Bei der Parlamentswahl in Serbien war die Wahlbeteiligung so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr.
Bei der richtungsweisenden Parlamentswahl in Serbien hat es eine Rekord-Wahlbeteiligung gegeben. Die Beteiligung an dem Urnengang am Sonntag sei mit 64,89 Prozent bis 18.00 Uhr die höchste seit mehr als 30 Jahren, teilte die Wahlkommission am Abend kurz vor Schließung der Wahllokale um 20.00 Uhr mit. Dies könnte als Zeichen einer breiten Mobilisierung gegen den zurückgetretenen Staatschef Aleksandar Vucic gewertet werden, der sich mit der Wahl den Posten als Regierungschef sichern will.
Bei den vorgezogenen Neuwahlen fordert die aus den Studentenprotesten hervorgegangene Studentska Lista die Serbische Fortschrittspartei von Vucic heraus, der die Politik des Landes seit vielen Jahren beherrscht. Nach seinem Rücktritt als Staatschef im September will er nun erneut das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen, das er bereits vor seiner Präsidentschaft ausgeübt hatte.
Umfragen: Kopf-an-Kopf-Rennen
Zwar standen am Sonntag insgesamt 18 Wahllisten auf den Stimmzetteln, es wurde indes erwartet, dass sich die meisten Wähler zwischen der Fortschrittspartei und der von der Studentenbewegung unterstützten Liste entscheiden würden. Umfragen sagten ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus.
Die maßgeblich von Studenten getragene Protestbewegung war vor zwei Jahren nach dem tödlichen Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der zweitgrößten serbischen Stadt Novi Sad entstanden. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich zu einer Bewegung gegen die Regierung und die weitverbreitete Korruption im Land. Bei Demonstrationen, die zu den größten in Serbien seit dem Sturz von Machthaber Slobodan Milosevic im Jahr 2000 zählten, hatten sich hunderttausende Menschen in Belgrad versammelt und vorgezogene Neuwahlen gefordert.
Kritiker werfen Vucic vor, die Demokratie in Serbien ausgehöhlt zu haben, Andersdenkende und Medien zu unterdrücken und schuld an der grassierenden Korruption im Land zu sein.