Zuerst fand Sabrina Prater diesen Sascha ziemlich unsympathisch. Dann jedoch wurde eine große Liebe daraus. Wie es zu dem Happy End kam und was Sabrina Prater anderen empfiehlt
Der Anfang war holprig, dann fanden Sabrina und Sascha Prater aber zueinander. Ihr gemeinsames Hobby: Reisen. Da nehmen sie nun auch gerne ihre kleine Tochter mit.
Von Caroline Strang
Am Anfang stand das Schimpfwort mit dem großen A. „So ein Arschloch, mit dem kannst das nächste Mal du telefonieren“, war der erste Satz, den Sabrina Prater aus Nattheim (Kreis Heidenheim) zu einer Kollegin über ihren späteren Ehemann sagte. Das ist schon eine Weile her, rund zehn Jahre. Inzwischen sind die beiden seit drei Jahren verheiratet, haben eine zweijährige Tochter und leben in Nattheim im Landkreis Heidenheim. Ein Happy End also – und das nach so einem Anfang.
Wie aus diesem schlechten ersten Eindruck von ihrem Sascha Liebe werden konnte, erzählt Sabrina Prater gerne. Die 38-Jährige lacht auch im Gespräch immer wieder laut auf, wenn sie in lebhaften Schilderungen vom holprigen Start ihrer Beziehung berichtet. Dieser Start sei auch „Running Gag“ auf ihrer Hochzeit gewesen, sowohl die Standesbeamtin als auch der Pfarrer hätten sich darüber lustig gemacht, berichtet sie. Niemand hätte gedacht, dass sie mal heiraten würden, sagt sie noch. Sie seien sehr unterschiedlich – aber genau das mache einen Teil des Reizes aus.
Wütender Anruf: Sascha Prater sorgt für Ärger am Telefon
Die erste Begegnung mit Sascha fand vor zehn Jahren am Telefon statt. Und sie war alles andere als reizend, sie machte sie eher wütend. Sabrina arbeitete damals bei einer Sparkassen-Versicherung, als ihr Telefon klingelte. Am anderen Ende meldete sich ein Vertreter der Sparkasse, Sascha Prater. „Der hat mich komplett rundgemacht“, erzählt Sabrina, die damals noch einen anderen Nachnamen trug.
Der Versicherung war wohl ein kleiner Fehler unterlaufen. „Das lag aber überhaupt nicht an mir.“ Ihr Gesprächspartner allerdings sah das wohl anders. Aufgebracht herrschte er sie an, sie solle das sofort korrigieren. „Der hat richtig geschimpft“, erinnert sie sich. „Ich wusste gar nicht, was der von mir will.“
„Mein Gott, was für ein Typ!“ – Saschas erster Auftritt im Büro
Ihre Kollegin kannte diesen Sascha auch persönlich und so kam es, dass er ein paar Tage später im Büro der beiden Frauen auftauchte. „Das saß er in einem blauen Anzug, Beine überschlagen, Kaffeetasse in der Hand und hatte den kleinen Finger abgespreizt“, erzählt die 38-Jährige und lacht. Das wisse sie noch ganz genau. Ich dachte: „Mein Gott, was für ein Typ!“ Nicht bewundernd, eher belustigt und irritiert. „Der ist so gar nicht mein Fall“, sagte sie danach zu ihrer Kollegin. Aber irgendwie stand sie auch schon immer auf Männer in Anzug ...
Der erste Eindruck war da aber schon mal verdorben. Unverschämt am Telefon und dann noch dieser kleine Finger. Dabei ist ein guter Start doch so wichtig, oder? Anruf bei einer Expertin. „Der erste Eindruck ist tatsächlich sehr entscheidend. Unser Gehirn bildet sich in wenigen Sekunden ein Urteil darüber, ob uns jemand sympathisch, vertrauenswürdig und interessant erscheint – oder das Gegenteil in uns auslöst“, erklärt Eva Wlodarek, Diplom-Psychologin, Coach und Bestsellerautorin. Dieses erste Bild wirke dann wie ein Filter. „Alles, was wir danach wahrnehmen, wird durch dieses Urteil gefärbt.“
Hinter die Fassade blicken: Wie sich erste Eindrücke ändern
Aber es gibt eben auch noch die Chance, die erste Meinung über einen Menschen zu ändern. Sabrina Prater hat selbst erfahren, dass der erste Eindruck nicht immer entscheidend ist. „Man muss hinter die Fassade schauen. Ich musste danach weiter mit ihm zusammenarbeiten, dadurch hat sich der Eindruck gewandelt.“
„Der erste Eindruck ist zwar sehr einflussreich, aber nicht in Stein gemeißelt“, erklärt Diplom-Psychologin Wlodarak. „Sobald wir mehr Zeit mit jemandem verbringen, bekommen wir möglicherweise Informationen, die das Bild verändern können – im positiven wie im negativen Sinne.“ Studien zeigen ihren Aussagen nach, dass Menschen besonders bereit sind, ihr Urteil zu ändern, wenn die neuen Erfahrungen die ursprüngliche Einschätzung stark widerlegen.
