Beam me up, Scotty!

US-Spitzenbeamter behauptet: „Ich wurde zwangsteleportiert“

Ein Spitzenbeamter in den USA erregt Aufsehen. Er behauptet, mehrfach teleportiert worden zu sein. Was sich nach Science Fiction anhört, ist physikalischer Unsinn.

US-Spitzenbeamter behauptet: „Ich wurde zwangsteleportiert“

Beam me up, Scotty! Wenn jetzt was schief geht, war’s das mit Captain Kirk & Co.

Von Markus Brauer

„Beam me up, Scotty!“ – „Beam mich hoch, Scotty!“ Erinnern Sie sich an dieses geflügelte Wort aus der Science-Fiction-Serie „Raumschiff Enterprise? Exakt in diesem Wortlaut hat es James T. Kirk, der Kapitän der „Enterprise“, nie zu seinem Chefingenieur Montgomery „Scotty“ Scott gesagt. Manche Sprüche sind aber unsterblich.

Beamen = Teleportation

Wissenschaftlich nennt man Beamen auch Teleportation. Damit ist Folgendes gemeint: Ein Teilchen, ein Gegenstand oder einer Person wird von einem Ort zu einem anderen transportiert, ohne den Raum dazwischen zu durchqueren.

Das Objekt wird dabei am Ausgangsort in seine molekularen Bestandteile zerlegt, in ein anderes Medium (zum Beispiel elektromagnetische Wellen) umgewandelt und dann am Zielort rematerialisiert – also wieder zusammengesetzt.

Teleportation kommt von altgriechisch „tele“ – fern – und lateinisch „portare“ – tragen, bringen. Gemeint ist damit der rein theoretische instantane (unendlich kleine Moment der Zeit) Transport eines Objekts von einem Ort zum anderen, ohne den dreidimensionalen Raum dazwischen zu durchqueren.

Hoher US-Beamter berichtet von „Zwangs-Teleportation“

Was reine Science Fiction ist, soll sich in den USA zugetragen haben. Im Dezember 2025 wurde eine Leitungsstelle in der US-Behörde für Krisenmanagement Fema neu besetzt.

Die Trump-Administration vergab den wichtigen Posten an Gregg Phillips. Der Aktivist aus der rechten Szene hatte zwar wenig Ahnung von staatlichen Krisenmanagement, dafür aber umso mehr Erfahrung als Gast in ultrarechten Podcasts. Dort berichtete Phillips auch von seinen Erlebnissen mit einer erzwungenen Teleportation.

Die Neubesetzung stieß in den Amtsstuben der Fema zunächst auf Misstrauen. Denn Phillips hat in seiner neuen Position wichtige Kompetenzen bei der Koordinierung von Bergungs- und Suchoperationen im Katastrophenfall, beim Schutz kritischer Infrastruktur sowie bei der Verfügung über Milliardenbeträge an staatlichen Hilfszahlungen.

„Das ist so absurd, dass es kaum der Rede wert ist“

Doch wieder Erwarten macht der Neuzugang entgegen der anfänglichen Skepsis durch seine pragmatische Arbeitseinstellung einen guten Job. Trotzdem wird Phillips intern und extern weiter kritisiert.

Eine Recherche von CNN zeigte, dass er regelmäßig Verschwörungstheorien verbreitet und mehrfach behauptet hatte, „zwangsteleportiert“ worden zu sein.

In der Behörde wolle man sich hingegen auf Phillips’ Arbeit konzentrieren, heißt es aus der Fema. Ein Sprecher des Katastrophenschutzes kommentierte den CNN-Bericht: „Das ist so absurd, dass es kaum der Rede wert ist.“ Viele der Äußerungen Phillips’ seien aus dem Kontext gerissen worden oder handelten von informellen, persönlichen, teils spirituellen Wahrnehmungen des Bundesbeamten, so die Behörde weiter.

“It was scary. An incredibly frightening moment. Teleporting is no fun.”Gregg Phillips, the head of Trump’s FEMA’s Office of Response and Recovery, talks about the time he teleported… to a Waffle House.More: https://t.co/SBoeuhpDi0pic.twitter.com/kM59EGxl7B — The Tennessee Holler (@TheTNHoller) March 21, 2026

Physikalische Realisierung? Unmöglich!

Nehmen wir mal an, Gregg Phillips hat seine Beam-Erfahrungen ernst gemeint und nicht als Halluzination im LSD-Rausch verstanden. Ist Teleportation wirklich realisitsch?

Nach den bekannten Gesetzen der Physik gibt es keinerlei Möglichkeit zur Realisierung einer Teleportation, bei der Materie zwischen zwei Orten transportiert wird, ohne den Raum dazwischen zu durchqueren. Im Gegenteil: Einige der fundamentalsten Naturgesetze verbieten sie sogar.

So erlauben die Newtonschen Gesetze keinen instantanen Ortswechsel, sondern nur Bewegungen mit endlicher Geschwindigkeit. Auch die Relativitätstheorie Albert Einsteins begrenzt diese zusätzlich auf unterhalb der Lichtgeschwindigkeit, da die Beschleunigung einer Masse auf Lichtgeschwindigkeit unendlich viel Energie benötigen würde und überlichtschnelle Bewegung die physikalische Kausalität verletzt.

