Iran hat die Straße von Hormus erneut für geschlossen erklärt. Die Revolutionsgarden drohen Schiffen und verlangen umfangreiche Daten von Reedereien.
Iranische Raketenübung an der Straße von Hormus (Archiv).
Von Michael Maier
Nur zwei Tage nach Unterzeichnung eines vorläufigen Memorandums of Understanding (MoU) zwischen den USA und Iran eskaliert die Lage erneut. Die iranische Revolutionsgarde (IRGC) hat laut internationalen Medienberichten alle Schiffe per Funk aufgefordert, sich der Meerenge nicht zu nähern. Gleichzeitig verlangt eine neu gegründete iranische Behörde detaillierte Schiffsdaten, bevor überhaupt eine Durchfahrt erwogen wird.
Mutmaßliche Warnschüsse und Drohungen in der Straße von Hormus
Laut Berichten kam es in der Meerenge zu Warnschüssen. In einem Funkspruch der IRGC heißt es, die Straße von Hormus bleibe geschlossen, bis alle Bedingungen des vorläufigen Abkommens mit den USA erfüllt seien. Alle Schiffe würden im Interesse ihrer Sicherheit aufgefordert, sich der Meerenge nicht zu nähern.
Jedes Schiff, das diese Anweisung missachte, werde zum Ziel gemacht. Als Bedingungen nannte die IRGC den Rückzug Israels aus dem Libanon, die vollständige Aufhebung der Seeblockade sowie den Abzug der US-Truppen aus der Golfregion.
Neue PGSA-Behörde der Revolutionsgarden
Im Mai 2026 gründete Iran die selbst ernannte Seefahrtsbehörde „Persian Gulf Strait Authority“ (PGSA). In einem offiziellen Schreiben vom 18. Mai 2026 teilt die Einrichtung mit, dass Schiffe, die die Meerenge passieren wollten, ihren Transitantrag bei der PGSA einreichen müssten.
Reedereien müssen dabei gültige Routen sowie umfangreichen Schiffsdaten offenlegen und den Antrag mindestens 48 Stunden vor Erreichen der Meerengengrenze stellen, entweder online über PGSA.ir oder per E-Mail. Ein entsprechendes Excel-Dokument liegt seit einigen Wochen auch unserer Redaktion vor. Einige Reedereien sollen bis zu 2 Millionen Dollar Schutzgeld bezahlt haben.
Ein aktueller Social-Media-Post bei X stellt für einen Zeitraum von 60 Tagen Gebührenfreiheit in Aussicht, verlangt jedoch in drohendem Ton eine Registrierung. Beobachter werten das Vorgehen als Signal, dass Teheran langfristig Durchfahrtsgebühren erheben und vor allem Schiffsdaten systematisch erfassen will. Israel soll demnach aus dem Persischen Golf ausgeschlossen werden.
Israel ignoriert Iran-Deal und greift im Libanon an
Israel erklärte, sich an das Abkommen nicht gebunden zu fühlen, und griff in der Nacht zu Freitag mehr als 80 Hisbollah-Ziele im Südlibanon an. Libanesische Behörden meldeten mindestens 18 Tote im Süden sowie vier weitere im Bekaa-Tal.
Die für heute geplanten Gespräche in der Schweiz zwischen den USA und dem Iran wurden verschoben. Die USA nennen „logistische Gründe“ – Medien in Nahost berichten indes, Teheran zögere wegen der anhaltenden israelischen Militäroperationen.