In Alaska ist das Interesse an den Wahlen groß. Doppelt so viele Menschen wie vor vier Jahren haben bereits vor dem 3. November ihre Stimme abgegeben.
Von Christian Gottschalk
Alaska ist nicht nur ein kalter, sondern auch ein traditionell republikanischer Bundesstaat. Bei den vergangenen drei Präsidentschaftswahlen lag der Anteil an republikanischen Stimmen jeweils sehr stabil über der Marke von 50 Prozent. In diesem Jahr gibt es einen Kampf um den Posten im US-Senat, auf den inzwischen das ganze Land blickt.
Sullivan I und II in Alaska
Und das Interesse an den Wahlen ist groß. Bis zum 26. Oktober haben fast doppelt so viele Wähler persönlich vorzeitig ihre Stimme abgegeben wie zum gleichen Zeitpunkt bei den letzten Zwischenwahlen, so das Prognose-Team des Senders NBC. Was kaum einer auf der Rechnung hat: Eine Änderung des Wahlrechts aus dem Jahr 2022 könnte dazu führen, dass die USA erst Ende November wissen, wer künftig im Senat die Mehrheit hat.
Die Senatswahlen in Alaska sind gleich aus mehreren Gründen von internationalem Interesse. Da ist zum einen der viel beachtete doppelte Sullivan. Neben dem Amtsinhaber, dem republikanischen Senator Dan S. Sullivan steht dort noch ein weiterer Bewerber, der ehemalige Lehrer Daniel J. Sullivan auf dem Stimmzettel. Die Republikaner befürchten nun, dass „Sullivan II“ die Wähler verwirren, und dem Amtsinhaber Stimmen abluchsen könnte. Das könnte der republikanischen Kandidatin zum Sieg verhelfen, so die Argumentation.
Kurioses Wahlrecht in Alaska
Eine Klage des Justizministeriums, die US-Präsident Donald Trump angeordnet hatte, ist am Montag von einem Gericht erst einmal abgewiesen worden. Ob das schon das letzte Wort ist, ist derzeit unklar – zumal die New York Times Belege gefunden zu haben glaubt, dass die demokratische Kandidatin Mary Peltola bei dieser Angelegenheit ihre Finger im Spiel hatte. Die Diskussion der letzten Tage hatte sich auf diese Punkte erstreckt. Wichtiger ist aber ein anderer.
Alaska hat neben Maine ein sehr besonderes Wahlrecht, und das könnte in diesem Jahr Auswirkungen weit über den Bundesstaat hinaus haben. Nach dem so genannten Rangfolgeverfahren können dabei bis zu vier Kandidaten nach einer persönlichen Präferenz geordnet werden. Bei der Auszählung wird dann zu Beginn nur auf die Nummer eins der Liste geblickt. Bekommt dabei keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen, wird es spannend.
Der doppelte Sullivan und die 50 Prozent
In einem nächsten Schritt wird der Kandidat der den letzten Platz auf der Liste inne hatte, eliminiert. Seine Stimmen werden auf die verbleibenden Kandidaten neu verteilt, entsprechend der Präferenz der Wähler. Hat dann immer noch niemand mehr als 50 Prozent, geht das Spiel so weiter. Wieder wird der Letzte auf der Liste gestrichen, wieder wird geschaut, wen seine Wähler an Nummer zwei und drei gesetzt haben. Durch den doppelten Sullivan ist es nicht ausgeschlossen, dass es im ersten Durchgang niemand schafft, die 50 Prozent zu erlangen. Das komplizierte weitere Auszählen aber wird Alaska gegebenenfalls nicht vor dem 19. November in Angriff nehmen.
Alaska für Senat entscheidend?
Je nachdem, wie es in den anderen Bundesstaaten läuft, kann es völlig unbedeutend für die neue Senatsmehrheit sein, wie sich die rund 600.000 wahlberechtigten Menschen in Alaska entscheiden. Es kann aber auch sein, dass der Bundesstaat mit den drittwenigsten Einwohnern das gesamte Endergebnis bestimmt. Insgesamt gibt es bei dieser Wahl nämlich sieben Staaten, bei denen das Rennen für die Senatswahl als offen gilt. Mindestens vier müssen die Demokraten gewinnen, um die Mehrheit in dieser Kammer zu erreichen – und Alaska ist einer davon.
Es ist also das Szenario denkbar, dass nach dem Ende der Stimmabgabe und der Auszählung aller anderen Bundesstaaten ein Patt im Senat vorliegt – und dass es auf das Ergebnis von Alaska ankommt. Wenn da aber keiner der Kandidaten die-50 Prozent-Hürde übersprungen hat, dann kommt das komplizierte Wahlrecht zur Anwendung, das Prognosen praktisch unmöglich macht. Ganz Amerika, wenn nicht gar die ganze Welt muss dann bis zum 19. November warten.
Gleich zwei Herren namens Sullivan wollen in den US-Senat.