Iran-Krieg

USA und Großbritannien: Nicht länger beste Freunde?

Viele Jahre sahen sich die Briten als die die loyalsten Verbündeten der USA. Im Iran-Krieg geht London nun auf Distanz zu Washington – zum Ärger Trumps.

USA und Großbritannien: Nicht länger beste Freunde?

Da war die Stimmung noch gut: Keir Starmer (l). und Donald Trump bei einem Treffen 2025 in England.

Von Peter Nonnenmacher

Der US-Präsident hat genug vom Vereinigten Königreich, „unserem einst Großen Verbündeten, vielleicht dem Größten von allen“. Es sei „ein bisschen spät“, dass London jetzt erwäge, einen Flugzeugträger in den Nahen Osten zu schicken – solche Hilfe werde „nicht länger gebraucht“. Denn die USA bräuchten „keine Leute, die sich an Kriegen beteiligen wollen, die wir schon gewonnen haben“, giftete Donald Trump am Wochenende. Ihm selbst sei „vollkommen egal“, was Premierminister Keir Starmer nun vor habe: „Die können machen, was sie wollen. Die loyalen Verbündeten sind schon da.“

Schroffer hätte Trump London nicht abfertigen können. Tatsächlich sahen sich die Briten all die Jahre über als die loyalsten Verbündeten, als die besten Freunde Washingtons überhaupt. Als George W. Bush zum Beispiel 2003 den Einmarsch in den Irak vorbereitete, wusste er gleich, wer in diesen Krieg mitziehen würde an der Seite der USA. Immer wieder ist schließlich seit den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts die „special relationship“ beider Länder, die besondere Beziehung, beschworen worden. Der britische Kriegs-Premier Winston Churchill hatte das Verhältnis 1946 ja, bei einem Besuch der USA, erstmals so genannt.

Immer mal Krisen im Verhältnis

Dabei gab es natürlich auch immer mal Krisen in diesem Verhältnis, vor allem im Zusammenhang mit Kriegen. Die Suez-Krise von 1956 war wohl die ernsteste davon. In den 60er Jahren weigerten sich die Briten dann unter Harold Wilson, am Vietnam-Krieg Amerikas teilzunehmen. Und in den 80er Jahren zeigte sich Margaret Thatcher erbost darüber, dass Ronald Reagan zwecks „Regimewechsel“ die Commonwealth-Insel Grenada überfiel, ohne es mit ihr abzusprechen. Noch schlimmer war für die Eiserne Lady, dass Reagan im Falkland-Krieg Neutralität wahrte, als es für sie im Südatlantik um alles ging.

Zu anderen Zeiten, wie später im Irak-Krieg, war man sich dagegen grundsätzlich einig. Noch als US-Präsident Donald Trump im vorigen September beim großen Staatsbankett in Windsor sein Glas auf König Charles erhob, fand er, dass das Wort „besonders“ der historischen Beziehung „nicht mal annähernd gerecht“ würde. Der Bund beider Staaten sei „von unschätzbarem Wert“, versicherte Trump dem König. Und das werde so bleiben „bis in alle Ewigkeit“.

Trump ist von Starmer „bitter enttäuscht“

Kein halbes Jahr später ist Trump allerdings schon zum Schluss gekommen, dass die Beziehung „nicht mehr das ist, was sie einmal war“. Von Premier Starmer, der sich so „unkooperativ“ verhalten habe, sei er „bitter enttäuscht“. Bei ihm habe man es jedenfalls „nicht mit einem Winston Churchill Iran trumpzu tun“. Gemeint war damit, dass Starmer sich nicht mit Schlachtenlärm und wehenden Fahnen an die Seite Trumps gestellt hatte, als die USA und Israel ihren Feldzug gegen den Iran begannen. Die Politik des US-Präsidenten direkt zu verurteilen, vermied der Briten-Premier zwar. Aber an der militärischen Offensive gegen den Iran, erklärte er, werde sich sein Land nicht beteiligen. Denn mit internationalem Recht vereinbar seien diese Angriffe für Großbritannien nicht.

Aus eben diesem Grund hatten die Briten den Amerikanern Iran-Einsätze von britischen Stützpunkten aus zunächst einmal verboten. Das brachte Trump mächtig gegen London auf. Unter enormem Druck aus Washington, und angesichts immer bedrohlicherer iranischer Aktionen überall im Nahen Osten, korrigierte Starmer diese Position denn auch in kürzester Zeit. Inzwischen dürfen US-Bomben-Geschwader britische Stützpunkte wie Fairford in Südengland oder Diego Garcia im Indischen Ozean doch nutzen, solange es sich um rein „defensive“ Einsätze handelt, also um Einsätze gegen iranische Stellungen, von denen aus Briten und Verbündete beschossen werden. „Kollektive Selbstverteidigung“ ist für Keir Starmer erlaubt.

Für Trump aber ist selbst dieses Zugeständnis „viel zu spät“ gekommen. Fünfmal griff der US-Präsident im Verlauf der letzten Tage Starmer wütend an. Ex-Labour-Premier Tony Blair, der einst mit den USA bereitwillig ins Irak-Desaster gezogen war, stimmte Trump jetzt bei, in privater Runde. Unterdessen neigt die britische Bevölkerung allen Umfragen zufolge eher Starmers vorsichtigerer Position zu als der Forderung nach bedingungsloser Gefolgschaft.