Wandern mit Aussicht: Beim BKZ-Wandertag geht es durch Wald und Tal. Fotos: Alexander Becher
Sulzbach an der Murr. „Bei uns geht es immer auf und ab“, sagt Bürgermeisterin Veronika Holz beim BKZ-Wandertag in Sulzbach an der Murr. Wie recht sie damit hat, erfahren die Leserinnen und Leser unserer Zeitung am Freitagnachmittag. Rund sechs Kilometer führt die Strecke durch den Ort, das Seitenbachtal und den Wald. Unterwegs geht es vorbei an geplanten Projekten wie dem Hochwasserrückhaltebecken und bereits umgesetzten Vorhaben wie dem neuen Waldkindergarten.
Ursprünglich sollte der letzte BKZ-Wandertag in diesem Jahr gar nicht in Sulzbach stattfinden, doch weil beim eigentlich geplanten Sulzbacher Termin Gewitter angekündigt war, wurde dieser damals verschoben. Einige Wanderfreunde hatten die Absage allerdings nicht mitbekommen und waren trotzdem zum Treffpunkt gekommen. Schlimm fanden sie das nicht. Manche gingen sogar spontan gemeinsam ins Café – und das, obwohl sie sich vorher gar nicht kannten.
Beim Nachholtermin am Freitagnachmittag sind sich alle einig: „Nun haben wir umso besseres Wetter“, sagt Bürgermeisterin Veronika Holz. Bei angenehmen 23 Grad Celsius und immer wieder durch die Wolkendecke blinzelnden Sonnenstrahlen lässt es sich angenehm laufen. Kein Wunder also, dass rund 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Startpunkt am Bahnhof Sulzbach gekommen sind. Bis zum ersten Stopp dauert es nicht lange. Nach wenigen hundert Metern hält die Bürgermeisterin am alten Bauhofgelände an. Anfang des Jahres hat die Gemeinde den neuen Bauhof bezogen. „Wir haben nun eine große Fläche, die wir neu nutzen können“, sagt die Bürgermeisterin. Langfristig soll hier Wohnbebauung entstehen. „Das ist ein Schwachpunkt in unserer Gemeinde, uns fehlt Wohnraum.“ Die Gemeinde sei auf der Suche nach Investoren, die hier mitten im Ort und mit guter Bahnanbindung Wohnungen für verschiedene Bedürfnisse schaffen. Nach einem kurzen Halt am denkmalgeschützten Rathaus, das bald saniert und barrierefrei ausgebaut werden soll, geht es langsam raus aus dem Ortskern.
Erinnerungen an Schule und Freibad kommen bei einigen hoch
Als es an der alten Schule vorbeigeht, wird so mancher etwas nostalgisch. „Fast ein Heimspiel. Hier war ich früher auf der Schule“, sagt Sylvie Bollinger, die in Spiegelberg aufgewachsen ist, in Sulzbach aber die weiterführende Schule besucht hat. Rund 50 Jahre ist das schon her, trotzdem kommen Erinnerungen hoch, während es an der Schule vorbei raus aus dem Dorf geht. Denn nicht zu jeder Tageszeit konnten die Schülerinnen und Schüler aus Spiegelberg damals mit dem Bus fahren – immer wieder mussten sie zu Fuß gehen.
