Die Frage, ob der Kölner Dom Eintritt kosten darf, entzweit die Gemüter. Eine dpa-Umfrage zeigt: Auch unter Promis sind die Meinungen geteilt.
Entertainer und Komiker Hape Kerkeling ist dagegen, künftig Eintrittsgeld für den Kölner Dom zu verlangen. (Archivbild)
Von Von Christoph Driessen, dpa
Köln - Der Kölner Dom soll ab Juli Eintritt kosten. Denn es verschlingt enorme Summen, den "kolossalen Gesellen", wie ihn der Dichter Heinrich Heine nannte, zu unterhalten. Am Dienstag (11.00 Uhr) will das Domkapitel nun mitteilen, wie hoch der Eintritt ausfallen soll.
Die Ankündigung einer Besichtigungsgebühr hat eine heftige Debatte ausgelöst. Auch unter Kölner Promis gehen die Meinungen weit auseinander, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt.
Hape Kerkeling hält Eintritt für "unmöglich"
Hape Kerkeling (61) hat eine ganz klare Haltung zu der Eintrittsfrage: "Unmöglich! Das geht nicht", findet der Entertainer und Schauspieler. "Die Zeiten ändern sich - aber Eintrittsgeld für den Dom? Wer hat sich das denn ausgedacht?" Kerkeling, der in dem Bestseller "Ich bin dann mal weg" über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg erzählte, hat den Kölner Dom auch in seinen jüngsten Film "Horst Schlämmer sucht das Glück" eingebaut.
Karl Lauterbach kritisiert Eintritt als "falsches Zeichen"
Karl Lauterbach (63), Kölner Bundestagsabgeordneter für die SPD und Ex-Bundesgesundheitsminister, sieht die Entscheidung des Domkapitels ebenfalls kritisch. "Es ist ein falsches Zeichen, Eintritt zu verlangen", ist seine Meinung. "Die Kirche sollte gerade den Armen offen stehen. Es muss in dieser Gesellschaft auch noch schöne Dinge geben, die nichts kosten." Während der Kölner Dom von außen durch die Luftverschmutzung schwarz geworden ist, ist er von innen dank der riesigen Fenster strahlend hell - ein enormer Kontrast, den man nur erlebt, wenn man auch hineingeht.
Günter Wallraff hat gemischte Gefühle
Günter Wallraff (83) hat gemischte Gefühle bei dem Gedanken, dass ein kurzer Abstecher in den Dom bald nicht mehr so ohne weiteres möglich sein soll. "Ich gehe manchmal spontan in den Dom, um innezuhalten", berichtet der Enthüllungsjournalist ("Ganz unten"). Das sei dann kein klassisch touristischer Besuch, aber auch kein Beten im strengen Sinne, wie es auch in Zukunft kostenlos bleiben soll. Für Wallraff stellt sich die Frage, wie man da die Grenze ziehen und beide Gruppen auseinanderhalten will. Er sehe aber ein, dass der Unterhalt viel Geld koste, sagt er. "Und ich betrachte es auch als problematisch, wenn da Touristen reinschneien wie in jede andere Attraktion, zum Beispiel ins Schokoladen-Museum oder Disneyland."
Gerhard Richter findet Eintritt angemessen
Der Maler Gerhard Richter (94) gehört zu den Befürwortern einer Eintrittsgebühr. Bei Sehenswürdigkeiten wie dem Mailänder Dom werde das bereits praktiziert, argumentiert der in Köln lebende Künstler. Richter hat 2007 eines der Fenster des Doms gestaltet, es gilt heute als eine der Hauptattraktionen der Kathedrale. Die Gegend um den Dom herum ist Richters Lieblingsort in Köln, zusammen mit den romanischen Kirchen.
