Generation Smartphone

Sucht als Geschäftsmodell

Jugendliche sind im Umgang mit Smartphones und sozialen Medien besonders herausgefordert. Tech-Konzerne und Eltern sind in der Verantwortung, meint Chefredakteur Joachim Dorfs.

Sucht als Geschäftsmodell

Zwischen Sucht und Sinn: Welcher Umgang mit dem Smartphone ist richtig?

Von Joachim Dorfs

Es war ein womöglich wegweisendes Urteil. Vor einem Gericht in Los Angeles haben die Tech-Konzerne Alphabet und Meta Ende März einen Prozess um das Suchtpotenzial ihrer sozialen Medien Youtube und Instagram verloren. Die Geschworenen kamen zu dem Schluss, dass die Plattformen fahrlässig handelten und Nutzer ungenügend über Risiken informierten. Das Gericht sprach einer Klägerin drei Millionen Dollar zu.

Wegweisend kann das Urteil insofern sein, als viele weitere Prozesse dieser Art anhängig sind. Wir bewegen uns da im Kern der Auseinandersetzung um die Nutzung von Smartphones im Allgemeinen und sozialen Medien im Besonderen. Wohl keine Erfindung der neueren Zeit hat das Leben in der Gesellschaft so verändert. Das Smartphone hat Innovationen hervorgebracht, die noch vor gar nicht so vielen Jahren komplett unwahrscheinlich gewesen wären. Und bringt aber gleichzeitig auch viele gesellschaftliche und soziale negative Effekte mit sich.

15-Jährige nutzen ihr Handy 48 Stunden pro Woche

In Deutschland kommen 15-Jährige im Durchschnitt auf eine Handyzeit von 48 Stunden in der Woche. Fast drei Viertel der 15-Jährigen verbringen pro Schultag mehr als zwei Stunden nur zu Vergnügungszwecken am Bildschirm. Diese alarmierenden Daten stammen aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2025.

Wissenschaftlich ist erwiesen, dass es bei Kindern, die zu früh und zu lange Smartphones nutzen, zu physischen Veränderungen im Gehirn kommt. Der Spracherwerb findet verzögert statt. Bei Jugendlichen geht es vor allem um das Suchtpotenzial der sozialen Medien – daher die Diskussionen über ein Social-Media-Verbot für sie, das Australien ausgesprochen hat und das weltweit diskutiert wird, daher die Prozesse gegen die Anbieter der Plattformen, die alles tun, damit der Nutzer auch den nächsten Beitrag noch anschaut. Das führt womöglich zu Suchtverhalten, prägt aber auch den gesellschaftlichen Diskurs, in dem keine Meinung zu abwegig und keine These zu steil ist, solange sie Aufmerksamkeit generiert.

Der Umgang mit dem Smartphone ist besonders für Jugendliche eine Herausforderung. Ihnen, der „Generation Smartphone“, widmen wir in den kommenden Wochen eine Serie. Darin beleuchten wir das Phänomen und geben Hinweise für Eltern für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Smartphone – dem ihrer Kinder und ihrem eigenen.