Vorfälle auch im Südwesten

Tödliche Polizeischüsse: Gewerkschaft plädiert für mehr Taser

Die Zahl tödlicher Polizeischüsse ist 2025 gesunken, bleibt aber über dem Durchschnitt - vor allem in Baden-Württemberg. Warum die Polizeigewerkschaft mehr Taser fordert.

Tödliche Polizeischüsse: Gewerkschaft plädiert für mehr Taser

Ein Polizist der Bundespolizei führt einen Taser 10 vor.

Von red/dpa

Die Zahl der von Polizisten im Einsatz erschossenen Menschen ist 2025 gesunken. Mit 17 Todesfällen lag sie jedoch immer noch deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, wie aus einer Auflistung der Zeitschrift „Bürgerrechte & Polizei/Cilip“ des Instituts für Bürgerrechte und öffentliche Sicherheit an der Humboldt-Universität zu Berlin hervorgeht.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigt sich überzeugt, dass die flächendeckende Ausstattung der Einsatzkräfte mit Distanz-Elektroimpulsgeräten - auch als Taser bekannt - dazu beitragen könnte, dass künftig weniger Menschen durch Schüsse aus der Dienstwaffe sterben.

GdP sieht Zusammenhang mit Zahl der Getöteten

Ihr Bundesvorsitzender, Jochen Kopelke, vermutet einen direkten Zusammenhang zwischen der relativ hohen Zahl der Fälle von tödlichem Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr und der Tatsache, dass der Taser dort bislang regulär lediglich von Spezialeinheiten verwendet wird. Er sagt: „Dort, wo keine oder nur eingeschränkt „nicht-tödliche“ Einsatzmittel eingesetzt werden können, ist die Schusswaffe einzig verhältnismäßiges Mittel“, sagt Kopelke. Seine These: „Wo mehr und schneller Taser durch die Polizei verfügbar sind, reduziert es den Einsatz der Dienstwaffe.“

Bundespolizei soll flächendeckend Taser erhalten

Mit einem Taser können aus geringer Distanz Elektroschocks abgegeben werden, die einen Menschen in der Regel handlungsunfähig machen. Der Bundestag hatte im Oktober eine Gesetzesänderung verabschiedet, nach der Vollzugsbeamte des Bundes auch „Distanz-Elektroimpulsgeräte“ anwenden dürfen – neben den üblichen Schlagstöcken und Schusswaffen. 

Im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg erschossen Polizeibeamte im Dienst 2025 insgesamt sieben Menschen, darunter in Leonberg einen 44-jährigen Mann, der laut Polizei Schüsse aus einer Wohnung heraus abgegeben hatte. Später wurde eine Schreckschusswaffe bei ihm gefunden. In Bruchsal starb ein 48-Jähriger, der mit Hilfe der Polizei in eine psychiatrische Klinik gebracht werden sollte.

Bisher gehörte der Taser in Baden-Württemberg nur bei Spezialeinheiten der Polizei zur Ausrüstung - jetzt sollen auch Streifenpolizisten in einigen Regionen die Geräte testweise erhalten. In einigen Bundesländern, darunter Bayern, ist die Polizei inzwischen überall mit Tasern ausgestattet. Andere Landesregierungen, bei denen diese bislang ausschließlich Spezialkräften zur Verfügung stehen, ziehen jetzt teilweise nach.