Nachdem die Autofahrer am Samstag den Fernpass großräumig umfahren hatten, steht der nächste Protesttag zum Beginn der Sommerferien am 1. August an.
Fernpass-Bundesstraße (B179) bei Bichlbach.
Von Michael U. Maier
Wer am Samstag, dem 27. Juni 2026, die Reise über den Tiroler Fernpass (B179) antreten wollte, hatte vermutlich schon im Vorfeld Schweißausbrüche. Eine zweistündige Vollsperrung mitten in der Hauptreisezeit – pünktlich zum Ferienstart in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
Es klang nach dem perfekten Rezept für ein gigantisches Verkehrschaos. Doch die Bilanz zeigt: Die Blockade lief glimpflich ab. In Pfronten sei es so ruhig wie sonst nie an einem Samstag gewesen, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Wagner (CSU). Seine Gemeinde hat sonst häufig unter Schleichwegverkehr zu leiden, wenn es sich auf der A7 vor dem Grenztunnel Füssen staut – obwohl dann eigentlich ein Abfahrtsverbot von der Autobahn gilt.
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Kaum Staus trotz Fernpass-Blockade am 27. Juni
Zwischen 10 und 12 Uhr ging auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung zwischen Reutte und Nassereith gar nichts mehr. Die Behörden hatten sogar lokale Ausweichrouten wie das Hahntennjoch vorsorglich gesperrt, um die Anwohner vor Schleichweg-Verkehr zu schützen. Nur Autos, deren Ziel nachweisbar im Bezirk Außerfern lag, wurden auf Nebenstrecken teilweise durchgelassen.
Trotzdem vermeldeten die Verkehrsexperten des ÖAMTC schon am Vormittag: Kein Stau-Drama in Sicht. Der Urlaubsverkehr hatte sich erstaunlich gut verteilt. Ähnlich wie schon bei der Brenner-Blockade im Mai zeigten die frühzeitigen Warnungen Wirkung. Viele Autofahrer planten ihre Routen großräumig um (etwa über den Arlberg sowie München/Kufstein) oder verschoben ihre Abfahrtszeiten. Lediglich auf der B177 (Zirler Berg) kam es zeitweise zu Verzögerungen von rund 30 Minuten.
Der ADAC hatte zuvor generell von Fahrten nach Tirol abgeraten, Österreich sogar mit einer Grenzschließung oder Blockabfertigung im Tunnel zwischen Füssen (A7) und Reutte (Fernpass-Bundesstraße B179) gedroht.
Warum wurde am Fernpass demonstriert?
Rund 700 Teilnehmer versammelten sich bei den von Bürgerinitiativen organisierten Protesten. Die Botschaft der Einheimischen ist klar: Sie wehren sich gegen die massive Verkehrsbelastung auf der mautfreien Transitstrecke – immerhin rollen hier im Schnitt täglich über 16.000 Fahrzeuge durch das Nadelöhr.
Konkret richtet sich der Unmut diesmal gegen das geplante „Fernpasspaket“ der Tiroler Landesregierung. Die Pläne beinhalten:
Die Bürgerinitiativen befürchten, dass neue Tunnel und Maut noch mehr Verkehr anziehen, statt die Täler zu entlasten. Zudem wird kritisiert, dass eine Gebühr die einheimische Bevölkerung finanziell belasten würde. Die Kernforderung lautet daher: Güter- und Transitverkehr gehören dauerhaft auf die Schiene, nicht auf die Bergstraßen.
Fernpass-Sperrung am 1. August – Ferienbeginn in Baden-Württemberg
Auch wenn das Wochenende ruhig blieb, weisen Behörden darauf hin, dass sich der Verkehr in den Folgetagen durch verschobene Fahrten noch nachträglich verdichten könnte. Zudem steht bereits der nächste Termin im Raum: Für den 1. August 2026 hat die Initiative eine weitere Blockade angekündigt.
Ob diese von den Behörden genehmigt wird, soll nun anhand der Erfahrungen des ersten, erstaunlich disziplinierten Protests entschieden werden. Die Organisatoren nehmen gezielt den ersten Samstag der Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg ins Visier, um maximalen Schaden anzurichten.
Tannheimer Tal statt Grenztunnel Füssen?
Für den familiären Sommertourismus bei Reutte oder im Lechtal könnte es allerdings ein Schuss ins Knie sein, denn zum „Bettenwechsel“ am Samstag, 1. August, wird die Anreise womöglich schwierig. Regionale Ausweichrouten führen zum Beispiel über das Tannheimer Tal oder über die A96 (Lindau) und B308 zum Hochtannbergpass bei Warth (Vorarlberg) statt über die A7 und den Grenztunnel Füssen/Reutte beziehungsweise über verbotene Schleichwege bei Pfronten.
Bleibt es wieder so ruhig wie am 27. Juni, ist aber auch eine direkte Fahrt möglich, obwohl an der Grenze an Hauptreisetagen Blockabfertigung eher die Regel als der Ausnahmefall ist.