Welche Maßnahmen könnten helfen, den Benzinpreis zu senken? Die Uni Konstanz macht dazu jetzt einen überraschenden Vorschlag.
Der Berufsverkehr macht einen Großteil des täglichen Spritkonsums aus.
Von Eberhard Wein
Die Preise für Benzin und Diesel bewegen sich weiter auf hohem Niveau. Von Mai an will die Bundesregierung mit einer befristeten Steuersenkung die Preise dämpfen. Gleichzeitig wird der Ruf nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen lauter, die den Benzinverbrauch und damit den Bedarf senken könnte. Ein Forscherteam der Universität Konstanz hat jetzt einen weiteren Vorschlag vorgelegt, der einfach und schnell den täglichen deutschlandweiten Spritverbrauch um 19 Prozent senken könnte.
Nach den Berechnungen der Wissenschaftlicher würde sich diese Einsparung ergeben, wenn jeder Arbeitnehmer, der einer Homeoffice-fähigen Beschäftigung nachgeht, einen Tag mehr in der Woche zu Hause bliebe. Da 64 Prozent dieser Beschäftigten für den Weg zur Arbeit das Auto nutzten, würde sich der tägliche Kraftstoffverbrauch in Deutschland um 32 Millionen Liter reduzieren. Zum Vergleich: Ein Tempolimit von 120 Kilometern in der Stunde auf der Autobahn hätte nach Berechnungen des Umweltbundesamtes lediglich einen täglichen Effekt von 2,2 Millionen Liter. Die kostendämpfende Wirkung sei daher bei einer Ausweitung von Homeoffice wesentlich größer.
Homeoffice-Wunsch steigert Produktivität und Engagement
Die nötige Bereitschaft dazu ist aus Sicht der Wissenschaftler vorhanden, denn die Beschäftigten wünschten sich im Schnitt genau diesen einen Homeoffice-Tag mehr. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass Organisationen, die hybride Arbeit jetzt strukturiert gestalten, Engagement und Produktivität steigern. Das seien die zentralen Befunde der neuen Konstanzer Homeoffice-Studie, die jetzt zum 19. Mal erhoben wurde.
„Wir haben hier ein seltenes Zusammentreffen von individuellen Wünschen, gesellschaftlichem Nutzen und betriebswirtschaftlichem Interesse“, sagte der Studienleiter Florian Kunze, Professor für Organizational Behavior und Mitglied des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz. „Aktuelle Studien zeigen, dass etwa drei Tage mobiles Arbeiten optimal für die objektive Produktivität in vielen Tätigkeiten wären – da gibt es also noch Optimierungspotenzial.“
Insgesamt halten 62 Prozent der Befragten mehr Homeoffice wegen der gestiegenen Energiepreise für sinnvoll – dennoch hätten bisher nur 20 Prozent ihr Verhalten aufgrund der steigenden Kosten angepasst. Der Grund liege nicht in fehlender Motivation, sondern in strukturellen Hürden. Gleichzeitig gebe ein Drittel der Beschäftigten an, häufig ins Büro zu kommen, ohne dass dies inhaltlich notwendig wäre – ein Fünftel teilt sogar den Eindruck, dass viele Mitarbeitende im Büro ihre Zeit ohnehin eher absitzen.