So hatten sich das Juliane und Philipp mit ihrer alten Villa nicht vorgestellt. Kostenexplosion, Handwerkermangel und die Schwangerschaft von Juliane machten die Sanierung zu einer Zerreißprobe für die junge Familie. Doch Juliane und Philipp gaben nicht auf.
SWR TRAUMHAFT WOHNEN - DIE ARD ROOM TOUR, "Ungeplante DIY-Sanierung einer Altbau Villa", am Montag (02.03.26) um 21:00 Uhr im SWR.
Von Katrin Jokic
Eine imposante Treppe, hohe Decken und Türen mit filigranen Details – als Juliane und Philipp Ende 2021 eine Altbau-Villa aus dem Jahr 1910 kauften, war die Begeisterung groß. Eigentlich sollte das Haus 2022 „ganz gemütlich“ renoviert werden. Doch dann kamen Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs. Materialpreise stiegen, Handwerker waren schwer verfügbar, Kalkulationen gerieten ins Wanken.
Aufgeben war für das Paar dennoch keine Option.
Mehr Eigenleistung als geplant
Was ursprünglich als gut planbares Sanierungsprojekt gedacht war, entwickelte sich zur Kraftprobe. Durch die explodierenden Kosten mussten Juliane und Philipp deutlich mehr Arbeiten selbst übernehmen als vorgesehen. Gleichzeitig wurde Juliane während der Renovierung schwanger. Der Zeitdruck wuchs, denn das Haus sollte rechtzeitig zur Geburt bezugsfertig sein.
Heute lebt die Familie mit ihrem kleinen Sohn und ihrer Hündin in der aufwendig modernisierten Villa.
Verliebt in den ersten Eindruck
Schon bei der ersten Besichtigung war es um die beiden geschehen – vor allem wegen des großzügigen Eingangsbereichs mit der eindrucksvollen Originaltreppe. Sie wurde abgeschliffen und neu gestrichen, blieb aber in ihrer Substanz erhalten.
Überhaupt war es Juliane und Philipp wichtig, den Charakter des Hauses zu bewahren. Im Flur trifft moderne Beleuchtung auf historische Möbelstücke, etwa einen Jugendstil-Kleiderschrank, der heute als Garderobe dient.
Auch viele andere Elemente blieben erhalten: alte Heizkörper, originale Türen mit Details, die mühsam von zahlreichen Farbschichten befreit und neu gestrichen wurden. Die Fenster wurden zwar aus energetischen Gründen ausgetauscht, doch die neuen Sprossenfenster erhielten Griffe in historischer Optik als Reminiszenz an das Baujahr.
Zwischen Alt und Moderne
Im Wohn- und Essbereich setzt ein drehbarer Kamin einen modernen Akzent. Er lässt sich je nach Aufenthaltsort im Raum ausrichten – ein funktionales und gestalterisches Highlight.
In der Küche entschieden sich die Bauherren bewusst dafür, den alten Fliesenboden trotz Macken zu erhalten. Der sichtbare Gebrauch erzählt Geschichte. Gleichzeitig sorgt eine integrierte Teppanyaki-Grillplatte für einen zeitgemäßen Kontrast.
Im Dachgeschoss wurde der ausgebaute Dachboden zum privaten Rückzugsort: Schlafzimmer mit freiliegenden Balken und angrenzendem Bad.
Unerwartete bauliche Hürden
Nicht alles ließ sich einfach umsetzen. Die Decken bestehen aus Stroh und sind kaum tragfähig – eine Herausforderung bei der Installation von Lampen. Dennoch gelang es dem Paar, auch diese Arbeiten in Eigenleistung zu bewältigen.
Rückblickend überwiegt der Stolz. Der Traum vom Leben im Altbau war für Juliane und Philipp schon lange präsent, auch wenn ihnen viele davon abgeraten hatten. Die Mühen, Rückschläge und Improvisationen gehören heute zur Geschichte des Hauses dazu.
Jeder Raum ist mit Erinnerungen verbunden – an schwierige Momente ebenso wie an kleine Erfolge. Was während der Bauphase belastend war, ist im Nachhinein Teil einer sehr persönlichen Verbindung zum Haus geworden.
Zu sehen ist die Villa auch in der „ARD Room Tour“ am 2. März 2026 um 21 Uhr im SWR. Die Folge ist eine Wiederholung vom 7. April 2024 und in der Mediathek bis zum 7. April 2029 abrufbar.