Am Goldmarkt hat sich die Stimmung abrupt eingetrübt. Warum die Nervosität wächst und weshalb die kommenden Tage besonders heikel werden, zeigt sich erst auf den zweiten Blick.
Ein starker US-Arbeitsmarkt, höhere Renditen, ein fester Dollar und neue Inflationssorgen sorgen für Spannung. Welche Faktoren jetzt wirklich zählen und warum die nächsten US-Preisdaten entscheidend werden.
Von Matthias Kemter
Der Goldpreis ist zum Wochenstart weiter gefallen und knüpft damit an den scharfen Rücksetzer vom Freitag an. Auslöser ist vor allem eine neue Kombination aus Zinsängsten, steigenden Anleiherenditen und einem festeren US-Dollar. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit vor wichtigen Konjunktur- und Inflationsdaten aus den USA, die für den weiteren Kursverlauf entscheidend werden könnten.
Starker US-Arbeitsmarkt verändert die Lage
Der unmittelbare Auslöser für den jüngsten Rückgang liegt im überraschend robusten US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Vor allem die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft fiel stark aus. Auch die Entwicklung der Stundenlöhne sorgte nicht für Entlastung. An den Märkten wuchs deshalb die Sorge, dass die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs länger straff halten oder sogar erneut anziehen könnte. Laut dem Fed-Watsch-Tool der CME-Group sind steigende Zinsen ab Oktober mittlerweile sogar wahrscheinlicher als gleichbleibende Zinsen. Für Gold ist das ein Problem. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab und verliert an Attraktivität, wenn die Aussicht auf höhere Zinsen steigt. Genau diese Neubewertung war nach den Arbeitsmarktdaten an den Märkten deutlich zu beobachten.
Steigende Renditen und ein stärkerer Dollar drücken auf Gold
Besonders belastend wirkte der Anstieg der Renditen am US-Anleihemarkt. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe zog weiter an und überschritt die Marke von 4,5 Prozent. Damit steigen die Opportunitätskosten für Gold, weil Anleger mit zinstragenden Anlagen wieder mehr verdienen können. Hinzu kommt der stärkere US-Dollar. Wenn der Dollar aufwertet, wird Gold für viele Käufer außerhalb des Dollarraums teurer. Das schwächt in der Regel die Nachfrage und erhöht den Druck auf den Preis. Genau diese Kombination aus höheren Renditen und einem festeren Greenback erwies sich zuletzt als schwerer Gegenwind für den Goldmarkt.
Auch die ETF-Nachfrage sendet Warnsignale
Ein weiterer Belastungsfaktor kommt aus dem ETF-Markt. Während der vorherigen Goldrallye stützten Käufe physisch besicherter Gold-ETFs den Preisanstieg. Nun mehren sich jedoch die Abflüsse. Vor allem beim weltweit größten physisch hinterlegten Gold-ETF wurden in den vergangenen Wochen sinkende Bestände verzeichnet, zuletzt sogar mit mehr Tempo. Das ist deshalb wichtig, weil ETF-Zuflüsse oft als Stimmungsbarometer für den Goldmarkt gelten. Wenn Investoren hier vorsichtiger werden oder Gewinne mitnehmen, kann das die laufende Korrektur zusätzlich verstärken. Eine Rolle spielt dabei allerdings auch, dass aktuell enorme Summen in KI-Investitionen oder historische Börsengänge, wie der von SpaceX fließen. Werte wie Edelmetalle und Kryptowährungen sind in solchen Zeiten eine beliebte Liquidationsquelle.
Inflationssorgen helfen Gold diesmal nicht
Eigentlich gelten steigende Inflationsrisiken oft als Argument für Gold. Aktuell überlagert jedoch ein anderer Mechanismus diesen Effekt. Die erneuten Kampfhandlungen im Nahen Osten haben die Ölpreise kräftig steigen lassen und damit neue Inflationssorgen geschürt. Gleichzeitig erhöht genau das aber auch die Spekulation auf eine straffere Geldpolitik in den USA. Damit wirkt der Ölpreisanstieg im Moment nicht als Stütze für Gold, sondern verstärkt eher die Sorge vor länger hohen Zinsen. Solange dieser Zusammenhang die Marktstimmung bestimmt, bleibt die Reaktion des Goldpreises anfällig.
Warum jetzt vor allem der Mittwoch wichtig wird
Besonders angespannt blicken die Märkte nun auf die anstehenden US-Inflationsdaten. Am Mittwoch werden die Verbraucherpreise für Mai veröffentlicht, am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise. Diese Zahlen dürften darüber entscheiden, ob sich die Zinssorgen weiter verschärfen oder ob der Markt etwas Entlastung bekommt. Deshalb fürchten Anleger die nächsten Tage besonders. Sollten die Preisdaten hoch ausfallen, könnte das den Druck auf Gold nochmals erhöhen. Fallen sie milder aus, wäre zumindest eine kurzfristige Stabilisierung denkbar. Im Moment überwiegt jedoch klar die Vorsicht.