Diana Richter wurde in dem Körper eines Jungen geboren. Auf Wunsch verzichten wir auf ein aktuelles Foto.
Von Celina Drews
Diana Richter liebt das Schwimmen. Früher ging die heute 23-Jährige gerne ins Schwimmbad. Doch mit der Zeit wird ihr liebstes Hobby zur Belastung. Sich in Badebekleidung zu zeigen und den eigenen Körper dabei so wahrzunehmen, wie er sich für sie nicht richtig anfühlt, fällt ihr zunehmend schwer. Irgendwann gibt sie das Schwimmen auf.
Heute ist ihr größter Wunsch, dieses Hobby wieder aufnehmen zu können. Selbstbewusst, ohne Scham, und vor allem im richtigen Körper. Daher möchte sich die junge Frau einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. Jedoch kann sie die Kosten dafür alleine nicht stemmen – und hat einen Spendenaufruf gestartet.
Dianas Geschichte beginnt lange vor ihrem Coming-out – bereits im Kindergarten. Sie bastelt gerne und liebt Rollenspiele. Besonders wohl fühlt sie sich in der Rolle der Mutter. „Bei Mutter, Vater, Kind habe ich immer am liebsten die Mama gespielt“, erinnert sie sich.
In der Grundschule wird ihr Wunsch, als Mädchen wahrgenommen zu werden, noch deutlicher. Sie trifft sich gerne mit Mädchen, lässt sich von einer Freundin regelmäßig die Fingernägel lackieren und sagt ihrer Mutter immer wieder, dass sie sich nicht als Junge fühlt. Sie zieht heimlich Kleider an, probiert hochhackige Schuhe aus. Lange wagt sie es nicht, diese Seite von sich offen zu zeigen. Zu groß ist die Angst vor den Reaktionen anderer.
Mit etwa 18 Jahren beginnt Diana, ihre Weiblichkeit zunehmend offener zu leben. Mit 20 Jahren folgt das Outing. Seit zwei Jahren nimmt sie Hormone. „Sie helfen dabei, meinen Körper weiblicher zu formen“, erklärt die 23-Jährige. Auch eine Stimmtherapie gehört zu dieser Transformation. Das Ziel hierbei ist es, eine authentische, weibliche Stimme zu erreichen. Dabei sollen auf Dauer nicht nur Stimmklang, Tonhöhe und Sprachmelodie angepasst werden, sondern auch die Artikulation.
Persönliche und berufliche Schwierigkeiten
Doch nicht nur mit ihrem Körper und ihrer Stimme hat Diana zu kämpfen. Ihr Coming-Out veränderte auch Beziehungen. Freundschaften zerbrechen, Kontakte zur Verwandtschaft gehen verloren. Ein Freund, der ihr zuvor nahestand, tut sich schwer damit, ihre Identität wirklich anzunehmen. „Er sagt, dass er es akzeptiert, aber eigentlich tut er das nicht“, erzählt Diana. „Er hat mich immer wieder verletzt.“ Auch ihr älterer Bruder reagiert ablehnend, macht sich über sie lustig. Schließlich bricht Diana den Kontakt zu beiden ab.
Anders verläuft die Entwicklung bei ihrer Mutter. „Sie hat sehr viel darüber gelesen und durch die Gespräche mit mir gemerkt, wie wichtig mir das ist“, meint die 23‑Jährige. „Es hat lange gedauert, aber irgendwann hat sie verstanden, dass es ihr egal ist, ob ich ein Junge oder ein Mädchen bin.“
Doch nicht nur im persönlichen Umfeld, auch bei der Arbeitssuche fühlt sich Diana mit Vorurteilen konfrontiert. Die 23-Jährige ist derzeit arbeitslos und hat den Eindruck, dass ihre Transidentität ihr berufliche Chancen erschwert. Bei einer Bewerbung in einem Restaurant habe sie eine besonders enttäuschende Erfahrung gemacht. „Der Manager hat sich telefonisch bei mir gemeldet und mir gesagt, dass er damit einfach nicht zurechtkommt“, berichtet sie.
Dabei hat Diana konkrete berufliche Vorstellungen: Ihr Traumberuf ist Jugend- und Heimerzieherin. Mit einer Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin hat sie bereits versucht, ihrem Ziel näher zu kommen.
Der Spendenaufruf
Dass Diana sich eine geschlechtsangleichende Operation wünscht, hat für sie eine tiefe persönliche Bedeutung. Es geht ihr nicht um eine bloße äußerliche Veränderung, sondern darum, sich im eigenen Körper wohler zu fühlen und anschließend auch von der Außenwelt anders wahrgenommen zu werden. „Viele Leute denken, dass Transgender nur Aufmerksamkeit wollen oder dass es eine Phase ist. Aber das ist es nicht“, sagt sie nachdrücklich. Es gehe darum, welcher Mensch im Inneren wirklich sei. Wie groß der Leidensdruck sein könne, könnten Menschen, die selbst nicht betroffen seien, oft nur schwer nachvollziehen.
Um ihrem Wunsch der Operation näherzukommen, hat Diana auf der Plattform GoodCrowd einen Spendenaufruf gestartet. Ihr Ziel: 3500 Euro. Nach ihren Angaben übernimmt die Krankenkasse einen großen Teil der Kosten. Die noch benötigte Zuzahlung kann sie derzeit jedoch nicht selbst aufbringen. Die Operation soll in München stattfinden. Zunächst muss die Kostenübernahme durch die Krankenkasse geklärt sein; anschließend geht es um die weitere Terminplanung.
Durch die Operation erhofft sich die 23-Jährige nicht nur, sich in ihrem eigenen Körper wohler zu fühlen, sondern auch, ihren Alltag unbeschwerter erleben zu können und Dinge zurückzugewinnen, die für andere selbstverständlich sind – wie das Schwimmen. „Ich möchte endlich als Mensch wahrgenommen werden“, so die junge Frau. Sie wünscht sich eine Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher Generationen offener miteinander umgehen und niemand wegen seiner Identität verurteilt wird. Gerade wer selbst nicht betroffen sei, könne etwas dazu beitragen, sagt sie. Man müsse nicht dieselben Erfahrungen gemacht haben, um Mitgefühl zu zeigen und andere zu unterstützen.
Auch Menschen, die selbst Angst vor einem Coming-out haben, möchte Diana Mut machen. Ihre Botschaft lautet: „Macht das, worauf ihr stolz seid und was ihr liebt – und nicht das, was von euch verlangt wird.“