US-Midterms 2026

Warmlaufen fürs Präsidentenamt? Diese Demokraten könnten Favoriten werden

Noch regiert Donald Trump – doch Washington schielt schon auf die Wahl 2028. Diese Anwärter könnten sich für die Demokraten nach den Midterms an die Spitze setzen.

Warmlaufen fürs Präsidentenamt? Diese Demokraten könnten Favoriten werden

James Talarico, Alexandria Ocasio-Cortez, Abdul El-Sayed (v.l.) – nur drei Namen, die auf das demokratische Kandidatenkarussell aufspringen könnten.

Von Christian Gottschalk

Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel, lautet eine alte Fußballerweisheit. Die gilt, minimal abgewandelt, auch für die Politik. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die Midterms in den USA sind am 3. November, und natürlich geht es für Dutzende Senatoren und Hunderte von Kongressabgeordneten erst einmal darum, die gesteckten Ziele zu erreichen. Hinter den Kulissen wird aber schon viel weiter nach vorne geschaut. 2028 sind Präsidentschaftswahlen. Die Frage aller Fragen lautet: Wer tritt an? Und kann sich jemand durch einen Triumph bei den Midterms bereits in Stellung bringen?

Manch einer möchte die Verfassung ändern

Bei den Republikanern darf Donald Trump nicht mehr, das sagt zumindest die Verfassung. Viele Trump-Anhänger sehen das anders. Auch eine Verfassung könne geändert werden, argumentieren die. Einen echten Kronprinzen hat Trump auch noch nicht gekürt, und auch wenn JD Vance für viele eine Art geborener Nachfolger ist, hält sich der Vizepräsident zurück. Sollte Trump den Eindruck gewinnen, dass ihn da jemand vom Thron stoßen will, dann könnte es ungemütlich werden. Außenminister Marco Rubio hält aus dem gleichen Grund eher die Füße still.

Bei den Demokraten ist die Lage freilich noch um einiges unübersichtlicher. In US-Medien wird nahezu jeden Tag ein anderer Name mit dem Hinweis publiziert, dass dies der Präsidentschaftskandidat sein könnte. Doch gerade diese Vielzahl an Namen zeigt, wo das Problem ist. Es gibt niemanden, dem die Rolle auf den Leib geschneidert ist. Mag sein, dass bei den Zwischenwahlen ein Stern aufgeht am demokratischen Kandidatenhimmel. Sicher ist das nicht.

Das Problem: Die Partei ist nicht einmal einig, mit welchem Kurs wer auch immer bei den Präsidentschaftswahlen antreten soll. Die einen setzen auf eine moderat konservative Ausrichtung, so wie es James Talarico in Texas versucht. Andere, wie Abdul El-Sayed in Michigan, glauben an links-progressive Themen. Die Midterms sind für die Partei daher nicht nur wichtig, um im Repräsentantenhaus und vielleicht sogar im Senat eine Mehrheit zu ergattern. Sie sind auch eine Art Testlauf, um zu sehen, welche Strategie und welche Gesichter besser verfangen. Diese Kandidatinnen und Kandidaten stehen dabei im Fokus:

James Talarico (Texas): jünger als Kennedy bei seiner Wahl

Sollte eben jener James Talarico (37) in Texas die Oberhand gewinnen, in einem der republikanischsten Bundesstaaten überhaupt, wäre er dann nicht auch geeignet für die ganz große Nummer in Washington? Es gibt Unterstützer, die mit diesem Gedanken liebäugeln. Aber noch hat Talarico den Senatssitz in Texas nicht gewonnen, und mit nicht einmal 40 Jahren wäre er bei den Präsidentschaftswahlen noch jünger als einst John F. Kennedy, der jüngste jemals in den USA gewählte Präsident. Das mag nach den Senioren Biden und Trump eine Abwechslung sein, ein Handicap ist es aber auch. Und seine explizit christliche Moral-Botschaft ist nicht für jeden im progressiven Lager der Demokraten so attraktiv.

Abdul El-Sayed (Michigan): der Shootingstar der Linken

Dann ist da Abdul El-Sayed (42), der in Michigan für den Senat kandidiert. Er ist einer der führenden Köpfe im linken Lager, neben dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani und der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez. El-Sayeds Familie kommt aus Ägypten, er selbst ist in Michigan geboren. Die Geburt in den USA ist neben dem Mindestalter von 35 Jahren eine der wenigen Mindestvoraussetzungen, die ein Präsidentschaftskandidat formal erfüllen muss.

El-Sayed wirbt für ein Ende der US-Hilfen für Israel, eine Krankenversicherung für alle Bürger und die Abschaffung der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE. Unterstützt wird er von dem bekannten Linken-Veteranen Bernie Sanders. Das ist Chance und Bürde zugleich. Für die einen ist der inzwischen auch schon 85 Jahre alte Sanders so eine Art Messias. Für die anderen ein Kommunist, auf jeden Fall aber ein rotes Tuch. Würde er gewählt, wäre er der erste muslimische Senator der US‑Geschichte. Ob das ein Vor- oder ein Nachteil für höhere Ambitionen ist, steht auf einem anderen Blatt.

