Visite bei Bahnsteig, Bonatzbau und Co.

Vom neuesten Stand auf der S21-Großbaustelle haben sich bei den Tagen der offenen Baustelle gut 54 000 Menschen ein Bild gemacht.

Visite bei Bahnsteig, Bonatzbau und Co.

Der Wettergott meinte es gut mit den Gästen auf der Baustelle.

Von Petra Xayaphoum

Stuttgart - Die Tage der offenen Baustelle haben über das Osterwochenende zahlreiche neugierige Besucherinnen und Besucher an die Stuttgart-21-Baustelle am Hauptbahnhof gelockt. In Zahlen gesprochen: Über zwei Tage besuchten insgesamt 54 000 Menschen das Großprojekt, obendrauf kommen noch die unbekannten Zahlen von Ostermontag. Erstmals konnte man aus nächster Nähe einen Blick in den weit fortgeschrittenen Bau der Bahnhofshalle, des Bonatzbaus sowie auf die Gitterschale seitlich des Planetariums werfen.

Zahlreiche Besucher, ob aus der Landeshauptstadt oder dem Umland, waren nicht zum ersten Mal da, sondern nutzen die Tage der offenen Baustelle regelmäßig, um dem jährlichen Baufortschritt des Mega-Projekts zu folgen und die Festivitäten rund um die Baustelle – von Info-Ständen über Live-Musik und Straßenkunst bis hin zu Food-Trucks – mitzunehmen.

Wenn man den Stand an Ostern vergangenen Jahres zum Vergleich heranzieht, hat sich indes einiges getan (wenngleich offenkundig wurde, dass es auch noch viel zu tun gibt): Statt einer unfertigen Bahnhofshalle wie 2025 konnte man nun aus der ebenerdigen Ebene 0 erstmals die volle Kolonnade der Kelchstützen mitsamt Lichtaugen betrachten. Jede von ihnen bringt ein Gewicht von rund 1 600 Tonnen auf die Waage, das sind rund 270 Elefanten. Die Gleise mitsamt Schallabsorber sind verlegt, die Montage der Deckenstromschienen ist abgeschlossen und auch Treppen und Aufzüge sind zum Großteil schon montiert.

Auch den sanierten Bonatzbau, der im vergangenen Jahr noch nicht für Besucherinnen und Besucher geöffnet war, konnte man nun frei begehen. Hier hat sich ebenfalls viel getan: Treppen und Aufzüge sind vorhanden, man kann schon erahnen, wo die Toiletten untergebracht werden. Der Estrich, der bekanntermaßen das Ende der Rohbauphase markiert, ist teils in den Innenräumen bereits verlegt worden. Besetzt werden die leeren Flächen an einem Ende mit Gastronomie, am anderen mit einem Aldi-Supermarkt, einem McDonald’s-Schnellrestaurant, der Polizei und der Bahnhofsmission. Mittendrin sind Räumlichkeiten für Konferenz- und Besprechungsräume sowie ein 120 Zimmer großes 4-Sterne-Hotel entstanden, das zur Hotelgruppe Accor gehören wird.

Die Bauarbeiten am Bahnhofsturm und seiner Aussichtsplattform sind noch in vollem Gange, weshalb ihm aktuell sein bekanntes Alleinstellungsmerkmal, der Mercedesstern, noch fehlt. Auf dem Bahnhofsdach, Ebene 1 und künftiger Manfred-Rommel-Platz, kann man sich von oben ein genaues Bild von den Lichtaugen machen und sich an Info-Ständen über den Digitalen Knoten Stuttgart, dem Projekt zur Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik in Stuttgart, sowie über das auf ehemaligen Gleisflächen entstehende, neue Rosensteinquartier informieren.

Am Ende wird hier auf dem Dach, wo tausende Besucher entlangspazieren, kniehoch Erde aufgeschüttet werden, sodass rund um die ikonischen Lichtaugen dann noch eine Begrünung gepflanzt werden kann.

Die monumentale Gitterschale in der Nähe des Planetariums, die aus 725 Glasscheiben zusammengesetzt wurde und einen der Haupteingänge zum Bahnhof markiert, ist zu einem beträchtlichen Teil bereits fertiggestellt. Was zum finalen Bild noch fehlt, sind die tatsächlichen Türen, durch die man später – auch direkt von der Haltestelle Staatsgalerie – in den Hauptbahnhof spazieren kann. Letzteres ist bisher ohne Umweg nicht möglich gewesen.

„Wann wird der Bahnhof denn endlich fertig sein?“, fragt sich jemand aus dem Publikum. Diese eine Antwort vermag jedoch keine der sonst bestens informierten Auskunftspersonen vor Ort so richtig geben. Erst vor kurzem ist das Eröffnungsdatum für Stuttgart 21 offiziell auf 2027 verschoben worden, inoffiziell heißt es, dass der neue Bahnknoten nicht vor 2029 in Betrieb gehen kann. Erst im Sommer will die Deutsche Bahn dazu Näheres mitteilen.