Hitzerekord

Warum ist es so heiß in Deutschland?

Warum ist es so heiß in Deutschland?

Warum Deutschland gerade unter extremer Hitze leidet, welche Wetterlage dahintersteckt und weshalb die Belastung in den kommenden Tagen noch deutlich zunehmen könnte.

Von Matthias Kemter

Deutschland erlebt derzeit eine außergewöhnliche Hitzewelle. In vielen Regionen steigen die Temperaturen auf weit über 30 Grad, am Wochenende könnten örtlich 40 Grad und mehr erreicht werden. Der wichtigste Grund dafür ist eine stabile Hochdrucklage über West- und Mitteleuropa. Häufig wird sie als Heat Dome oder Hitzeglocke bezeichnet. Dabei liegt ein Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten fest. Die heiße Luft kann kaum entweichen, zugleich wird warme Luft aus höheren Schichten nach unten gedrückt. Dadurch staut sich die Hitze Tag für Tag weiter auf.

Omega-Lage hält die Hitze fest

Meteorologen sprechen dabei auch von einer Omega-Lage. Der Begriff beschreibt die Form der Luftströmung in der Höhe, die an den griechischen Buchstaben Omega erinnert. Ein zwischen zwei Tiefs festsitzendes Hochdruckgebiet bewegt sich dabei nur langsam weiter. Solche Wetterlagen können über mehrere Tage anhalten. Sie sorgen dafür, dass sich Hitze und Trockenheit in einer Region verstärken. Erst wenn sich die Strömung verändert, kann kühlere Luft vom Atlantik nach Deutschland gelangen.

Welche Rolle der Jetstream spielt

Eine wichtige Rolle spielt der Jetstream. Dieses Starkwindband in etwa acht bis zwölf Kilometern Höhe steuert das Wetter in Europa mit. Ist der Jetstream schwach oder stark gewellt, bleiben Hochs und Tiefs länger an Ort und Stelle. Genau das begünstigt derzeit ebenfalls die Hitzeglocke über Europa. Die Folge: Die heiße Luft bleibt über Deutschland und Teilen Europas liegen, statt rasch weitergezogen zu werden.

Klimawandel verschärft die Hitze

Solche Wetterlagen gab es auch früher. Neu ist aber, dass sie heute auf ein wärmeres Klima treffen. Fachleute gehen davon aus, dass der menschengemachte Klimawandel die aktuelle Hitzewelle verschärft. Der Klimaforscher Davide Faranda vom Projekt Climameter sagte laut dpa, das Wettermuster selbst sei nicht außergewöhnlich. Außergewöhnlich sei, dass der Klimawandel den Temperaturen in Teilen Westeuropas bis zu vier Grad hinzugefügt habe.

Rekorde sind möglich

Der bisherige deutsche Hitzerekord liegt bei 41,2 Grad. Gemessen wurde er am 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst. Der Juni-Rekord liegt bei 39,6 Grad und stammt vom 30. Juni 2019 aus Bernburg. Nach den aktuellen Prognosen könnte zunächst der Juni-Rekord fallen. Auch Werte von mehr als 40 Grad gelten in Teilen Deutschlands als möglich. Einzelne Modellrechnungen zeigen sogar noch höhere Temperaturen.

Warum die Hitze besonders belastend ist

Gefährlich ist nicht nur die Hitze am Tag. In vielen Regionen kühlt es auch nachts kaum ab. In Baden-Württemberg gab es Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fiel. Nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes war die Nacht auf Donnerstag die wärmste Nacht in Deutschland seit Beginn der Messungen. Das belastet den Körper zusätzlich, weil Erholung in der Nacht kaum möglich ist. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Kranke und Menschen, die körperlich arbeiten oder sich lange im Freien aufhalten.

Folgen für Alltag, Natur und Infrastruktur

Die Hitzewelle wirkt sich bereits deutlich aus. Schulen geben hitzefrei oder verkürzen den Unterricht, Sportveranstaltungen werden abgesagt. Die Deutsche Bahn bietet wegen der Extremwetterlage kostenlose Stornierungen für bestimmte Fernverkehrstickets an. Auch die Natur leidet. In Baden-Württemberg steigt die Waldbrandgefahr, teils bis zur höchsten Warnstufe. Mehrere Kommunen untersagen die Wasserentnahme aus Bächen und Quellen. Der Bodensee erreichte am 24. Juni einen historischen Tiefststand für dieses Datum.

Wann es wieder kühler wird

Der Höhepunkt der Hitzewelle wird zum Wochenende erwartet. In Baden-Württemberg soll es ab Sonntag erste Schauer und Gewitter geben. In der Nacht zum Montag könnte es dort um etwa zehn Grad abkühlen. Deutschlandweit sollen die Spitzenwerte in der kommenden Woche laut Prognose deutlich zurückgehen. Bis dahin bleibt die Hitze eine ernstzunehmende Belastung.