Hohe Spritpreise belasten die Autofahrer. Was die tun können, um weniger Benzin oder Diesel zu verbrauchen, weiß Fahrlehrer Ralph Müller. Er bietet spezielle Fahrtrainings an.
Ralph Müller bietet sogenannte Eco-Trainings an, bei denen Autofahrer lernen, sparsamer zu fahren.
Von Michael Bosch
Bei Preisen von zwei Euro und mehr für den Liter Benzin wird Autofahrern an der Zapfsäule bisweilen flau im Magen, manchmal schlägt das in Ärger um. Wer auf der Straße weniger Sprit verbraucht, der muss seltener tanken. Fahrlehrer Ralph Müller aus Pfullendorf beschäftigt sich seit Langem mit dem Thema „wirtschaftliches Fahren“ – und weiß, was die meisten Autofahrer hierzulande falsch machen.
Herr Müller, was machen die meisten Autofahrer falsch, wenn es ums Spritsparen geht?
Der größte Fehler ist mangelndes vorausschauendes Fahren. Viele Fahrer bleiben zu lange auf dem Gas und bremsen dann stark vor Kreuzungen oder Kreisverkehren ab. Dabei wird unnötig viel Energie verschwendet. Richtig wäre es, frühzeitig den Fuß vom Gas zu nehmen und das Fahrzeug möglichst lange rollen zu lassen. In dieser Rollphase – bei eingelegtem Gang – wird die Kraftstoffzufuhr nahezu vollständig unterbrochen. Das bedeutet: Es wird praktisch kein Kraftstoff verbraucht.
Welche Tricks gibt es noch?
Richtiges Schalten ist auch wichtig. Es gilt: frühzeitig hochschalten. Häufig schalten die Leute nach Gehör, besser ist es, auf die Drehzahl zu schauen.
Sie sind einer der wenigen zertifizierten Eco-Trainer im Südwesten für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wie kommt’s?
Das Thema wirtschaftliches Fahren verfolge ich schon seit Jahrzehnten, das Zertifikat habe ich seit etwa 15 Jahren. Wenig Kraftstoff zu verbrauchen, das ist nicht wirklich auf der Agenda von den Leuten. Es wird immer nur zu Krisenzeiten interessant. Eigentlich kommt die Idee aus dem Lkw-Bereich. Für Großspeditionen bedeutet ein halber Liter, den sie im Schnitt auf 100 Kilometer sparen, Tausende, manchmal Zehntausende Euro.
Wie viel Sprit lässt sich durch wirtschaftliches Fahren sparen?
Ein realistischer Verbrauch bei einer Fahrweise, wie sie die meisten in Deutschland haben, liegt bei 7,7 bis 8 Litern auf 100 Kilometer. Ein Liter Sprit zu sparen, manchmal sogar bis zu zwei Liter, das sollte nach einem Training möglich sein. Es kommt natürlich auch immer auf das Automodell an. Bei einem sparsamen Diesel ist es beispielsweise schwerer.
Wie läuft so ein Training ab?
Am Anfang gibt es einen kurzen Theorieteil, dabei erkläre ich, auf was zu achten ist. Wir fahren dann immer mit dem Fahrzeug des Teilnehmers. Vor der Fahrt schauen wir den Verbrauch im Bordcomputer an, dann wird der Stand genullt. Wir fahren 45 bis 60 Minuten, in der Stadt und über Land, in denen ich auf Fehler hinweise. Bei Lastwagen machen wir zwei Runden, das geht dann über sieben Stunden. In der ersten Runde fährt der Fahrer, wie er will. Die Zeit wird gestoppt. Beim zweiten Durchgang versuchen wir schneller zu sein.
Und das klappt?
Ja, meistens funktioniert das. Spritsparen heißt nicht, später ankommen. Das ist ein Irrtum. Wenn einer wirtschaftlich fährt, baut er statistisch gesehen aber weniger Unfälle. Kaskoschäden gehen um 20 Prozent zurück, weil durch vorausschauendes Fahren das Risiko minimiert wird.
Benzin und Diesel kosten derzeit häufig mehr als 2 Euro. Hat die Nachfrage für Ihre Eco-Trainings schon angezogen?
Im Moment ist es noch ruhig, aber ich gehe davon aus, dass das in den nächsten Tagen und Wochen wieder losgeht. Normalerweise mache ich zwei bis drei Trainings im Monat.
Kurse zum Spritsparen
PersonRalph Müller ist seit 1999 Fahrlehrer und Inhaber der Fahrschule Zembrod in Pfullendorf (Kreis Sigmaringen). Er ist spezialisiert auf die Lkw- und Busausbildung.
KurseDie Fahrschule bietet sogenannte Eco-Trainings für Autos und Lastwagen an. Weitere Infos zu Preisen und Terminen gibt es unter www.spritspar-kurs.de