Josh Shapiro (Pennsylvania): Er steht immer auf der Liste

Die Liste möglicher Kandidaten ist damit noch nicht zu Ende. Der ehemalige Verkehrsminister Pete Buttigieg wollte schon vor vier Jahren einmal Präsident werden, er könnte es sich auch noch einmal vorstellen. Und dann ist da natürlich Josh Shapiro (53). Der Gouverneur von Pennsylvania hat immer wieder mal angedeutet, dass er sich das vorstellen könnte. Shapiro möchte in Pennsylvania erneut zum Gouverneur gewählt werden. Mit seiner Politik spricht er auch moderate Republikaner und unabhängige Wähler an. Pennsylvania gilt als zentraler Bundesstaat bei Wahlen und Shapiro ist einer der erfolgreichsten demokratischen Politiker.

Jon Ossoff (Georgia): der Liebling des Internets

Jon Ossoff ist mit 39 Jahren Amerikas derzeit der jüngste amtierende Senator. Er hat sich über Georgia hinaus einen Namen als Korruptionsgegner gemacht, vor allem, weil er kräftig gegen Präsident Trump austeilt. Er spricht von einer Mar-el-Lago-Mafia und bezeichnet Trump als „Gauner“. Ossof tritt in einem umkämpften Bundesstaat zur Wiederwahl an, mit Blick auf die Präsidentschaftswahl kann er dabei zeigen, was er drauf hat. Ossoff hat rhetorisches Geschick, ein Gespür für Themen und ist ein Liebling im Internet. Das könnte ihm helfen – wenn er denn zunächst einmal seinen Senatssitz verteidigt.

J.B. Pritzker (Illinois): der Milliardär und Hotel-Erbe

Der Gouverneur von Illinois will sich nach eigenen Angaben auf seine Wiederwahl konzentrieren, schließt aber eine spätere  Präsidentschaftskandidatur nicht aus. Landesweit fiel der 61-Jährige zuletzt mit deutlicher Kritik an Trumps hartem Kurs gegen Einwanderer auf. Pritzker ist Erbe des Hyatt-Hotelimperiums. Als Milliardär ist er weniger abhängig von Wahlspenden. Der Reichtum könnte aber auch gegen ihn verwendet werden. Wirtschaftliche Sorgen des Durchschnittsamerikaners sind ihm eher fremd.

Alexandria Ocasio-Cortez (New York): die Social-Media-Ikone

Die Kongressabgeordnete ist erst 37 Jahre alt, aber mit die bekannteste Vertreterin des linken Flügels der Demokraten. Mit einer Bewerbung für die Präsidentschaftswahlen 2028 liebäugelt die  New Yorkerin mit Wurzeln in Puerto Rico schon länger. Als sie vor acht Jahren in den Kongress einzog, war sie die jüngste Abgeordnete in Washington. Bei den Zwischenwahlen sollte sie ihr Mandat problemlos verteidigen. „AOC“, wie sie sich kurz nennt, wurde mit einer Graswurzelkampagne bekannt und ist Social-Media-Star, ihr folgen Millionen von Menschen. Präsident Donald Trump erklärt immer wieder, mit ihr stünde  der Kommunismus vor der Tür.

Harris wäre die erste Präsidentin

Neben den Akteuren, die jetzt bei den Zwischenwahlen erst einmal zeigen müssen, was sie so drauf haben, gibt es bei den Demokraten natürlich zwei Namen, die immer wieder auftauchen, wenn es um die nächste Präsidentschaftswahl geht. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom wird immer wieder als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt und steht der Idee auch nicht abgeneigt gegenüber. Der 58-Jährige hat aber klar angekündigt, nicht antreten zu wollen, wenn Kamala Harris die Hand hebt. Die ehemalige Vizepräsidentin unter Joe Biden ist ihrerseits noch am Überlegen und Abwägen.

Beide haben ihre Fans. Kamala Harris wäre die erste Präsidentin, dafür sei es nun an der Zeit, sagen viele. Andere hegen Zweifel und sagen, dass Harris die letzte Präsidentenwahl gegen Trump nicht deswegen verloren habe, weil sie ganz kurzfristig für Joe Biden eingesprungen sei, sondern weil sie es einfach nicht könne.

Gavin Newsom ist über die Grenzen hinaus bekannt

Ein ähnliches Bild gibt es auch bei Gavin Newsom. Der Gouverneur hat sich als klarer Trump-Gegner positioniert, wird bei den Midterms aber seinen bisherigen Job verlieren. Nach zwei Amtszeiten darf er nicht mehr kandidieren. Newsom gehört zu den bekanntesten Gesichtern seiner Partei, seine Popularität reicht weit über die Grenzen Kaliforniens hinaus. Nach dem Ende seiner Gouverneurs-Zeit wird er sich schnell entscheiden müssen. Mit dem Amt fehlt auch eine Plattform, um sich und seine Themen  zu positionieren.

Warmlaufen fürs Präsidentenamt? Diese Demokraten könnten Favoriten werden

Gemeinsam auf der Wahlkampf-Bühne, aber vielleicht auch Konkurrenten um die Trump-Nachfolge: Georgias Senator Jon Ossoff und Ex-Vizepräsidentin Kamala Harris bei einem Auftritt in Georgia.

Warmlaufen fürs Präsidentenamt? Diese Demokraten könnten Favoriten werden

Sie steht für den linken Flügel der Demokratischen Partei: Alexandria Ocasio-Cortez.