Auch bei Volker Michel kommen Erinnerungen hoch, als es durch das Seitenbachtal geht. Hier war früher nämlich das Freibad. „Und das war noch richtig frisch“, erinnert sich der Backnanger an die eisigen Wassertemperaturen. Als Kind war er zusammen mit seinen Geschwistern mit dem Rad nach Sulzbach zum Baden gekommen. „Das wurde damals leider geschlossen, es war einfach zu teuer“, sagt die Bürgermeisterin. Angesichts der angespannten Gemeindekasse hätte man sich die Instandhaltung aber auch heute nicht mehr leisten können. Eine große Investition, die die Gemeinde aber angehen muss, ist das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Fischbach. „Der Fischbach führt bei Hochwasser am meisten Wasser hier“, sagt die Bürgermeisterin. Im kommenden Jahr muss sich die Gemeinde endgültig für einen HRB-Standort entscheiden. Während die Gruppe im idyllischen Seitenbachtal unterwegs ist, spricht Veronika Holz ein weiteres Thema an, das Bürger und Rathaus seit Jahren beschäftigt: den Motorradlärm, der vor allem am Wochenende auf der B 14 in Richtung Großerlach entsteht. „Der Lärm breitet sich extrem im Wohngebiet aus. Weil es eine Bundesstraße ist, haben wir aber nur wenige Möglichkeiten“, sagt die Bürgermeisterin. Versucht habe man einiges: Blitzeranhänger, regelmäßige Polizeikontrollen, Hinweisschilder, besondere Fahrbahnmarkierungen und mehr. „Aber das hilft nur punktuell.“ Die Gemeinde wünscht sich nun eine Streckenmessung zur Geschwindigkeitsüberwachung, damit werde die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine ganze Strecke erfasst, kurz Abbremsen und Beschleunigen für Blitzer funktioniert dann nicht mehr.
Im Seitenbachtal werden die Pfade langsam kleiner, die Bäume dichter und die Steigung steiler – die teils mitgebrachten Wanderstöcke kommen nun zum Einsatz. „Bei uns geht es immer auf und ab“, erklärt die Bürgermeisterin lachend den Ortsfremden. Die Steigung hat aber auch Vorteile, wie sich Sulzbacherin Margitta Wildermuth erinnert. „Da vorne war unser Schlittenberg“, sagt sie und zeigt auf eine Wiese am Rand des Waldes. Sie ist zum ersten Mal beim BKZ-Wandertag dabei, viele Wege in der Region kennt sie bereits. Neu sind dafür aber die Ausführungen der Bürgermeisterin, die sich noch Verstärkung geholt hat. Denn weil Sulzbach mit 700 Hektar im Rems-Murr-Kreis den zweitgrößten Waldbestand hat, berichtet Revierförster Axel Kalmbach, was im Wald aktuell ansteht. „Der Klimawandel ist angekommen, es wird lichter im Wald. Seit Jahren verfolgen wir das aufmerksam.“ Die Förster versuchen es nun mit hier ungewöhnlichen, aber hitzebeständigeren Baumarten. „Wir brauchen den Wald nicht nur für Rohstoff, sondern auch für Wasser, das Klima und den Naturschutz“, betont der Förster.
Von historischen Orten zu schönen Aussichtspunkten
Mit dem Wissen geht es weiter durch den Wald, vorbei an den historischen Gruhsteinen, auf denen einst wohl die Verstorbenen aus den Bergteilorten in ihren Särgen abgestellt wurden. Die Wanderer schlängeln sich einen weiteren steilen Pfad hinauf, oben gibt es eine kleine Verpflegungspause. Bei der Helenenruhe warten schon Getränke und ein toller Ausblick auf Sulzbach für die Wanderer. Rainer Kemmler aus Unterweissach war in diesem Jahr bei einigen BKZ-Wandertagen dabei. Auch wenn er manche Wege vorher schon kannte, seien die Ausflüge immer interessant gewesen: „Ich finde es spannend, weil man mit den Bürgermeistern die Gemeinden neu kennenlernen kann.“ So manchen neuen Weg haben aber auch erfahrene und in der Region kundige Wanderer nun neu entdeckt, so zum Beispiel Sigrid Schober vom Schwäbischen Albverein Ortsgruppe Murrhardt. „Den Pfad hier hoch kannte ich nicht. Den könnten wir auch mit unserer Sonntagsgruppe mal laufen“, sagt sie. Das planen auch andere – und nehmen Flyer für den Premiumwanderweg mit, bevor es am neuen Waldkindergarten vorbei zurück nach Sulzbach geht.