Die Verhandlungen mit dem Iran stocken, nun erhöht Trump den Druck auf Teheran. Beide Seide haben einander auch wieder gegenseitig angegriffen. Der Iran erklärt die Straße von Hormus für gesperrt.
US-Präsident Donald Trump droht dem Iran mit neuen Angriffen.
Von dpa
Washington/Teheran - Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran schaukelt sich trotz offiziell geltender Waffenruhe weiter hoch. US-Präsident Donald Trump hat schwere Angriffe auf den Iran für die Nacht angekündigt. Die USA würden das Land "sehr hart" treffen, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social.
Er drohte Teheran außerdem damit, in nicht allzu ferner Zukunft die für Irans Ölindustrie wichtige Insel Charg sowie andere Öl-Infrastrukturpunkte zu übernehmen. Die USA würden die "vollständige Kontrolle" über Irans Öl- und Gasmärkte erlangen. Auf der Insel Charg im Persischen Golf befindet sich Irans wichtigster Ölhafen. Dort wird fast der gesamte Ölexport der Islamischen Republik umgeschlagen. Sie ist daher von strategisch großer Bedeutung.
Die US-Regierung erhöht damit den Druck auf den Iran in den stockenden Gesprächen um ein mögliches Rahmenabkommen über ein Ende des Krieges. Das Abkommen würde zunächst vertiefte Verhandlungen bedeuten.
Bericht: Einnahme der Ölinsel wird in den USA als riskant eingestuft
Der US-Sender CNN berichtet unter Berufung auf einen hochrangigen Pentagon-Beamten und zwei weitere US-Beamte, dass schon seit längerem Pläne zur Einnahme der Insel Charg durch das US-Militär ausgearbeitet worden seien. Diese sind demnach aber zurückgestellt worden, weil sie als zu riskant eingestuft wurden. Im Weißen Haus und dem Pentagon sei man davon überzeugt, dass eine Einnahme der Insel oder Zerstörung der dortigen Energieinfrastruktur den Iran effektiv in den Bankrott treiben und Teheran eine Fortsetzung des Krieges unmöglich machen würde.
Trumps Team hat den US-Präsidenten laut dem Bericht aber auch darüber informiert, dass die USA für einen solchen Einsatz wahrscheinlich eine beträchtliche Anzahl Bodenstreitkräfte bräuchten und möglicherweise selbst hohe Verluste einstecken müssten. Ein Einsatz zur Einnahme der Insel sei daher als letztes Mittel eingestuft worden.
Die USA haben die Insel während ihres Krieges gegen den Iran bereits angegriffen. Mitte März bombardierten sie dort etwa nach eigenen Angaben mehr als 90 militärische Ziele, sahen aber von Angriffen auf die Ölinfrastruktur ab.
Schon Beschüsse in der Nacht
Die USA und der Iran beschossen sich in der Nacht erneut heftig gegenseitig. Bereits in der Nacht zu Mittwoch hatte es gegenseitige Angriffe gegeben. Eigentlich gilt zwischen den Kriegsparteien seit zwei Monaten eine Feuerpause.
Laut iranischen Medien wurden bei Angriffen in der Provinz Teheran drei Menschen verletzt. Das Portal "Mehr" berichtete zugleich unter Berufung auf offizielle Stellen, in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) sei in der Straße von Hormus ein Boot, das mit Grundnahrungsmitteln beladen gewesen sei, von einem Geschoss der USA getroffen worden. Die Besatzung sei gerettet worden.
Das US-Militär sprach von Angriffen auf militärische Überwachungs- und Kommunikationsanlagen sowie Anlagen der Flugabwehr im Iran.
Indien: Drei tote Seeleute nach US-Angriff auf Tanker
Das US-Militär griff eigenen Angaben zufolge auch einen Tanker im Golf von Oman an, der versucht haben soll, iranisches Öl zu transportieren. Indien meldete drei tote indische Besatzungsmitglieder. Nach Angaben des Außenministeriums in Neu-Delhi wurden 21 weitere Besatzungsmitglieder gerettet.
Die Besatzung des unter der Flagge des pazifischen Inselstaats Palau fahrenden Schiffes "Settebello" habe sich den Anweisungen der US-Streitkräfte widersetzt, teilte das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando (Centcom) am Mittwoch mit. Indiens Außenministerium verurteilte den Angriff und bestellte laut örtlichen Medien aus Protest den stellvertretenden Botschafter der USA in Neu-Delhi ein.
Am Donnerstag informierte das US-Militär über einen weiteren Angriff auf einen Tanker im Golf von Oman. Es ist das dritte Mal binnen weniger Tage, dass das US-Militär solche Schiffe außer Gefecht setzt.
Die USA haben eine Blockade iranischer Häfen verhängt als Reaktion auf die faktische Blockade der Straße von Hormus durch den Iran. Seit Mitte April wurden nach US-Angaben neun Schiffe manövrierunfähig gemacht. Mit der Blockade der Häfen machen die USA Druck auf den Iran, der wirtschaftlich stark vom Ölhandel abhängt.
Iran erklärt Meerenge für gesperrt
Das iranische Außenministerium verurteilte die "großangelegten" US-Angriffe der vergangenen Nacht scharf. Irans Militär reagierte auf die neuen US-Angriffe laut eigenen Angaben mit einer kompletten Sperrung der Straße von Hormus. Jedes Schiff, das die für den Öl- und Gashandel wichtige Meerenge zu passieren versuche, werde angegriffen, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der iranischen Militärführung. Zwei Schiffe sollen laut Rundfunk beschossen worden sein.
Das US-Regionalkommando Centcom schrieb dagegen auf X: "Handelsschiffe fahren weiterhin heute Nacht in die Straße von Hormus ein und heraus."
Iran beschießt arabische Länder
Der Iran griff zudem die Golfstaaten Bahrain und Kuwait in der Nacht an. Lokalen Behördenangaben zufolge wurde dabei in Bahrain ein elfjähriges Mädchen verletzt. In der Hauptstadt Manama und in dem Ort Hammad seien durch herabfallende Trümmerteile nach der Abwehr von iranischem Drohnenbeschuss zudem mehrere Fahrzeuge in Brand geraten und Wohnhäuser beschädigt worden.
Auch Jordanien fing laut eigenen Angaben in der Nacht 20 aus dem Iran abgefeuerte Raketen ab. Im Osten des Landes hat das US-Militär an einem Stützpunkt unter anderem Kampfflugzeuge stationiert.
Deutschland bereit für Einsatz in Hormus-Straße nach Kriegsende
Kanzler Friedrich Merz signalisierte derweil erneut die Bereitschaft, dass sich Deutschland unter bestimmten Bedingungen für die Sicherung der für die weltweite Öl- und Energieversorgung wichtige Straße von Hormus engagieren könne. Deutschland sei bereit, nach einem Ende des Konflikts in der Golfregion dort Verantwortung zu übernehmen, sagte der CDU-Chef in einer Regierungserklärung im Bundestag. Ziel bleibe, dass der Iran sein Nuklearprogramm auf Dauer beende. Die Bundeswehr bereitet sich seit Mai auf einen möglichen Einsatz unter anderem mit Minenjagdbooten in der Straße von Hormus vor.
Der Iran hat nach neuen US-Angriffen die Straße von Hormus für gesperrt erklärt.
Auf der Insel Charg im Persischen Golf befindet sich Irans wichtigster Ölhafen. (Archivbild)