Schwarz-Rot-Gold, Feuerwehrmänner und ein Hymnen-Streit: Heino wird in Brandenburg bejubelt. Bei seinem Konzert geht es um mehr als Musik.
Richard Münder hat einen Eklat ausgelöst, weil bei Meisterschaften im Feuerwehrsport in Sachsen 2025 die geächtete erste Strophe des Deutschlandliedes erklang.
Von Von Monika Wendel, dpa
Bad Belzig - Deutschlandfahnen, Heino-Rufe und alte Hits: Im brandenburgischen Bad Belzig wird der 87 Jahre alte Schlager- und Volksmusikstar bejubelt. Bei seinem Auftritt in dem kleinen Kurort geht es am Samstagabend um den blauen Enzian und Rosamunde, wie seine Titel heißen, - aber vor allem um einen Fall, der polarisiert.
Der Feuerwehrmann Richard Münder aus Bad Belzig hat wegen der geächteten ersten Strophe des Deutschlandlieds bei Feuerwehrmeisterschaften in Sachsen seine Ämter verloren. Heino kritisiert den Rauswurf. Er reist deshalb während seiner Solotour "Made in Germany" zum Solidaritätskonzert in das 11.000-Einwohner-Städtchen.
Die rund 800 Besucher tanzen zu "Karamba, Karacho, ein Whiskey" und "Die schwarze Barbara". Heino löst in der Mehrzweckhalle zeitweise Bierzelt-Atmosphäre aus. Bei dem wegen Sexismusvorwürfen umstrittenen Partylied "Layla" jubeln die Zuhörer.
Heino-Manager: Flagge zeigen für Feuerwehrmann
Heinos Manager Helmut Werner sagt: "Es ist wichtig, dass wir heute hier sind und Flagge zeigen und uns hier einmischen." Der Feuerwehrmann habe eine zweite Chance verdient. Auch zahlreiche Feuerwehrsportler sind gekommen und sagen, die Bestrafung Münders sei zu hart. Ganz anders der Deutsche Feuerwehrverband: Er bleibt dabei, Münder als Wettkampfrichter von allen Funktionen zu entbinden.
Heino, der blonde Sänger mit der dunklen Sonnenbrille, hat in seiner langen Karriere manche Kontroversen ausgelöst. Er ist Kult- aber auch Reizfigur, wird immer wieder in eine Nähe zum politisch rechten Spektrum gerückt. Vor etlichen Jahren geriet er mit einem "Heimat-Album" in die Kritik, das unter anderem Stücke enthält, die auch im "Liederbuch der SS" zu finden waren.
Gesangsversion von Heino aus den 70er Jahren führt zu Rauswurf
Was steckt hinter dem Heino-Konzert nach dem Streit um den Feuerwehrmann? Im August 2025 erklingt bei der Deutschen Meisterschaft im Feuerwehrsport im nordsächsischen Torgau statt der Nationalhymne auch die historisch umstrittene erste Strophe des Deutschlandlieds ("Deutschland, Deutschland über alles"). Es war jene umstrittene Gesangsversion von Heino, die er in den 70er Jahren mit allen drei Strophen aufnahm - auf Bitten des baden-württembergischen Ministerpräsidenten und einstigen NS-Marinerichters Hans Filbinger (CDU).
Feuerwehrmann spricht von "Rechtsextremismus-Stempel"
Feuerwehr-Wettkampfrichter Münder erzählt, er habe die Version auf Youtube als ersten Treffer gefunden und für die Eröffnung der Meisterschaft heruntergeladen. Nach dem Fehlgriff fühlt er sich ungerecht behandelt und durch die Sanktionen des Feuerwehrverbandes diskreditiert. "Man hat versucht, mir einen Rechtsextremismus-Stempel aufzudrücken", sagt Münder. Einen solchen Verdacht weist er von sich.
"Ich bedauere, dass es zu diesem Missverständnis gekommen ist", sagt Münder, der beim Konzert das T-Shirt von der Feuerwehrmeisterschaft in Torgau 2025 trägt. Aber er verwehre sich dagegen, dass er alleine schuld dafür sein soll, "denn da sind andere Organisationselemente ebenfalls mitbeteiligt".
Heinos Manager erklärt der dpa: "Es war uns nicht recht, dass dieses Deutschlandlied auf diesem Bundesfeuerwehrwettkampf abgespielt worden ist." Später auf der Bühne sagt er zu den feiernden Konzertbesuchern auch, bis zum heutigen Tage sei das Deutschlandlied nicht verboten.
Hymne mit dunkler Vergangenheit
Das "Lied der Deutschen" wurde von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 gedichtet. Allerdings wurde es von den Nationalsozialisten propagandistisch missbraucht für ihren Großmachtanspruch nach außen. 1952 hatte der damalige Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) auf Bitten von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zugestimmt, einen Teil des Deutschlandliedes als Nationalhymne anzuerkennen. Diese besteht allein aus der dritten Strophe mit den Worten "Einigkeit und Recht und Freiheit".
Viel Schwarz-Rot-Gold auf und neben der Bühne gehört beim Konzert von Heino dazu, der als Zugabe unter anderem "Schwarzbraun ist die Haselnuss" singt. Einige Männer stimmen in Bad Belzig auch mehrmals "Ostdeutschland, Ostdeutschland"-Sprechchöre an.
Heino-Manager spricht von "ahnungslosen Analphabeten"
Auf Fragen zu Vorwürfen, Heino sei rechtslastig, argumentiert sein Manager, Heino habe sich für ein Verbot der AfD ausgesprochen, sei früher SPD-Wähler gewesen, und habe sich in Wahlkämpfen dann für die CDU eingesetzt. "Was hat Heino mit rechts zu tun? Nur weil er Volkslieder singt? Also ich finde, diese Leute, die das behaupten, sind ahnungslose Analphabeten."
Streit zwischen Feuerwehrmann und Verband geht weiter
Feuerwehrmann Münder schwenkt am Ende des Konzerts eine Deutschlandfahne. Sein Name ertönt in lauten Sprechchören, als er vor der Bühne Heino-Fanartikel überreicht bekommt. "Ich denke mal, dass ungefähr das halbe Publikum heute hier aus Feuerwehrkameraden der deutschen Feuerwehrsportszene besteht, die mich unterstützen", sagt Münder.
Der Wettkampfrichter will künftig in einer neuen und von ihm mit gegründeten Feuerwehrsport-Gemeinschaft jährliche Meisterschaften organisieren - zum Missfallen des Landesfeuerverbandes. Der Präsident befürchtet dadurch eine Spaltung der Feuerwehrwelt.
Auch Heino trifft in Bad Belzig südwestlich von Berlin längst nicht überall auf Begeisterung. Unter dem Motto "Knallbunt ist die Haselnuss" feiern an dem Abend einige Menschen eine "Party für Vielfalt".
Heino wird bei seinem Zusatzkonzert aus Solidarität mit einem Feuerwehrmann im brandenburgischen Bad Belzig bejubelt.