Die türkische Regierung will das Land komplett rauchfrei machen – an Stränden womöglich schon bald. Touristen müssen sich auf strenge Verbote und hohe Strafen einstellen.
Nein zu Kippen im Sand.
Von Michael Maier
Die Türkei, eines der beliebtesten Reiseziele für deutsche Touristen, plant ein umfassendes Rauchverbot, das auch für Urlauber weitreichende Folgen haben könnte. Die Regierungspartei AKP hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der langfristig das Land komplett tabakfrei machen soll - mit strengen Regeln und empfindlichen Strafen.
Das Ziel der türkischen Regierung ist ambitioniert: Bis zum Jahr 2040 soll das Land vollständig tabakfrei werden. Dies betrifft nicht nur den Konsum, sondern auch Verkauf, Import und Herstellung von Tabakprodukten. Für ein Land, in dem aktuell etwa 18 bis 19 Millionen Menschen rauchen, eine radikale Veränderung.
Türkei bald mit Rauchverbot am Strand
Der Gesetzentwurf sieht bereits kurzfristig deutliche Verschärfungen vor. Geplant sind Rauchverbote an zahlreichen öffentlichen Orten, die für Urlauber besonders relevant sind: Strände, öffentliche Plätze, Spielplätze und Sportanlagen sollen künftig rauchfrei werden. Auch in der Gastronomie sollen die Regeln strenger werden - selbst im Außenbereich von Restaurants und Cafés könnte das Rauchen untersagt werden. Erlaubt wäre es dann nur noch in speziell abgetrennten Bereichen.
Besonders weitreichend ist die geplante Neudefinition des Begriffs „Tabakprodukt“. Nicht nur klassische Zigaretten wären von den Verboten betroffen, sondern auch E-Zigaretten, Vapes, Wasserpfeifen (Shishas) und Tabakerhitzer. Damit würde auch ein Stück türkischer Alltagskultur, wie das gesellige Shisha-Rauchen, eingeschränkt werden.
Bargeldverbot beim Tabakkauf
Für die Durchsetzung der neuen Regelungen plant die Regierung spezielle „Tabak-Kontrollteams“. Auch der Verkauf soll stärker reguliert werden - Berichten zufolge sollen Tabakprodukte künftig nicht mehr bar bezahlt werden können, um Käufe besser nachvollziehbar zu machen.
Die Strafen für Verstöße gegen die neuen Regelungen fallen drastisch aus. Wer in verbotenen Zonen raucht, muss mit Geldbußen von bis zu 5.000 türkischen Lira (etwa 100 Euro) rechnen. Für Unternehmen könnten die Strafen zwischen einer und zehn Millionen Lira liegen - umgerechnet etwa 20.000 bis 200.000 Euro. Schwere Verstöße könnten sogar mit dem Entzug der Betriebserlaubnis oder der Schließung geahndet werden.
EU für „rauchfreie Generation“ bis 2040
Ab 2040 sollen schließlich Einfuhr, Produktion, Transport, Angebot und Verkauf von Tabakwaren komplett eingestellt werden. Verstöße würden dann mit Geldstrafen von bis zu fünf Millionen Lira bestraft werden. Selbst der Erwerb, Besitz und die Einfuhr von Tabakwaren sollen unter teils drastischer Strafe stehen.
Die Zielsetzung, bis 2040 rauchfrei zu werden, orientiert sich an den Vorgaben der EU-Kommission, die Ende 2024 das Ziel einer „rauchfreien Generation“ formuliert hat. Demnach soll bis 2040 der Anteil von Rauchern in der Bevölkerung auf unter fünf Prozent sinken.
Tabakverbot in Neuseeland wieder gekippt
Als EU-Beitrittskandidatin scheint die Türkei dieser Zielsetzung zu folgen, obwohl die EU selbst bei dem Thema neuerdings wieder etwas zurückhaltender geworden ist. Als zu autoritär wird es von manchen empfunden, nachdem Neuseeland sein Komplettverbot wieder zurücknehmen musste. Ausgesprochen scharf gibt sich die Kommission von Ursula von der Leyen dagegen bei der Altersverifizierung im Internet und nach Meinung ihrer Kritiker auch bei manchen Tendenzen zur Ausgrenzung abweichender Meinungen.
Auch auf Mallorca Rauchverbot am Strand
Mit dem geplanten Rauchverbot an Stränden steht die Türkei übrigens nicht allein da. Auch in anderen beliebten Urlaubsregionen wie mancherorts in Italien oder Spanien mitsamt Palma de Mallorca ist das Rauchen bereits verboten. Dabei geht es den zuständigen Städten und Gemeinden auch um die unnötige Umweltverschmutzung durch Kippen im Sand.
Für Urlauber bedeuten die geplanten Regelungen, dass sie ihre Gewohnheiten anpassen müssen. Die neuen Vorschriften sollen ausdrücklich auch für Touristen gelten, eine Ausnahme ist nicht vorgesehen. Im Extremfall könnte sogar die Einfuhr von Tabakprodukten im Reisegepäck geahndet werden.
Noch ist allerdings unklar, ob und wann der Gesetzentwurf tatsächlich verabschiedet wird. Sollte er jedoch umgesetzt werden, würde die Türkei zu den Ländern mit den weltweit strengsten Anti-Tabak-Regeln zählen.