VfB erfüllt sich den nächsten Pokal-Traum

Tiago Tomas schießt die Stuttgarter in der 119. Minute der Verlängerung ins Endspiel nach Berlin. Die Hoeneß-Elf kommt gegen den stark aufspielenden SC Freiburg zunächst schwer in die Partie, siegt aber am Ende verdient mit 2:1 – und trifft nun im Finale auf Bayern München.

Von David Scheu

Stuttgart - Das Sahnehäubchen auf diesen Fußballkrimi im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den SC Freiburg, es wurde von Tiago Tomas in der 119. Minute der Verlängerung in Form eines eingesprungenen Hacketors serviert. Der Portugiese traf nach toller Vorarbeit des eingewechselten Badredine Bouanani aus sieben Metern zum 2:1-Siegtreffer.

Damit war es vollbracht: Der Titelverteidiger VfB ist erneut ins DFB-Pokalfinale von Berlin eingezogen, trifft dort am 23. Mai wie bereits 2013, als es ein 2:3 gab, auf den FC Bayern München. Zuvor hatten die Fans in der ausverkauften MHP-Arena einen packendes Landesduell gesehen. Nach den regulären 90 Minuten stand es durch Tore von Deniz Undav (70.) und Maximilian Eggestein (28.) 1:1, ehe die Verlängerung torlos blieb.

Vier Positionen hatte Trainer Hoeneß im Vergleich zum 2:4 beim FC Bayern in der Liga geändert. Den verletzten Finn Jeltsch, Josha Vagnoman, Tiago Tomas und Bilal El Khannouss raus, Nikolas Nartey, Maximilian Mittelstädt, Dennis Undav und Ermedin Demirovic rein – das waren die Wechsel. „Es ging darum, die offensiven Jungs auf den Platz zu bekommen“, sagte der VfB-Trainer.

Anders als gewohnt kam der heimstarke VfB aber im Spiel nach vorne einfach nicht ins Rollen. Der VfB agierte im eigenen Ballbesitz zunächst mit zu wenig Tempo und Zielstrebigkeit – die Gäste waren galliger und entschlossener in ihren Aktionen.

Die Führung der Breisgauer fiel dann allerdings auf Einladung von VfB-Mittelfeldmotor Angelo Stiller. Der spielte einen Rückpass viel zu stark und für seinen Torhüter Alexander Nübel unerreichbar zurück, sodass der Ball über die Grundlinie ins Aus rollte. Die Stärken des Sportclubs bei Offensivstandards sind ja allseits bekannt: Vincenzo Grifos Eckball klärte Nartey am kurzen Pfosten nur halbherzig – der Ball kam zu Ginter, dessen Kopfball über die Fußspitze von Maximilian Eggestein unhaltbar, weil abgefälscht seinen Weg ins Stuttgarter Netz fand (28. Minute) – 0:1. Es bleib zunächst auch dabei: Der VfB agierte zu statisch, ohne offensive Positionswechsel, dafür fast immer durch die Mitte. 40 Minuten waren bereits gespielt, als der VfB sein erstes offensives Lebenszeichen sendete: Undav brachte den Stürmerkollegen Demirovic in zentraler Position in Schussposition, doch dem bosnischen WM-Fahrer rutschte der Ball aus zwölf Metern leicht über den Spann – und flog so knapp über die Latte. Dann ging ein Flachschuss von Jamie Leweling knapp am linken Pfosten vorbei (43.), ehe ein Undav-Schuss dicht vor der Freiburger Torlinie geblockt wurde (45.). Der Ausgleich lag jetzt in der Luft.

Kurz nach dem Wechsel hätte Chris Führich das Tor machen müssen, brachte aber eine gut getimte Leweling-Flanke nicht im Kasten der Gäste unter. Längst hätte die Hoeneß-Elf inzwischen den Ausgleich verdient gehabt, als Stiller zweimal in den Fokus rückte: Erst konnte der Sechser im Fallen den Ball aus drei Metern nicht vollends über die Linie drücken, dann traf der VfB-Regisseur ins Tor – doch Demirovic war zuvor knapp im Abseits gestanden (60.).

In der 70. Minute war dann Undav-Time: Ramon Hendriks gewann hinten den entscheidenden Zweikampf, ehe der für Nartey eingewechselte Bilal El Khannouss seine aktuelle Topform bestätigte: Der Marokkaner trieb den Ball energisch nach vorne, passte im richtigen Moment rechts raus auf Deniz Undav, der den Ball direkt links unten zum 1:1 ins Freiburger Tor schob. Der VfB war jetzt voll drin im Spiel.

Die Elf von Trainer Julian Schuster geriet dagegen mächtig ins Taumeln – ein abgefälschter Undav-Schuss wurde von SC-Keeper Florian Müller an den Pfosten gelenkt. Noch zwei weitere Male Undav sowie Führich hatten ganz dicke Chancen – doch es ging letztlich in die Verlängerung.

Dort dann zwei weitere große Momente zum Haareraufen, als ein Schuss von Führich wiederum am Pfosten landete (95.) – und Keeper Müller in höchster Not gegen El Khannouss rettete (104.). Letzterer hatte sich vor Beginn der Verlängerung auf dem Rasen kurz übergeben müssen, machte aber mit großem Kämpferherz weiter – und wurde mit dem Einzug ins Pokalfinale belohnt.