Donald Trump will ab Dienstag Kraftwerke und Brücken im Iran bombardieren lassen. Teheran droht mit Vergeltungsschlägen am Golf.
US-Präsident Donald Trump droht mit weiteren Angriffen.
Von Thomas Seibert
High Noon im Iran-Krieg: Teheran lehnt das jüngste Ultimatum von Donald Trump zur Freigabe der Straße von Hormus ab und bezeichnet den US-Präsidenten als „Wahnsinnigen“. Trump will von diesem Dienstag an Kraftwerke, Staudämme und Brücken im Iran bombardieren lassen, wenn das Regime die Sperre des Tankerverkehrs in der Meerenge von Hormus bis dahin nicht aufhebt.
Die iranische Führung sieht sich im Vorteil, betrachtet Trumps immer schrillere Äußerungen als Zeichen von Konzeptlosigkeit und will neue US-Angriffe mit verstärkten Vergeltungsschlägen in den Golf-Staaten beantworten. Pakistan versucht, die Eskalation mit dem Vorschlag für eine sofortige Waffenruhe zu verhindern.
Damit steht der Iran-Krieg nach mehr als einem Monat vor einem entscheidenden Wendepunkt. Trump kann, wie schon in den vergangenen Wochen häufiger geschehen, seine Frist an den Iran verlängern, doch damit würde er seine Glaubwürdigkeit untergraben. Sollte der US-Präsident wie angedroht „die Hölle“ über den Iran hereinbrechen lassen, riskiert er eine Eskalation des Konflikts, die viel mehr Menschen das Leben kosten und die Weltwirtschaft noch tiefer in die Krise stürzen würde.
Schon jetzt steigt die Zahl der zivilen Opfer, weil die Konfliktparteien immer häufiger zivile Ziele angreifen. Amerikanisch-israelische Luftangriffe in der Nacht zum Montag töteten im Iran mindestens 25 Menschen, darunter sechs Kinder, wie die iranischen Behörden mitteilten. In Israel starben zwei Menschen beim Einschlag einer iranischen Rakete in ein Gebäude.
Trump schimpft: „Verrückte Bastarde“
USA und Iran erhielten am Montag den Vorschlag von Vermittler Pakistan für eine Waffenruhe. Der Plan sieht laut Medienberichten eine sofortige Kampfpause und anschließend bis zu dreiwöchige Verhandlungen über eine endgültige Einigung vor. Ob der Vorschlag auch die Straße von Hormus betrifft, war nicht bekannt. Der Iran lehne eine Öffnung der Meerenge als Gegenleistung für eine Waffenruhe ab, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Regierungskreise in Teheran.
Die Bedingungen von USA und Iran für eine Feuerpause seien bisher unvereinbar, meint Danny Citrinowicz, ehemaliger Iran-Experte des israelischen Militärgeheimdienstes. Teheran verlange verlässliche Garantien gegen künftige Angriffe und die zumindest indirekte Anerkennung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus, schrieb Citrinowicz auf X. Dagegen besteht Trump auf einer sofortigen Öffnung der Meerenge und beschimpft die Mitglieder der iranischen Führung als „verrückte Bastarde“.
Schon vor dem Krieg hatte sich Trump nach Angaben seines Beraters Steve Witkoff gefragt, warum der Iran nicht einfach aufgebe und alle US-Forderungen zur Begrenzung der iranischen Atom- und Raketenprogramme erfülle. Daraus spricht die Erwartung der US-Regierung, dass Teheran einlenken wird, wenn der Druck groß genug ist. Doch das sei eine Fehleinschätzung, meinen Citrinowicz und andere Experten.
Das iranische Regime sei eher bereit, Land und Leute zu opfern als seine Macht und seine Ideologie, schrieb Karim Sadjadpour von der US-Denkfabrik Carnegie Endowment für internationalen Frieden auf X. „Das Regime glaubt, es könne nicht überleben, wenn es seine Grundsätze aufgibt.“
Iran kompromisslos
Teheran weist Trumps jüngste Drohung mit massiven US-Angriffen als Ausdruck von „Wahnsinn“ zurück, wie die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf einen Regimevertreter meldete; Tasnim steht der Revolutionsgarde nahe, die seit Kriegsbeginn ihren Einfluss auf Entscheidungen der iranischen Führung ausgebaut hat. „Der Iran ist bereit, die Spannungen unbegrenzt eskalieren zu lassen.“ Beide Seiten sehen sich in der stärkeren Position. Trump fühle sich durch die erfolgreiche Rettung des Waffenoffiziers eines über dem Iran abgeschossenen Kampfflugzeuges in seiner harten Linie bestärkt, meldete die „New York Times“. Der Iran dagegen sieht den Abschuss des US-Jets als Beweis dafür, dass seine Flugabwehr weiterhin funktioniert.
Vor allem aber ist die Führung in Teheran sicher, dass ihr die iranische Kontrolle über den Tankerverkehr in der Straße von Hormus vorerst nicht mehr zu nehmen ist. Eine Vertreibung der Iraner wäre schwierig und verlustreich. Eine diplomatische Lösung sei nur denkbar, wenn Trumps Regierung direkt oder indirekt diese iranische Position anerkenne, meint Citrinowicz. Dann werde Teheran möglicherweise über die Freigabe des Schiffsverkehrs mit sich reden lassen.
Für den Fall einer weiteren Eskalation sehen Experten neue weltwirtschaftliche Erdbeben, aber keine Kapitulation des Iran voraus. Iranische Vergeltungsschläge nach den angedrohten US-Angriffen auf Kraftwerke würden voraussichtlich Energieanlagen am Golf treffen, meint Sina Toossi vom US-Institut Zentrum für Internationale Politik. Wenn der Iran die wichtige Ost-West-Ölpipeline in Saudi-Arabien lahmlegen und die pro-iranischen Huthi-Rebellen die Zufahrt zum Suez-Kanal durch das Rote Meer sperren sollten, könne der Ölpreis auf 200 Dollar pro Barrel (je 159 Liter) steigen, schrieb Toossi auf X.
Das erwartet auch das Regime in Teheran. Bei einer weiteren Eskalation würden auch die USA unter den Folgen des Krieges leiden, zitierte Tasnim den ungenannten Regimevertreter. Trumps Drohung sei „verrückt“.