US-Sicherheitsbehörde

Trumps Kettenhunde bei der ICE

Donald Trump ersetzt einen Hardliner durch einen anderen. Tom Homan übernimmt in Minneapolis die Aufgaben des umstrittenen Gregory Bovino.

Trumps Kettenhunde bei der ICE

Bei der ICE wurde Gregory Bovino durch Tom Homan (Foto) ersetzt.

Von Thomas Spang

Kinder in Käfigen – das fällt vielen Amerikanern ein, wenn sie den Namen des neuen Verantwortlichen für die Aktivitäten der ICE-Truppen in Minneapolis hören. Das waren die schockierenden Bilder, die während der ersten Amtszeit Trumps um die Welt gingen, als Tom Homan (64) an der Grenze aufgegriffenen Flüchtlingen ihre Kinder wegnahm. Homan gilt neben Vize-Stabschef Stephen Miller als Architekt der, wie er sagt, „größten Deportations-Operation, die das Land je gesehen hat.”

Obwohl Homan in der Öffentlichkeit oft genauso grimmig wirkt wie Bovino, pflegt er einen anderen Stil. Anders als Bovino, dessen Kurzhaarschnitt und Uniformwahl Assoziationen mit Wehrmachtsoffizieren weckten, trägt Homan zivil. Er wirft auch nicht persönlich Gasgranaten auf Demonstranten, wie der „Commander at Large” es getan hat. Und er übte Zurückhaltung nach den tödlichen Schüssen auf den Krankenpfleger Alex Pretti, dem zweiten Amerikaner, der binnen zwei Wochen von vermummten Beamten in Minneapolis erschossen worden war.

Kritik aus den eigenen Reihen

Ein Softie ist Homan deshalb nicht. Auch der Präsident hat seine Einstellung zum mit 3000 Beamten größten Einsatz der Einwanderungsbehörden nicht über Nacht geändert. Bovinos martialisches Auftreten bei Pressekonferenzen und das aggressive Vorgehen seiner paramilitärisch agierenden Einheiten in Minneapolis hatten den Segen von ganz oben. Bis die Empörung selbst im Weißen Haus nicht mehr zu überhören war. Die Demokraten drohen der Regierung den Geldhahn zuzudrehen, indem sie ihre Stimmen für ein Haushaltsgesetz verweigern.

Kritik kam zuletzt aus den eigenen Reihen. Er sei „zutiefst beunruhigt über die Schießerei in Minneapolis”, erklärte der republikanische Senator Jerry Moran: „Unsere Verfassung schützt die Bürger vor der Regierung. Wir haben das Recht auf freie Meinungsäußerung, auf friedliche Versammlung und auf Waffenbesitz.” Selbst Trump-Gefolgsmann Ted Cruz forderte mehr Zurückhaltung. Der Senator riet der Regierung, „maßvoller zu sein, die Tragödie anzuerkennen und zu sagen: Wir wollen nicht, dass Menschenleben verloren gehen”. Sein Kollege Rand Paul beantragte Anhörungen der Verantwortlichen im Kongress.

Ins Visier geriet neben Bovino vor allem Heimatschutzministerin Kristi Noem. Sie hatte den Krankenpfleger Alex Pretti als „einheimischen Terroristen” bezeichnet. Eine Darstellung, die Videos vom Tatort widersprechen. Sie belegen, dass Pretti seine legal mitgeführte Waffe nicht gezogen hatte. Ein Beamter nahm sie ihm ab, bevor ein anderer ihn mit zehn Kugeln durchsiebte.

Kein Sinneswandel Trumps

Trump entband Bovino am Montag seiner Aufgaben in Minneapolis und schickte ihn zurück nach Kalifornien. Noem erschien am Montag zu einem Krisengespräch im Weißen Haus. Es fiel auf, dass Einwanderungshardliner Miller bei dem Treffen fehlte. Vielleicht, um nicht selbst in die Schusslinie zu geraten. Anschließend versicherten Mitarbeiter des Präsidenten, Noems Job sei nicht gefährdet. Öffentlich würde das wie eine Niederlage aussehen.

Homan bevorzugt ein anderes Vorgehen. Statt breit angelegter Razzien wie in Minneapolis, setzt er auf gezielte Einsätze. Nach seiner Ankunft in Minneapolis am Dienstag wollte er mit Gouverneur Tim Walz und Bürgermeister Jacob Frey darüber sprechen. Trump hatte am Montag mit beiden telefoniert. Homan hofft auf Kooperation der örtlichen Polizei, deutet aber an, Trump könne das Justizministerium einsetzen, um die Städte zur Zusammenarbeit zu zwingen.

Analysten zufolge wäre es falsch, Homans Entsendung als Sinneswandel Trumps zu deuten. Es sei vielmehr ein taktisches Zugeständnis auf massive Proteste, innerparteiliche Kritik und sinkende Umfragewerte. Mehr als sechs von zehn Amerikanern lehnten laut einer Umfrage der New York Times das paramilitärische Auftreten von ICE und Grenzschützern bereits vor den beiden Toten von Minneapolis ab. Um nicht schwach auszusehen, dementierte das Weiße Haus einen Bericht des Magazins „The Atlantic“, wonach Bovino ganz ausscheide. Der Präsident habe das „größte Vertrauen” in ihn.