Den ersten Eindruck ändern: Authentizität ist der Schlüssel
Laut Wlodarak lässt sich ein erster Eindruck auch im Nachhinein bewusst verändern, doch das erfordere eine ehrliche Selbstkritik. Dabei sollte man sich überlegen, wie man gewirkt habe und wo man sich besser hätte verhalten können. Daraus lasse sich dann ein Plan fürs nächste Treffen machen. „Wichtig ist aber, dass die Veränderung echt ist und zu Ihnen passt. Menschen spüren sofort, wenn Freundlichkeit oder Interesse gespielt oder übertrieben ist. Der Schlüssel liegt also darin, bewusst positive Signale zu setzen, ohne sich zu verstellen.“
Die Erfahrungen im Falle der Nattheimer waren nach den ersten beiden Kontakten positiv. Da das Versicherungsproblem gelöst werden musste, stand Sabrina mit Sascha weiter in Mailkontakt. Und diese Mails wurden immer persönlicher – und irgendwann auch ziemlich flirty. Er weckte ihr Interesse, gerade durch seine frechen Sprüche und Schmeicheleien. Aber auch, weil er ihr zwischendurch immer wieder die kalte Schulter zeigte.
Saschas Interesse erwacht nach Sabrinas Trennung
Sascha hatte übrigens gleich einen guten Eindruck von seiner späteren Frau. „Ich habe ihm gefallen, er fand mich nett und hatte direkt über meine Kollegin angefragt, ob ich Single sei“, erzählt diese. Er habe aber erst wirklich Interesse gezeigt, nachdem sie sich von ihrem damaligen Partner getrennt habe.
Denn als sie sich kennenlernten, war sie noch in einer Beziehung, wenn auch unglücklich, wie sie weitererzählt. Sie machte mit ihrem Partner Schluss, zog aus und verbrachte Zeit mit Sascha. Die erste richtige Verabredung war übrigens überaus romantisch, mit Picknick am See mit Erdbeeren, Trauben, Käse und Sekt. „Sieben Jahre später hat er mir an diesem See einen Heiratsantrag gemacht. Da hat er schon den Romantiker raushängen lassen“, erzählt Sabrina und lacht.
Zusammenziehen als Beziehungstest: Sabrina und Sascha bestehen
Eine neue Wohnung zu finden, entpuppte sich dann allerdings als schwierig. Und so zog sie schon drei Monate später bei Sascha ein. Zusammenwohnen als Test quasi, ob sie auch wirklich zusammenpassen. Und sie passten.
Hätte sie auf ihr erstes Bauchgefühl gehört, wäre die Geschichte vielleicht anders ausgegangen. „Das Bauchgefühl, unsere Intuition, ist beim Daten ein wertvoller Indikator. Es kann uns über unsere Körperwahrnehmung zeigen, ob dieser Mensch gut für uns ist oder nicht“, erklärt Psychologin Eva Wlodarek.
Trotzdem sollte man sich nicht ausschließlich darauf verlassen. „Wenn Sie Ihrem Gefühl nicht trauen, lohnt es sich, sich mehrfach zu treffen, um ein umfassenderes Bild zu bekommen. Manche Charakterzüge, Werte oder gemeinsame Interessen zeigen sich erst mit der Zeit.“ Wer nur auf den ersten Eindruck vertraue, laufe Gefahr, jemanden vorschnell zu verurteilen oder zu idealisieren.
Worauf es ankommt
Erster EindruckLaut Psychologin Eva Wlodarek kann man den ersten Eindruck durchaus beeinflussen. Allerdings sollte man dabei authentisch bleiben. Die positive Wirkung beginne bei kleinen Dingen. Freundlichkeit, ein offenes Lächeln und eine entspannte Körperhaltung wirkten sofort positiv. Im Gespräch gewinne, wer echtes Interesse zeige, aufmerksam zuhöre und auf den Gesprächspartner eingehe. „Negativ wirken dagegen Arroganz, unhöfliche Umgangsformen und wenn jemand nur von sich selbst erzählt. Auch Signale der Unaufmerksamkeit, wie zu spät zu kommen oder ständig aufs Handy zu schauen, können das Bild sofort trüben“, erklärt sie. respektvoll zu sein.
StudienEin Forscherteam aus den USA untersuchte in drei Studien, welches Verhalten bei Männern und Frauen beim ersten Date gut ankommt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Psypost“ veröffentlicht. Männer hielten es demnach für wichtig, beim ersten Treffen ein tiefgründiges Gespräch zu führen, für die Verabredung zu bezahlen, Humor zu zeigen und Augenkontakt zu halten. Frauen meinten, mit Witzen, Fragen, Höflichkeit und einem gepflegten Äußeren gut anzukommen.