Der kambodschanische Tourismusminister Huot Hak (M) in Sihanoukville, Kambodscha, mit den Kapitänen des US-Kreuzfahrtschiffs „MV Odyssey Emanuele Giudice“ (r) und Rodrigo (l).
Von Ole Rockrohr
Für mehr als 200 Passagiere endet eine Langzeit-Kreuzfahrt abrupt in Kambuscha. Manche haben für die Fahrt ihre Häuser verkauft und stehen jetzt vor einer drohenden Obdachlosigkeit. In einem fremden Land wissen sie nicht, wo sie hin sollen.
Besatzungsmitglieder werden obdachlos
203 Kreuzfahrtpassagiere sind in Sihanoukville in Kambodscha gestrandet, nachdem der Betrieb eines Kreuzfahrtschiffs, der „Odyssey“, abrupt ausgesetzt wurde. Wie die Zeitung „Phnom Penh Post“ den stellvertretenden Provinzgouverneur Long Dimanche zitierte, wurde den rund 200 Gästen am Dienstagmorgen im Hafen von Sihanoukville mitgeteilt, dass sie das Schiff bis zum frühen Nachmittag verlassen müssten. Ihnen blieben nur sieben Stunden.
Nach Angaben von Long Dimanche befanden sich 203 Passagiere und 156 Besatzungsmitglieder an Bord. Viele der Bewohner hätten erklärt, für das Leben auf der „Odyssey“ ihre Häuser und Autos verkauft zu haben. Der Vize-Gouverneur sagte laut „Phnom Penh Post“, die plötzliche Anordnung zur Ausschiffung habe viele Rentner und Arbeiter auf dem Schiff obdachlos gemacht. Einige Betroffene sitzen demnach in Hotels in dem südostasiatischen Land fest, andere haben Kambodscha bereits mit dem Flugzeug verlassen.
Hohe Spritpreise sorgen für Abbruch der Fahrt
Auslöser für den Stopp waren nach Angaben des Betreibers Villa Vie Residences stark gestiegene Treibstoffkosten. Das Unternehmen hatte am Dienstag mitgeteilt, seine Aktivitäten in Kambodscha eingestellt zu haben, nachdem die Dieselpreise infolge des Iran-Kriegs massiv gestiegen sind.
Villa Vie zufolge lagen die monatlichen Treibstoffkosten pro Kabine zunächst bei durchschnittlich umgerechnet rund 1600 Euro, zuletzt jedoch bei 5400 bis 7200 Euro. Die Reederei erklärte, Preissteigerungen in dieser Größenordnung könnten nicht einfach an die Bewohner weitergegeben werden. Das derzeitige Betriebsmodell sei dadurch unter nicht tragbaren finanziellen Druck geraten.
Die „Odyssey“ war seit zwei Jahren für viele Bewohner eine Art Zuhause auf dem Ozean. Das Konzept von Villa Vie Residences sah langfristige Weltreisen mit dem Komfort eines festen Wohnsitzes vor. Ursprünglich sollte die dreijährige Reise alle sieben Kontinente umfassen und bis Ende 2027 dauern.
Kreuzfahrt-Passagier spricht von „Kaskade von Problemen“
Der Passagier Randy Cassingham schilderte in seinem Kreuzfahrt-Blog, der Aufforderung zum Verlassen des Schiffs sei eine „Kaskade von Problemen“ vorausgegangen. Demnach hatte sich der Start der Langzeit-Kreuzfahrt in Belfast um vier Monate verzögert. Außerdem habe das Schiff nie seine maximale Auslastung von 650 zahlenden Gästen erreicht, sondern höchstens 350 Passagiere befördert. Zuletzt habe das Unternehmen die Bewohner regelrecht „um Geld angebettelt“, schrieb Cassingham.
Nach Angaben des stellvertretenden Provinzgouverneurs soll die „Odyssey“ am Samstag in Sihanoukville Treibstoff aufnehmen und anschließend den Hafen verlassen. Wohin das Schiff dann fährt, ist bislang unklar.
Das kambodschanische Tourismusministerium und die Provinzbehörden haben Unterstützung zugesagt. Es habe bereits ein Treffen zwischen den Kapitänen der „Odyssey“ und Tourismusminister Huot Hak gegeben. Grundsätzlich handele es sich jedoch um eine Angelegenheit zwischen dem Unternehmen und seinen Passagieren, so der kambodschanische Vize-Provinzgouverneur Long Dimanche.