Den Spermien tut’s gut

Warum regelmäßiges Ejakulieren die männliche Fruchtbarkeit steigert

Regelmäßiges Ejakulieren dient nicht nur dem Stressabbau und  mindert das Prostatakrebs-Risiko, sondern erhöht auch die Fruchtbarkeit von Männern. Längere sexuelle Abstinenz beeinträchtigt dagegen die Spermienqualität. Kinderwunschprogramme sollten dies stärker berücksichtigen, raten Forscher.

Warum regelmäßiges Ejakulieren die männliche Fruchtbarkeit steigert

3d-Illustration von transparenten Spermien, die auf eine Eizelle zuschwimmen.

Von Markus Brauer/dpa

Es ist wahrlich eine Krux mit der Moral.

Kirche sagt Njet! zu Masturbation

So geht die Lehramt der katholische Kirche (aus moraltheologischen Gründen) seit jeher hart mit Selbstbefriedigung ins Gericht.So heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche (Absatz 2352):

„Masturbation ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen. ‚Tatsache ist, dass sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleichbleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken‘.“

Mediziner empfehlen sie zur Krebsvorsorge

Forscher hingegen raten – etwa in „The Harvard ejaculation study“ der US-Elite-Universität Harvard – (aus medizinischen Gründen), dass Männer, die 21-mal oder häufiger pro Monat ejakulieren sollten, weil sie einer Langzeitstudie zufolge so ein um 31 Prozent geringeres Erkrankungsrisiko für Prostatakrebs als diejenigen haben, die nur etwa vier- bis siebenmal im Monat einen Samenerguss haben. Zudem, so die Mediziner, baue Masturbation Stress ab.

Wissenschaft rät zur regelmäßigen Ejakulation

So jemand (gläubiger) Katholik ist, muss er ergo vor seinem eigenen Gewissen verantworten, ob er sich lieber an die kirchliche Doktrin oder den ärztlichen Rat hält. Die Wissenschaft kann bei der Entscheidungsfindung eine wertvolle Hilfe sein.

Read that first line “Male masturbation may have an adaptive benefit: it flushes out damaged, stored sperm.” Yet this is NOT what the study has concluded. What it actually says is that ejaculating at least once every 72 hours is healthy - that could be through sex. Not just… https://t.co/RUtiyJMMW0 — Miss Jo (@therealmissjo) March 26, 2026

So deutet eine neue Studie darauf hin, dass die Lagerung – im Körper wie auch außerhalb des Organismus – die Qualität von Spermien beeinträchtigt. Umgekehrt könne regelmäßiges Ejakulieren bei Männern mit Kinderwunsch die Aussicht auf Nachwuchs erhöhen, schreibt ein britisch-deutsches Forschungsteam in den „Proceedings of the Royal Society B“ .

Sperm are some of the most specialized cells in the human body. pic.twitter.com/9d618Q5FbX — Brain Glitch (@sauravd2002) March 26, 2026

Bisher wird Abstinenz empfohlen

Männern mit unerfülltem Kinderwunsch rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor der Abgabe von Samenspenden etwa zur künstlichen Befruchtung zu zwei bis sieben Tagen sexueller Abstinenz.

Dem widerspricht nun das Forscherteam um den Biologen Krish Sanghvi von der University of Oxford nun ganz entschieden. Die Experten hatte zuvor 115 Studien mit insgesamt knapp 55.000 Männern sowie 56 Studien zu Vertretern anderer Arten ausgewertet.

Spemienqualität leidet mit der Zeit

Demnach leidet die Qualität von Spermien mit der Zeit ihrer Lagerung. Die Forscher erklären das mit der sogenannten post-meiotischen Sperma-Seneszenz (PMSS) – also der Alterung der Spermien nach ihrer Entstehung. Diese ging in den Studien einher mit . . .

Ergo: Regelmäßiger ejakulieren

„Weil Spermien hochmobil sind und wenig Zellplasma haben, verbrauchen sie ihre gespeicherten Energiereserven sehr schnell und haben begrenzte Reparaturkapazität“, erläutert Co-Autorin Rebecca Dean. „Das macht die Lagerung im Vergleich zu anderen Zelltypen besonders schädlich.“ Regelmäßiges Ejakulieren könne die Fruchtbarkeit von Männern steigern.

Dies werde in der Reproduktionsmedizin zu wenig berücksichtigt, bemängeln die Forscher. „Ejakulate sollten als Populationen individueller Spermien betrachtet werden, die Geburt, Tod, Altern und Sterben durchlaufen“, konstatiert Erstautor Sanghvi. Der von der WHO genannte Abstinenz-Zeitraum von bis zu sieben Tagen vor einer Samenspende sei zu lang.

Nicht die erste Studie, die das zeigt

Das deckt sich mit den Resultaten einer chinesischen Studie mit gut 450 Paaren, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen. Hatten die Männer eine Ejakulations-Abstinenz von maximal 48 Stunden, betrug die Aussicht auf eine Schwangerschaft gut 54 Prozent.

Lag die Abstinenz bei zwei bis sieben Tagen, waren es dagegen nur knapp 45 Prozent, wie das chinesische Team in einem nicht begutachteten Preprint bei „SSRN“ (Preprintserver der Fachzeitschrift „The Lancet“) schreibt.

Weibchen als bessere Spermien-Träger?

Kurioserweise zeigt die aktuelle Studie des Teams um Sanghvi auch, dass bei einigen anderen Arten Spermien im Körper von weiblichen Tieren wesentlich besser aufgehoben sind als bei den Männchen.

Dies ist etwa bei manchen Fledermäusen der Fall, bei denen die weiblichen Tiere nach der Paarung Spermien monatelang während ihrer Winterruhe speichern.

Bei manchen Reptilien könne eine solche Lagerung sogar Jahre dauern. Hier haben Weibchen spezielle Organe, welche die Spermien nicht nur aufbewahren, sondern sie auch etwa mit Antioxidantien versorgen und so ihre Qualität bewahren.

Fazit: Vielleicht ist die katholische Morallehre auch nicht erste Adresse, wenn es um so spezifische Fragen der menschlichen Sexualität geht.