Spritpreise

Warum ist Tanken im benachbarten Ausland teilweise günstiger?

In Österreich, Belgien, Frankreich und Luxemburg zahlt man gerade deutlich weniger für Benzin und Diesel. Das liegt an staatlichen Eingriffen, niedrigeren Steuern – und einem freiwilligen Preisdeckel.

Warum ist Tanken im benachbarten Ausland teilweise günstiger?

Dass Tanken im Ausland teilweise güntiger ist, hat mehrere Gründe

Von Daniel Wydra

Infolge des Krieges im Iran steigen die Spritpreise in Deutschland immer weiter. Die 12‑Uhr-Regel kann nicht verhindern, dass die Preise für Benzin und Diesel jeden Mittag um bis zu 20 Cent pro Liter steigen. In den folgenden Stunden sinken die Preise zwar deutlich, doch Woche für Woche bleiben vormittags ein paar Cent mehr auf der Anzeigetafel stehen. Bestimmte Tankstellen verlangen inzwischen mehr als drei Euro für einen Liter Diesel.

In den Nachbarländern ist der Sprit teilweise deutlich günstiger. Der SWR berichtet, dass sich an Tankstellen in Luxemburg, Belgien und Frankreich kurz hinter der deutschen Grenze regelmäßig lange Schlangen bilden. In Belgien koste ein Liter 20 bis 30 Cent weniger, in Luxemburg sogar 40 Cent. Wie sind die günstigeren Preise möglich?

Spritpreisdeckel

Dieser Vorschlag kommt von vielen Politikern aus der SPD, und auch die Spediteure sprechen sich dafür aus. Sie nennen das Beispiel Luxemburg und Belgien – dort legt das jeweilige Wirtschaftsministerium auf Basis der Preisentwicklung auf den internationalen Märkten verbindliche Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl fest. Steigen die Einkaufskosten oder fallen sie, werden auch diese Höchstpreise im Land angepasst. Laut SWR wurde die Regel in Belgien schon 1974 nach der Ölkrise eingeführt.

SPD-Fraktionsvize Armand Zorn erläuterte kürzlich, wie ein „regulatorischer Preisdeckel“ funktionieren soll: Ein maximaler Abgabepreis für Diesel und Benzin im Einzel- oder Großhandel werde auf Basis vom Ölpreis, Verarbeitungs- und Vertriebskosten bestimmt. Dies erfolge nach einer transparenten Formel in Verhandlungen zwischen Mineralölkonzernen und der Regierung.

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) heißt es aber, das Modell sei aufgrund des Größenunterschieds und unterschiedlicher Marktstrukturen nicht auf Deutschland übertragbar – hier gebe es Tankstellen in abgelegenen Regionen mit weniger Umsätzen und höheren Kosten. Sei ein Preisdeckel zu niedrig, müssten Standorte „über kurz oder lang“ schließen. Die Preisfestlegung sei in einem großen Flächenstaat zudem mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand und hohen Kosten verbunden.

Staatlich finanzierte Entlastungen

Die Politik diskutierte weiter über Entlastungen. Nach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach sich auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf Sprit aus. Die Spediteure erklärten, dies wäre für sie „ohne Nutzen“.

Der Preis für einen Liter Diesel lag am Mittwoch mit im Tagesdurchschnitt 2,453 Euro auf einem neuen Allzeithoch, wie der ADAC am Donnerstag mitteilte. Der bisherige Rekord war am 7. April verzeichnet worden. Der Preis für Super E10 war bereits in den vergangenen Tagen kontinuierlich auf neue Allzeithochs gestiegen – er lag am Mittwoch im Schnitt bei 2,314 Euro je Liter.

„Ein sinnvoller Ansatz“ zur Entlastung von Autofahrerinnen und Autofahrern „wäre aus meiner Sicht eine vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer für Kraftstoffe von 19 auf sieben Prozent“, sagte Bundeswirtschaftsministerin Reiche am Mittwoch am Rande eines Treffens der G20-Staatengruppe in Houston im US-Bundesstaat Texas. Zuvor hatte sich Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) für eine Mehrwertsteuersenkung ausgesprochen.

