Start nach Maß für das DFB-Team

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft startet mit einem 7:1 gegen Curaçao ins WM-Turnier und blickt nun zuversichtlich auf die zweite Partie gegen die Elfenbeinküste.

Von Carlos Ubina

Houston - 2018? Zum Start in die WM 0:1 gegen Mexiko verloren. 2022? Gab es zum WM-Auftakt ein 1:2 gegen Japan. Und weil das zwei Pleiten mit bösen sportlichen Folgen waren – das deutsche Team schied jeweils schon nach der Vorrunde aus –, war klar, was am Sonntagmittag (Ortszeit) in Houston vor allem vorherrschte im deutschen Fußballlager: Erleichterung. Trotz einer kleinen Schwächephase hat die Mannschaft von Julian Nagelsmann die Aufgabe gegen die Außenseiter aus Curaçao zum Start der WM 2026 souverän gelöst. 7:1 hieß es am Ende.

Der Bundestrainer hatte sich im Vorfeld der Partie genau für jene Startaufstellung entschieden, die erwartet worden war. Mit Manuel Neuer im Tor, der nach Wadenproblemen rechtzeitig fit geworden ist. Mit Leroy Sané auf der rechten Seite. Und: mit Jamal Musiala in der Offensivzentrale. Über den Einsatz des jungen Münchners hatte sich vor dem WM-Start eine Debatte entwickelt. Die diskutierte Frage: Sollte Nagelsmann die ersten Spiele nutzen, um Musiala die Chance zu geben, zu alter Stärke zu finden – oder sollte lieber einer spielen, der voll in Form ist? Das wäre Deniz Undav gewesen. Der Bundestrainer entschied pro Musiala – was auch bedeutete, dass kein Profi des VfB Stuttgart in der Startelf auftauchte. „Wir haben“, sagte Nagelsmann vor dem Anpfiff, „eine sehr, sehr gute Mannschaft auf dem Platz.“ Was diese dann auch gleich klarmachte.

Dem deutschen Team war jedenfalls gleich anzusehen, dass am Auftaktsieg kein Zweifel aufkommen sollte. Und dass die Männer aus Curaçao gar nicht erst anfangen sollten, an eine Sensation zu glauben. Zur Folge hatte diese Einstellung dann taktisch ein hohes Attackieren – und faktisch ein wahres Torschussfestival. Und der zweite von ganz vielen Abschlüssen in den ersten zehn Minuten führte dann auch gleich zur deutschen Führung.

Zunächst hatte Nathaniel Brown einen starken Pass auf Jamal Musiala gespielt. Dessen Schuss wurde zwar noch geblockt, aber das Team des DFB schaltete danach nicht ab, und setzte gleich zur nächsten torgefährlichen Aktion an. Felix Nmecha spielte einen kurzen Pass auf Florian Wirtz, der setzte den Dortmunder gleich wieder in Szene – und zur Krönung dieses Zusammenspiels setzte Nmecha den Ball sicher ins lange Eck. 1:0 in der sechsten Minute – das war ganz nach dem Geschmack der deutschen Fans im heruntergekühlten Stadion im texanischen Südosten. Es schien auch danach geradewegs so weiterzugehen, doch plötzlich funkte das DFB-Team: Houston, wir haben ein Problem. Ins deutsche Spiel schlichen sich jedenfalls Nachlässigkeiten ein. Das ermöglichte dem Außenseiter nach rund 20 Minuten den ersten Schuss aufs Tor von Manuel Neuer – und dann sogar Historisches: das erste WM-Tor für das klitzekleine Land (158.000 Einwohner) in der Karibik.

Eine Unstimmigkeit im Mittelfeld, zwei unglücklich verlaufene Zweikämpfe, ein abgefälschter Schuss – und dann war sie tatsächlich da: die „blaue Welle“ in Person des Torschützen Livano Comenencia. Der 22-Jährige, geboren in den Niederlanden und beim FC Zürich aktiv, wurde in der 22. Minute zum Nationalhelden. Und das deutsche Team konnte die kurz darauf folgende Trinkpause tatsächlich gut gebrauchen.

Julian Nagelsmann scharte die Seinen noch einmal um sich, redete intensiv auf das Team ein – dass dann recht schnell wieder Kontrolle über die Partie erlangte. Und noch vor der Pause auf die Erfolgsspur zurückfand. Eckball Brown, Kopfball Nico Schlotterbeck, 2:1 in Minute 38 – und der Dortmunder zeigte nach einem ersten Länderspieltor den Bizeps. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte verwandelte dann noch Kai Havertz einen an Felix Nmecha verursachten Foulelfmeter. Und als nicht mal zwei Minuten nach dem Seitenwechsel Jamal Musiala zum 4:1 traf, war nicht nur Nagelsmanns Aufbauplan für den Youngster aufgegangen, sondern die Richtung dieses Spiels auch endgültig klar.

Nach schöner Vorlage des eingewechselten Deniz Undav legte Nathaniel Brown noch das 5:1 nach (68.), ehe auch Undav selbst sein erstes WM-Tor erzielte (78.) – und dann noch das 7:1 durch Kai Havertz vorbereitete (88.). Für das deutsche Team war es der Auftakt nach Maß nach zwei WM-Turnieren, die schon nach dem ersten Spiel zur Mega-Herausforderung wurden. Diesmal kann die DFB-Auswahl beruhigt in Richtung des zweiten Spiels in der Gruppe E schauen. Das findet am kommenden Samstag (22 Uhr) in Toronto gegen die Elfenbeinküste statt.