Ärger um Plakatmotiv

Warum die AfD mit der Burg Hohenzollern wirbt

Standardmäßig prangt die Burg Hohenzollern auf den Flyern der AfD-Kandidaten zur Landtagswahl. Der Burgherr ist nicht glücklich darüber.

Warum die AfD mit der Burg Hohenzollern wirbt

Beim Königlichen Winterzauber leuchtet die Burg Hohenzollern rot, aber trotzdem ganz unpolitisch.

Von Eberhard Wein

In der TV-Kinderserie „Die lausige Hexe“ kam die Burg Hohenzollern schon als Kulisse zu Ehren, jetzt muss sie als Plakatmotiv im baden-württembergischen Landtagswahlkampf herhalten. Die AfD hat das Wahrzeichen vieltausendfach auf die Flyer ihrer Wahlkreiskandidaten gedruckt und zwar nicht nur im Zollernalbkreis, wo die Stammburg der Preußenkönige beim Örtchen Bisingen auf einem 855 Meter hohen Zeugenberg thront, sondern zum Beispiel auch in Bietigheim-Bissingen. Dort nennt der örtliche Kandidat direkt unter dem Symbolbild seine Ziele: neben der Beschränkung der Zuwanderung („Festung Europa?“) geht es ihm um „menschenwürdiges Wohnen“. Da passt eine Burg prima als Bebilderung.

Der landesweite Einsatz des Preußenstammsitzes hat im AfD-Wahlkampf Tradition. Schon 2016 verschönerte sie die Plakate der Rechtsaußenpartei. Dem Burgherrn gefiel das gar nicht. Georg Friedrich Prinz von Preußen, der mit seiner Familie zeitweise auf der Burg lebt, zog sogar vor Gericht. Schon aus kommerziellen Gründen hatte er das Panorama schützen lassen. Doch die Klage blieb ohne Erfolg. Das Eigentumsrecht sei nicht tangiert, da das umstrittene Bild von einem öffentlichen Platz aus aufgenommen worden sei, urteilte das Stuttgarter Landgericht. Zudem versuche die Wahlwerbung nicht den Eindruck zu erwecken, dass das Haus Hohenzollern hinter den Zielen der AfD stehe, erklärten die Richter.

Trotzdem lenkte die AfD damals ein. Man wolle das Burgmotiv nicht mehr verwenden. „Wir haben kein Interesse am Streit“, erklärte der AfD-Sprecher Lothar Maier. Doch der ist längst nicht mehr aktiv. Seine Nachfolger fühlen sich nicht mehr gebunden, schließlich passen preußische Tugenden ins Konzept. Die Burg sei ein Symbol für das Land, das ja nicht nur aus Baden und Württemberg, sondern auch aus dem Land Hohenzollern hervorgegangen sei, rechtfertigt der Co-Landes-Chef Emil Sänze das Comeback des alten Gemäuers, das Heimatverbundenheit symbolisieren soll. Dass man sich damit auch an „Reichsbürger“ anbiedere, die immer noch dem Kaiserreich anhängen, weist Sänze zurück. „Mit denen haben wir nichts am Hut.“