Dies bringe allerdings keine Entlastung für Gewerbetreibende, räumte Reiche ein. „Deshalb prüfen wir Wege, wie wir das mittelständische Transportgewerbe ebenfalls gezielt entlasten können.“

Der Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) beklagte in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dass der Preis für den Lkw-Kraftstoff Diesel in den vergangenen Monaten wegen des Iran-Kriegs um netto circa 60 Cent pro Liter gestiegen sei. Für eine Fahrzeugflotte von 50 Lkw bedeute das Mehrkosten von über einer Million Euro im Jahr. Die hohen Dieselpreise gefährdeten zahlreiche mittelständische Betriebe und schwächten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Verband fordert Gewerbediesel

Merz hatte Entlastungen angekündigt – der BGL sprach sich klar gegen eine Mehrwertsteuersenkung aus: „Diese stellt für die Wirtschaft einen durchlaufenden Posten dar. Sie ist zwar für den Staat mit hohen Kosten verbunden, entfaltet für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen jedoch kaum eine unmittelbare Entlastungswirkung.“ Der Verband forderte stattdessen unter anderem, einen „wettbewerbsfähigen Gewerbediesel“ einzuführen, den es auch in Belgien, Frankreich, Italien, Portugal, Slowenien, Spanien und Ungarn gebe. Dort werde die Energiesteuer für gewerblich genutzten Diesel auf das EU-Mindestmaß reduziert.

Wirtschaftsministerin Reiche erneuerte auch ihren Vorschlag für Direktzahlungen an Geringverdiener. Diese würden nach ihren Worten aber erst Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten.

Frankreich subventioniert manche Berufsgruppen

Angesichts der hohen Treibstoffpreise hat Frankreich seien Hilfen für Fischer, Landwirte und Bauunternehmen bis zum Jahresende verlängert. „Ziel ist es, Beschäftigung und Wachstum zu fördern“, sagte Premierminister Sébastien Lecornu am Mittwochabend. Die Hilfen für Fischer sollen von derzeit 25 Cent pro Liter auf 35 Cent angehoben werden. „Das ist nur Augenwischerei“, sagte Ange Natoli, ein Fischer aus dem südfranzösischen Küstenort Martigues. Damit lasse sich der Preisanstieg beim Treibstoff nicht ausgleichen.

Bauunternehmen können eine Hilfe von 20 Cent pro Liter für Diesel beantragen, der nicht für Fahrzeuge benutzt wird. Landwirte erhalten einen Zuschuss in Höhe von 15 Cent pro Liter.

Nach Angaben der Regierung haben bereits 1,1 Millionen Menschen die staatlichen Hilfen beantragt, die ursprünglich Ende September hätten auslaufen sollen. Etwa 1,5 Millionen weitere sind berechtigt, haben sie aber noch nicht beantragt. Die Treibstoff-Subventionen belasten den Staatshaushalt, der im laufenden Jahr ein Defizit von voraussichtlich mehr als fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht.

Ölkonzern gibt sich selbst Preisdeckel

Während in Deutschland über verschiedene Wege zur Senkung der stark gestiegenen Spritpreise diskutiert wird, gibt es in Frankreich bereits eine Art Preisdeckel: Der Ölkonzern TotalEnergies bietet seit fünf Monaten gedeckelte Preise für Treibstoff. Derzeit zahlen Kunden an den Tankstellen mit dem Logo in Regenbogenfarben für Benzin 1,99 Euro pro Liter und für Diesel 2,25 Euro.

Seit der Preisdeckelung steuern Franzosen daher verstärkt Total-Tankstellen an, was die Konkurrenz zunehmend wütend macht. Es werden Vorwürfe des unlauteren Wettbewerbs laut.

Der französische Premierminister Sébastien Lecornu hatte TotalEnergies im Mai zu einer Deckelung aufgerufen – inmitten einer Debatte über mögliche Übergewinnsteuern. „Falls es zu einer solchen Besteuerung kommen sollte, dann wird es nie wieder einen Preisdeckel bei TotalEnergies geben“, sagte Konzernchef Patrick Pouyanné Ende August.

Der Preisdeckel, der mit Unterbrechungen seit fünf Monaten gilt, hat den französischen Konzern nach eigenen Angaben zwischen 250 und 300 Millionen Euro gekostet. Zugleich hat sich sein Gewinn im ersten Halbjahr 2026 auf 11,2 Milliarden Euro verdoppelt.

Hier gilt noch die Spritpreisbremse

Für gewöhnlich ist Tanken in Österreich im Vergleich zu Deutschland günstiger. Dies liege an der niedrigeren Besteuerung. So sei die Mineralölsteuer auf Benzin deutlich geringer als die Energiesteuer in Deutschland, teilte der Automobilclub mit. Zusätzlich gibt es aktuell in Österreich eine Spritpreisbremse, die vor kurzem bis Ende September verlängert wurde. Hierbei wurde laut Mitteilung die Mineralölsteuer um 1,9 Cent pro Liter gesenkt.

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen dpa und afp.