sind die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi, die am Dienstag beginnen und womöglich ab Anfang Februar zu Stillstand führen könnten. Betroffen wären die Verkehrsunternehmen in Stuttgart (SSB), Esslingen (SVE), Baden-Baden, Konstanz, Freiburg, Heilbronn und Karlsruhe.
Für Streiks zeigt der Verband schon vorab „kein Verständnis“: Wegen der angespannten Finanzlage der Kommunen komme es bereits heute vielerorts zu Einschränkungen des Fahrplanangebots. Zudem habe es seit 2023 in den Nahverkehrsunternehmen schon bis zu zwölf Streiktage gegeben.
Es geht um die Zuschläge, nicht um das Monatsentgelt
Der Tarifvertrag-Nahverkehr betrifft in Baden-Württemberg etwa 6700 Beschäftigte. Verhandelt wird in dieser von Verdi bundesweit koordinierten Tarifrunde nicht über die Monatsentgelte. Vielmehr wird unter anderem die Anhebung des Nachtzuschlags, des Sonntagzuschlags, des Überstundenzuschlags und des Samstagszuschlags gefordert. Aktuell liege der Stundenlohn für Überstunden ohne Zuschläge unterhalb des regulären Stundenlohns, wird argumentiert. Faktisch sei Mehrarbeit für die Arbeitgeber billiger als zusätzlicher Personaleinsatz. Auf diese Weise „bringt das Personal weg“, warnt Verhandlungsführer Jan Bleckert.
Das Volumen der Forderungen betrage im Fahrdienst deutlich mehr als 15 Prozent, kontern die Arbeitgeber. Laut dem KAV-Vorsitzenden Wolf-Rüdiger Michel sind die durchschnittlichen Gehälter in den Nahverkehrsunternehmen seit 2023 aber schon um über 20 Prozent gestiegen, in den unteren Entgeltgruppen noch höher. Das Durchschnittseinkommen inklusive aller Zuschläge betrage gut 4300 Euro brutto im Monat.