Nur Quanten-Teleportation ist realistisch

Wissenschaftlich möglich ist (nach derzeitigem Wissensstand) nur die Quanten-Teleportation, bei der Informationen über den Zustand eines Teilchens, nicht aber das Teilchen selbst, übertragen werden.

Bisher ist diese Idee reine Science Fiction, die in fantastischen Filmen wie „Die Fliege“ oder „Star Trek“ funktioniert. Physikern von Institut für Quantenphysik und Quanteninformation in Wien war das im Jahr 2019 tatsächlich gelungen. Sie übertrugen erstmals dreidimensionale Quanteninformationen.

Die Teleportation könnte in Zukunft ein Quanteninternet und eine abhörsichere Kommunikation ermöglichen. Der Transport von Menschen wie in „Raumschiff Enterprise“ funktioniert mit dieser Quantentechnik aber definitiv (noch) nicht!

Dreidimensionale Quantenzustände teleportiert

Quanteninformationen über große Distanzen zu übertragen, ist in quantenphysikalischen Experimenten Standard. Bisher wurden jedoch immer nur Information mit zwei Werten übermittelt.

Im Jahr 2018 schafften es die Physiker um Anton Zeilinger, dem Direktor des Instituts für Quantenphysik und Quanteninformation in Wien, erstmals, Lichtteilchen (sogenannte Photonen) dreidimensional miteinander zu verschränken.

Quantum teleportation shows up in 3D for the first time https://t.co/8WhGNCGtjspic.twitter.com/7at6kkLh1i — CGTN (@CGTNOfficial) August 18, 2019

Zeilinger und sein Team waren im August 2019 gemeinsam mit chinesischen Kollegen einen Schritt weitergegangen und hatten dreidimensionale Quantenzustände teleportiert.

In Quantencomputern könnten solche Zustände dazu dienen, sehr viel mehr Informationen (sogenannte Quantenbits – Qubits) zu übertragen als mit herkömmlichen Computern. In diesen werden sämtliche Information in Bits (den kleinsten Speicherelementen) dargestellt. Qubits sind die Recheneinheiten von Quantencomputern.

Im Jahr 2022 wurde Zeilinger gemeinsam mit Alain Aspect und John Clauser der Nobelpreis für Physik zuerkannt für seine Erforschung der Quanten-Teleportation zuerkannt.

So funktioniert die Übertragung von Quantenzuständen

Quantenforscher bedienen sich dabei einer Technik namens Quantenverschränkung. Dabei werden zwei Teilchen – in diesem Fall Photonen – so miteinander verschmolzen, dass sie einen gemeinsamen Quantenzustand bilden.

Anschließend lassen sich diese beiden Teilchen räumlich trennen, ohne dass der gemeinsame Quantenzustand zerstört wird. Sie können auch über viele hundert Kilometer – bisher 500 Kilometer von der Erde zu einem Satelliten im Weltall – miteinander verschränkt sein.

Schnelleres und abhörsicheres Internet

Diese Entdeckung könnte in Zukunft auch einen praktischen Nutzen bringen: Ein weltweites Quanteninternet könnte demnach quantenphysikalische Effekte nutzen, um die Kommunikation abhörsicherer zu machen und Rechenprozesse extrem zu beschleunigen, erklären die Physiker.

Ein Beispiel: Fängt ein Hacker verschränkte Lichtteilchen im Quanteninternet ab, geht die Verschränkung verloren – die Datenübertragung funktioniert nicht mehr. Um die Kommunikation mittels Quantenteleportation sicherer zu machen, müssten sich allerdings die verschränkten Photonen über weite Strecken störungsfrei übertragen lassen, am besten zu Satelliten.

Beamen von Menschen ist unmöglich

Für das Teleportieren von Gegenständen oder gar Lebewesen ist diese Technik indes ungeeignet, wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtete. Forscher der britischen University of Leicester haben berechnet, wie viel Rechenleistung benötigt würde, um einen Menschen zu beamen. Eine einzige menschliche Zelle besteht umgerechnet aus zehn Milliarden Bits.

Teleportation: will it ever be a possibility? https://t.co/3Tp1FRZN2t — The Guardian (@guardian) June 12, 2018

Dementsprechend wäre für die Teleportation eines Menschen eine Datenmenge nötig, die sämtliche derzeit auf der Erde zur Verfügung stehende Rechenleistung bei weitem übersteigt.

Bei dem aktuellen Stand der Technik würde der gesamte Transfer Millionen von Jahren dauern. Dabei ist nicht einmal sicher, ob die Versuchsperson die Teleportation durch Raum und Zeit überhaupt unbeschadet überleben würde.

„Das wird noch 300 Jahre dauern“

Manche Ideen für das Übermorgen sind so utopisch, dass selbst Futurologen sie für kaum realisierbar halten. Thomas Le Blanc, Gründer der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar, hält die Teleportation für ein Ding der Unmöglichkeit. „Physikalisch sehr zweifelhaft, praktisch nicht umsetzbar. Das wird noch 300 Jahre dauern“, meint Le Blanc.

Replikatoren hingegen (Computer, die die molekulare Struktur von Speisen nachbilden und wie aus dem Nichts replizieren) hält der Publizist durchaus für machbar. „Für die Nahrungsmittelindustrie ein spannendes Thema.“