Drastischer Vergleich: Beim Weltkriegsgedenken in der Normandie warnt US-Kriegsminister Pete Hegseth vor einer neuen Erstürmung von Europas Stränden. Er zieht Parallelen zu den Kreuzzügen im Mittelalter.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hält eine Rede auf dem US-Friedhof in der Normandie anlässlich des 82. Jahrestages der D-Day-Landung in Colleville-sur-Mer.
Von Markus Brauer/KNA/dpa
US-Kriegsminister Pete Hegseth hat beim Gedenken an die Landung der Alliierten in der Normandie einen Vergleich zur heutigen Migration in Europa gezogen. „Leider werden heute andere europäische Strände von anderen gefährlichen Ideologien gestürmt. Strände in Spanien, in Griechenland, in Bulgarien“, sagte Hegseth am Samstag (6. Juni) auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof im französischen Colleville-sur-Mer.
Hegseth fragte: „Wann werden europäische Hauptstädte etwas gegen diese Invasion tun?“ Er „bete und glaube“, dass es nicht zu spät sei. „Die Männer, die hier kämpften und starben, gaben Europa die Freiheit zurück. Diese Freiheit muss durch die heutige Generation von Führern und Kämpfern erhalten werden“, erklärte der Kriegsminister.
Kreuzzüge damals und heute
Die Landung der Alliierten in der Normandie vor 82 Jahren stellte Hegseth in einen religiösen Deutungsrahmen. Die US-Armee habe damals „einen großen Kreuzzug angeführt, um die Kriegsmaschinerie der Nazis zu zerschlagen und den Kontinent zu befreien“, betonte der republikanische Politiker.
Es ist das zweite Mal, dass Hegseth einer Gedenkfeier auf dem Normandy American Cemetery beiwohnte. Am 6. Juni 1944, dem sogenannten D-Day, waren an der französischen Küste des Ärmelkanals rund 160.000 Soldaten der alliierten Streitkräfte gelandet, davon 73.000 US-Amerikaner. Die Operation errichtete eine zweite Front gegen das Deutsche Reich und führte zur Beendigung der Herrschaft Adolf Hitlers.
„Deus vult“ – „Gott will es“
Hegseth, Mitglied einer konservativen evangelikalen Kirche, trägt ein tätowiertes Jerusalem-Kreuz auf der Brust und den Kreuzfahrer-Schlachtruf „Deus vult“ – „Gott will es“ – auf dem Arm.
Das Symbol wird ursprünglich den Kreuzrittern zugerechnet. Die Darstellung findet sich heute auch in harmloseren Kontexten, etwa auf der Flagge Georgiens.
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Ausruf von rechtsextremen Kreisen missbraucht
Der Ausruf „Deus vult!“ wird Papst Urban II. als Aufruf am 27. November 1095 zur „Befreiung“ Jerusalems von den Sarazenen und zum ersten Kreuzzug zugeschrieben. „Deus lo vult!“ (mittellateinisch für „Gott will es!“) ist auch die Devise des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem findet sich als Wahlspruch in dessen Wappen.
Aus Sicht des Marburger Historikers Georg Strack handelt es sich dabei jedoch nur um eine Legende. „Urban II. hat dieses Zitat niemals in Texten verwendet, die er selbst oder seine Kanzlei verfasst haben“, konstatiert Strack. Nur in einer einzigen Chronik, der von Robert dem Mönch, die etwa zehn Jahre nach dem Kreuzzugsaufrufs des Papstes bei einer Synode im französischen Clermont entstand, werde der Ausruf überhaupt zitiert.
Einen päpstlichen Ursprung hat der Ausruf also nicht. Wenn er dennoch heutzutage genutzt wird, dann nach Meinung des Historikers von rechtsextremen Kreisen, um eine Brücke zu den Kreuzzügen zu schlagen. Dass er sich wohl damals wie heute vornehmlich gegen Muslime richte, sei zwar eine Verbindung.„
Anders als heute hatte der Ruf aber keine rassistische Konnotation, weil es das Konzept der ‚Rasse’ im modernen Sinne nicht gab. Es ging um religiöse Differenzen“, betont Strack.
Trump-Regierung kritisiert Europas Migrationspolitik
Die Regierung von Präsident Donald Trump hat ihre europäischen Verbündeten bereits wiederholt wegen angeblicher Gefahren durch eine „Invasion“ von Einwanderern kritisiert und wirft ihnen eine fehlgeleitete Migrationspolitik vor. Trumps Regierung brüstet sich in den USA mit einem sehr harten Vorgehen gegen Asylbewerber und Migranten ohne gültigen Aufenthaltstitel.
Henry Nowak died the same way a civilization dies: abandoned, handcuffed by authorities who neither trusted nor cared for him, and accused of hate crimes he did not commit. His murder is as tragic as it is enraging. He should still be alive today, and he would be if the last few… https://t.co/e3HkjzWzwU — JD Vance (@JDVance) June 5, 2026
Zuletzt hatte Vizepräsident JD Vance in einem X-Post zu „gerechtem Zorn“ aufgerufen und den Mord an den 18-Jährigen Studenten Henry Nowak im südenglischen Southampton auf eine angebliche „Masseninvasion von Migranten“ zurückgeführt. Die britische Regierung unter dem Labour-Premierminister Keith Starmer rief in der Folge dazu auf, von „Spaltung, Hass oder Spannungen“ abzusehen.