Einheimische und Touristen mussten vor einem heftigen Waldbrand in Kroatien fliehen.
Von Michael Maier
Dichte Rauchschwaden am Horizont, Sirenengeheul und eine Feuerwand, die sich bedrohlich den Küstenorten nähert: Auf der beliebten kroatischen Urlaubsinsel Brač vor der Küste Dalmatiens hat ein großflächiger Waldbrand zu dramatischen Szenen und einer großangelegten Rettungsaktion geführt. Hunderte Einwohner sowie Feriengäste mussten vor den Flammen fliehen, viele von ihnen über das offene Meer. Ausgelöst durch anhaltende Trockenheit und mutmaßlich einen Blitzeinschlag nahe der Ortschaft Ložišće, entwickelte sich das Feuer innerhalb kürzester Zeit zu einem Großbrand. Starke Winde, insbesondere die für die Adria typische Bora, trieben die Flammen rasch durch die ausgetrockneten Kiefernwälder und das dichte Buschland in Richtung Südwesten voran.
Feuerwalze bedroht Küstenorte auf Insel in Kroatien
Besonders brenzlig wurde es in der Gemeinde Milna und den umliegenden Buchten wie Duboka und Lučice. Dort kamen die Flammen Wohngebäuden, Ferienhäusern und Apartmentanlagen gefährlich nahe. Schätzungen zufolge erfasste das Feuer eine Fläche von über 4.000 Hektar, was einem beträchtlichen Teil der gesamten Inselfläche entspricht. Da einige Straßenverbindungen durch dichten Rauch unpassierbar waren und das Feuer Ortschaften einzuschließen drohte, leiteten die kroatischen Behörden Evakuierungen ein. Insgesamt wurden mehrere hundert Personen aus den Gefahrenzonen gerettet.
Dramatische Flucht per Boot
Die Rettung erfolgte zu einem großen Teil über das Wasser. Neben der Küstenwache, der Hafenmeisterei und der Wasserschutzpolizei beteiligten sich zahlreiche private Bootsbesitzer, Ausflugsschiffe und Lotsen daran, Menschen aus bedrohten Buchten über den Seeweg in Sicherheit zu bringen.
Urlauber und Anwohner fanden vorübergehend Aufnahme in Notunterkünften und Turnhallen in sicheren Teilen der Insel. Trotz der massiven Zerstörung der Naturlandschaft gab es keine Todesopfer zu beklagen. Einzelne Personen erlitten leichte Verletzungen durch Rauchgasinhalation oder Stürze während der Evakuierung.
Glutnester nach Waldbrand in Kroatien
Über 200 Feuerwehrleute mit zahlreichen Löschfahrzeugen kämpften ununterbrochen gegen die Flammenfront. Unterstützung erhielten die Einsatzkräfte aus der Luft durch mehrere Canadair Löschflugzeuge, die unablässig Meerwasser über den brennenden Hängen abwarfen.
Einsatzleiter beschrieben die Lage zeitweise als extrem kritisch, da das Feuer von mehreren Seiten heranrückte und unwegsames Gelände die Löscharbeiten erschwerte. Erst als der Wind abflachte, gelang es den Wehren, den Brand weitgehend unter Kontrolle zu bringen. Die Einheiten bleiben dennoch in Alarmbereitschaft, um ein Wiederaufflammen durch verborgene Glutnester zu verhindern.
Waldbrand-Tipps für Kroatien
Der Brand auf Brač reiht sich in eine Serie schwerer Vegetationsfeuer ein, die den Mittelmeerraum im Sommer regelmäßig heimsuchen. Monatelange Trockenheit, hohe Temperaturen und verdorrtes Unterholz verwandeln die Vegetation in leicht entzündliches Material. Treffen diese Bedingungen auf starke Fallwinde, genügt ein einzelner Funke für eine Katastrophe.