Nach dem Rücktritt von Stefan Hartung übernimmt künftig Christian Fischer den CEO-Posten bei Bosch. Vor ihm standen erst acht Personen an der Spitze des Konzerns.
Christian Fischer (links) löst zum 1. Juli Stefan Hartung an der Spitze des Konzerns ab.
Von Rouven Spindler und Erik Raidt
An der Spitze des Stuttgarter Technologie- und Dienstleistungskonzerns Bosch steht ein Wechsel bevor. Zum 1. Juli wird der bisherige Vize-Chef Christian Fischer auf Stefan Hartung folgen. Dieser führt den Konzern seit Januar 2022 – und tritt nun nach viereinhalb Jahren zurück.
Hartung, der 2004 zu Bosch kam und verschiedene Positionen bekleidete, „legt zum 30. Juni 2026 auf eigenen Wunsch in enger Abstimmung und im Einvernehmen mit den Gesellschaftern sein Mandat als Vorsitzender der Geschäftsführung nieder“, teilte das Unternehmen am Freitag mit.
Bosch hatte bislang erst acht Vorsitzende
Zu Ende geht somit eine ungewöhnlich kurze Amtszeit an der Bosch-Spitze. Das 1886 von Robert Bosch gegründete Unternehmen hatte bislang – inklusive Hartung – erst acht Vorsitzende.
In unserer Bildergalerie blicken wir in die Geschichte zurück. Wer hat den Bosch-Konzern in all den Jahrzehnten geführt? Klicken Sie sich durch.
Robert Bosch gründet 1886 im Stuttgarter Westen die Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik. Indem er auf die noch junge Elektrotechnik setzt, etabliert er sein Unternehmen. Mit der magnetelektrischen Zündung – einem Zündsystem für Kraftfahrzeuge – schafft Bosch den Durchbruch zum weltweit agierenden Unternehmer.
Robert Boschs Horizont endet nicht an der Werkbank. Er pflegt einen alternativen Lebensstil, neigt der Homöopathie zu, trägt gerne Wollkleidung. Das Bild zeigt ihn bei der Jagd in Pfronten im Jahr 1941.
Der Chef schaut genau hin: Robert Bosch legt viel Wert auf Sparsamkeit und darauf, dass nichts verschwendet wird. Ein durchaus nachhaltiger Ansatz. Das Bild zeigt ihn im Werk Feuerbach im Jahr 1941- ein Jahr vor seinem Tod.
Der erste Nachfolger des Gründers: Hans Walz übernimmt 1926 die Führung bei Bosch, als sich Robert Bosch im Alter von 65 Jahren aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Im Krieg bewahrt er jüdische Mitarbeiter vor der Deportation – dafür erhält er vom Staat Israel 1969 die Yad-Vashem-Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“.
Hans L. Merkle wird 1963 Vorsitzender der Geschäftsführung. Er stärkt das internationale Geschäft: 1973 gründet Merkle die erste Bosch-Fertigung in den USA und das erste Gemeinschaftsunternehmen mit einem japanischen Konzern seit dem Zweiten Weltkrieg.
Vom Finanzvorstand der Allianz AG wird Marcus Bierich 1984 an die Spitze von Bosch berufen. Bierich fasst die Aktivitäten in der Telekommunikation in einem eigenen Unternehmensbereich zusammen. Nach Mauerfall und Wiedervereinigung forciert er die Erschließung der Märkte in Osteuropa.
Auch gegen manche Widerstände im Unternehmen setzt Hermann Scholl auf die Elektronik als wichtiges Zukunftsfeld bei Bosch. Scholl steht ab 1993 an der Spitze des Unternehmens – in den zehn Jahren seiner Amtszeit baut er die Asien-Aktivitäten aus, unter anderem in China, Indien und Korea.
Franz Fehrenbach steigt nach einem Traineeprogramm bei Bosch Schritt für Schritt im Unternehmen auf. Von 2003 an prägt er als Vorsitzender der Geschäftsführung den Konzern. Fehrenbach erklärt es zum zentralen Ziel des Unternehmens, technologische Antworten auf ökologische Fragen zu finden. Er setzt unter anderem auf Solartechnik, Wärmepumpen und Elektromobilität.
Der promovierte Physiker Volkmar Denner will wissenschaftliche Forschung konsequent in technische Entwicklungen einfließen lassen. Denner steht ab 2012 an der Spitze des Unternehmens und baut den Bereich der Sensortechnologie aus. Bosch wird immer digitaler, die neuen Schlagworte lauten „Künstliche Intelligenz“ und „Internet der Dinge“.
Seit Anfang 2022 gab Stefan Hartung den Kurs bei Bosch vor. Nach Stationen bei der Fraunhofer-Gesellschaft und der Unternehmensberatung McKinsey & Company ist Hartung seit 2004 im Unternehmen gewesen. Auf Hartung folgt am 1. Juli Christian Fischer.