Edelmetalle

Warum fällt der Goldpreis? - Der aktuelle Hintergrund

Der Goldpreis ist am Dienstag deutlich gefallen. Was hinter dem Rückgang steckt und was Anleger nun beobachten.

Warum fällt der Goldpreis? - Der aktuelle Hintergrund

Das Edelmetall rutscht am Dienstag auf rund 4.100 US-Dollar ab und steht damit deutlich unter Beobachtung der Anleger.

Von Matthias Kemter

Der Goldpreis ist am Dienstag deutlich unter Druck geraten. Am Morgen kostete eine Feinunze Gold zeitweise 4.090 US-Dollar im Tief. Damit lag der Preis erneut auf Jahrestief-Niveau. Auslöser sind vor allem ein stärkerer US-Dollar, veränderte Zinserwartungen in den USA und eine vorsichtigere Einschätzung großer Marktteilnehmer.

Starker Dollar belastet den Goldpreis

Ein wichtiger Belastungsfaktor ist der feste Dollar. Der US-Dollar-Index bewegte sich zuletzt in der Nähe eines Mehrmonatshochs. Für Käufer außerhalb der USA wird Gold dadurch teurer, weil das Edelmetall international in Dollar gehandelt wird. Das kann die Nachfrage dämpfen.

Zinserwartungen in den USA setzen Gold unter Druck

Hinzu kommen die Erwartungen an die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Zwar ließ die Fed die Leitzinsen zuletzt unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Aussagen der Notenbank wurden von Marktteilnehmern jedoch als deutlich restriktiver gewertet. Anleger rechnen inzwischen zunehmend damit, dass es bis Jahresende mindestens eine Zinserhöhung geben könnte. An den Futures-Märkten wird eine Zinserhöhung im Dezember mittlerweile mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent eingepreist.

Warum höhere Zinsen für Gold ein Problem sind

Für Gold ist das ein Problem, weil das Edelmetall keine Zinsen abwirft. Steigen die Zinsen oder bleiben sie länger hoch, werden verzinsliche Anlagen wie Staatsanleihen oder Geldmarktprodukte im Vergleich attraktiver. Die sogenannten Opportunitätskosten einer Goldanlage steigen also. Wer Gold hält, verzichtet auf mögliche Zinserträge anderer Anlagen.

Anleger warten auf neue US-Inflationsdaten

Auch die anstehenden US-Inflationsdaten spielen eine Rolle. Anleger warten auf neue Daten zu den persönlichen Konsumausgaben, den sogenannten PCE-Daten. Dieser Preisindex gilt als bevorzugtes Inflationsmaß der Fed. Sollten die Daten auf eine hartnäckig hohe Inflation hindeuten, könnte das die Erwartung weiterer Zinserhöhungen stützen und den Goldpreis zusätzlich belasten.

Goldman Sachs senkt Goldpreisprognose

Gleichzeitig verändert sich die Einschätzung großer Banken. Analysten von Goldman Sachs haben ihre Goldpreisprognose für das Jahresende gesenkt. Statt eines Anstiegs auf 5400 Dollar rechnen sie nun mit 4900 Dollar je Feinunze. Das liegt zwar weiterhin deutlich über dem aktuellen Niveau, zeigt aber, dass die Erwartungen vorsichtiger geworden sind. Als Grund gelten vor allem die veränderten Annahmen zur US-Geldpolitik und mögliche geringere Zuflüsse in goldgedeckte ETFs.

Zentralbanken bleiben ein stützender Faktor

Trotz des aktuellen Rückgangs ist das Bild nicht ausschließlich negativ. Goldman Sachs sieht die Entwicklung des Goldkurses grundsätzlich positiv. Die Analysten verweisen auf eine weiterhin starke Nachfrage der Zentralbanken. Sie rechnen für das laufende Jahr mit durchschnittlichen Goldkäufen von rund 50 Tonnen pro Monat und für das kommende Jahr mit etwa 40 Tonnen pro Monat.

Kurzfristig überwiegen die Belastungsfaktoren

Kurzfristig überwiegen jedoch die Belastungsfaktoren: ein starker Dollar, die Aussicht auf höhere oder länger hohe US-Zinsen, Unsicherheit vor den PCE-Inflationsdaten und eine mögliche geopolitische Entspannung.