Auch in Deutschland dürften Tesla-Fahrer bald die Steuerung weitgehend dem Auto überlassen können, während sie weiter die Verantwortung tragen. In den USA beginnt der Bau von Robotaxis und Robotern.
Tesla schaffte im ersten Vierteljahr ein Absatzplus im Vergleich zu einem schwachen Vorjahresquartal. (Archivbild)
Von Von Andrej Sokolow, dpa
Austin - Der Elektroautobauer Tesla rechnet damit, dass sein fortgeschrittenes Fahrassistenzsystem, das Fahrern weitgehend die Steuerung abnehmen soll, in den kommenden Monaten in der ganzen EU zugelassen wird. Man sei nach der Genehmigung in den Niederlanden gut für eine EU-weite Zulassung im laufenden Quartal aufgestellt, sagte Finanzchef Vaibhav Taneja nach der Vorlage von Quartalszahlen.
Fahrer in den USA können die Software mit dem vollen Namen "Full Self-Driving (Überwacht)" bereits seit einigen Jahren nutzen. Tesla musste dem ursprünglichen Namen Full Self-Driving (übersetzt etwa: komplett selbstfahrend) den einschränkenden Zusatz hinzufügen, weil die Software eben noch nicht autonom fahren kann und die Fahrer weiter die Verantwortung tragen. Vor allem in der Anfangszeit berichteten sie noch von vielen Fehlern, inzwischen verweist Firmenchef Elon Musk auf weitreichende Verbesserungen. Tesla hat aktuell 1,28 Millionen Abo-Kunden für FSD - 180.000 mehr als vor drei Monaten.
Jahrelange Versprechen
Musk kündigt auch bereits seit rund einem Jahrzehnt an, dass Serien-Teslas mit FSD tatsächlich autonom fahren werden. Nun "schätzte" er, dass diese unüberwachte FSD-Version in den USA "wahrscheinlich im vierten Quartal" eingeführt werde. Zugleich schränkte Musk ein, dass Tesla die Software nur schrittweise verfügbar machen werde, wenn man sie für eine bestimmte Region für sicher befinde. Wagen mit älteren Computern, die auch schon als FSD-fähig verkauft wurden, werde Tesla in "Minifabriken" umrüsten müssen, sagte Musk.
Robotaxis und Roboter
Musk behauptet, dass die Zukunft von Tesla in selbstfahrenden Robotaxis und humanoiden Robotern anstelle des Autoverkaufs liegen werde. Derzeit startet Tesla die Produktion seines Robotaxi-Fahrzeugs mit dem Namen Cybercab. Es ist ein Zweisitzer, der ohne Lenkrad und Pedale auskommen soll. Da "90 Prozent der Meilen" mit einer oder zwei Personen im Auto gefahren würden, werde der Cybercab auf lange Sicht wahrscheinlich den Großteil der Tesla-Produktion ausmachen, sagte Musk.
In diesem Jahr will Tesla auch die Produktion seiner humanoiden Roboter mit dem Namen Optimus starten. Der Konzern stellt seine größeren Automodelle S und X ein - und auf der dadurch frei werdenden Fläche im kalifornischen Fremont will Tesla stattdessen mit der Zeit eine Million Roboter pro Jahr bauen. Musk betonte allerdings, dass die Produktion nur langsam anlaufen werde, da es eine neue Technik sei.
Starke Konkurrenz
Tesla will sowohl bei Robotern als auch bei Robotaxis in Märkte vorstoßen, in denen es bereits starke Konkurrenten gibt. Vor allem bei selbstfahrenden Autos ist die Google-Schwesterfirma Waymo mit ihren Robotaxis weit voraus. Waymo sei etwa 50 Mal größer, betonte etwa der langjährige Tech-Analyst und Investor Gene Munster. Musk setzt unter anderem auf einen Kostenvorteil, weil er nur mit Kameras und ohne die teureren Laser-Radare auskommen will, die die Umgebung von Fahrzeugen abtasten. Allerdings zweifeln viele Experten und Konkurrenten an, dass damit verlässliches autonomes Fahren möglich ist.
Wieder besseres Geschäft nach Rückgängen
Die Zukunftsvisionen von Musk sind teuer. Tesla erhöhte die Prognose für die Kapitalausgaben in diesem Jahr auf 25 Milliarden Dollar - von den erst vor drei Monaten vorhergesagten 20 Milliarden Dollar.
Finanzieren muss Tesla das vor allem aus dem Geschäft mit dem Autoverkauf - und das läuft nach den Absatzrückgängen im vergangenen Jahr wieder besser. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 22,39 Milliarden Dollar. Der Gewinn wuchs um 17 Prozent auf 477 Millionen Dollar. Die weltweiten Tesla-Auslieferungen kletterten im Jahresvergleich um 6,3 Prozent auf 358.023 Fahrzeuge. Im Vorjahresquartal waren die Auslieferungen noch um 13 Prozent gefallen.
Der Elektroauto-Vorreiter hat seine europäische Fabrik in Grünheide bei Berlin, wo der Bestseller Model Y gebaut wird. Dort gab es im ersten Quartal laut Taneja die bisher höchste Produktion von mehr als 61.000 Fahrzeugen. Das Werk ist aktuell auf eine Kapazität von mehr als 375.000 Wagen jährlich ausgelegt.
So stellt sich Elon Musk die Zukunft von Tesla vor. (Archivbild)