Alice Schwarzer bezeichnet Eintritt als "bedauerlich"
Alice Schwarzer (83) kann einer Eintrittsgebühr nichts Positives abgewinnen. "Ich finde es bedauerlich, dass man für den prächtigen Dom Eintritt zahlen soll", sagt die in Köln lebende Frauenrechtlerin. "Er gehört uns allen." Für sie selbst hat die Regelung allerdings keine Folgen: "Ich bin als Kölnerin Mitglied des Dombauvereins und muss gewiss nicht zahlen." Für Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins, die mit ihren Beiträgen sowieso zum Erhalt des Doms beitragen, bleibt der Besuch der Kathedrale kostenfrei. Schwarzer ist als große Dom-Freundin bekannt, ihr Lieblingsort in Köln ist der sogenannte Vierungsturm, der kleinere dritte Turm auf dem Dach des Doms.
Carolin Kebekus: Schade, aber verständlich
Carolin Kebekus (45) hat Verständnis für die Entscheidung. Dabei fiel ihr erster Reflex ganz anders aus: "Meine erste Reaktion war: Was? Nein! Das geht nicht!", erinnert sich die Komikerin und Entertainerin. "Ich bin in meiner Jugend immer in den Kölner Dom gegangen, um für jeden Blödsinn, jede Matheklausur, jeden Liebeskummer eine Kerze anzuzünden." Auf der anderen Seite sei ihr aber auch klar, dass der Unterhalt des Doms viel Geld koste. "Und andere große Kirchen - Sagrada Família in Barcelona zum Beispiel - nehmen auch Eintritt. Also, es ist schwierig. Ich hätte es natürlich lieber anders, aber ich finde es verständlich."
Wolfgang Niedecken hat Ehrfurcht vor der Dombauhütte
Wolfgang Niedecken (75) findet eigentlich, dass die katholische Kirche genug Geld haben müsste, um den laufenden Betrieb des Doms zu bezahlen. "Etwas anderes ist die Instandhaltung der Bausubstanz, die von der Dombauhütte gestemmt wird", sagt der BAP-Sänger. "Dieser Dom - während ich spreche, sehe ich ihn gerade vor mir - ist in der Instandhaltung natürlich unheimlich teuer. Und wie die Fachleute von der Dombauhütte das hinbekommen, da erstarre ich in Ehrfurcht. Von den filigranen Skulpturen über dem Eingangsportal bis zum Wasserspeier hoch oben am Turm. Das ist eine unfassbare Arbeit." Der Dom gehört seit 1996 zum Weltkulturerbe.
Für Guido Cantz ist der Schritt nachvollziehbar
Komiker und TV-Moderator Guido Cantz (54) zeigt ebenfalls Verständnis. "Um die Betriebs- und Erhaltungskosten zu bewältigen, ist dieser Schritt nachvollziehbar. Unser Kölner Dom muss definitiv erhalten bleiben", meint der praktizierende Katholik. Allerdings habe er auch gemischte Gefühle bei dem Gedanken, künftig am Hauptportal zur Kasse gebeten zu werden: "Ich habe schon in diversen Gotteshäusern im europäischen Ausland Eintritt bezahlt, in Salzburg, London oder Barcelona. Das fühlt sich immer merkwürdig an."
Karl Lauterbach, der in Köln wohnt und die Stadt im Bundestag vertritt, kritisiert die Eintrittsgebühr als "falsches Zeichen" (Archivbild).
Gerhard Richter hält es für angemessen, dass das Domkapitel künftig Eintrittsgeld verlangen will - in anderen Kathedralen sei das auch so, sagt er. (Archivbild)
Günter Wallraff fragt sich, wie künftig zwischen Besuchern unterschieden werden soll, die als Touristen oder zum Beten in den Dom kommen. (Archivbild)
Alice Schwarzer findet es nicht richtig, Eintritt für den Dom zu verlangen - auch wenn sie selbst von der Entscheidung nicht betroffen ist. (Archivbild)
Wolfgang Niedecken findet, dass die katholische Kirche für den laufenden Betrieb des Doms selbst aufkommen muss - anders sieht es bei der Instandhaltung des Weltkulturerbes aus. (Archivbild)
Entertainer und TV-Moderator Guido Cantz hat Verständnis für die Entscheidung, auch wenn er immer ein "merkwürdiges Gefühl" hat, wenn er zahlen muss, um eine Kirche zu betreten. (Archivbild)
Der Kölner Dom soll künftig Eintritt kosten. (Archivbild)