Pickaxe Mountain

Warum Trump den Berg Kolang als mögliches Angriffsziel nennt

Droht nach den Kongresswahlen in den USA eine Eskalation im USA-Iran-Konflikt? Die iranischen Atomanlagen könnten erneut zum Angriffsziel werden.

Warum Trump den Berg Kolang als mögliches Angriffsziel nennt

Auf einem gigantischen Poster in der Teheraner Innenstadt werden US-Präsident Donald Trump, US-Vizepräsident JD Vance (re.), Israels Premierminister Benjamin Netanyahu (2. v. re.) und der US-Unterhändler für den Nahen Osten, Steve Witkoff (li.) als Prügelknaben verhöhnt.

Von Markus Brauer

Wenige Stunden vor Beginn der US-Kongresswahlen am Dienstagabend (3. November) haben die USA erneut den Iran angegriffen. Ziel war laut US-Präsident Donald Trump eine Luftabwehreinrichtung, US-Medien berichten über Angriffe auf die iranische Insel Keschm/Qeshm.

Neuer US-Angriff im Iran-Krieg

Der von vielen US-Bürgern abgelehnte Iran-Krieg trägt zum Umfragetief von Trumps Republikanern vor den US-Wahlen bei. Auf die Frage, ob er nach dem Urnengang erneut Angriffe auf die Islamische Republik anordnen werde, antwortete Trump am Montag (2. November)denn auch mit „Nein“.

Zuvor hatte Trump allerdings selbst Spekulationen über neue Angriffe auf den Iran nach den Kongresswahlen befeuert. Dabei nannte er mehrfach den iranischen Berg Kolang, im Englischen bekannt als „Pickaxe Mountain“ (Spitzhacken-Berg). Es wird vermutet, dass dort seit Jahren ein geheimer unterirdischer Atomkomplex errichtet wird, was Teheran allerdings bestreitet.

Warum ist Pickaxe Mountain für Trump ein Angriffsziel?

Trump sagte bereits Ende Oktober, die Gespräche über ein Ende des Iran-Krieges liefen „gut“, und das iranische Atomprogramm sei „ausgeschaltet“ worden. Einschränkend fügte er hinzu: „Wir müssen uns noch um, ich würde sagen, ein oder zwei Anlagen kümmern, aber das können wir in zehn Minuten erledigen.“

In diesem Zusammenhang erklärte er: „Man könnte sich wahrscheinlich den Pickaxe Mountain ansehen.“ Schon im Juli hatte Trump einen „sehr schweren“ Angriff auf den Berg Kolang ins Spiel gebracht. Die USA und Israel hatten ihren am 28. Februar begonnenen Krieg gegen den Iran damit begründet, dass dessen Atomprogramm eine Gefahr sei. Die beiden Länder vermuten ebenso wie die Europäer seit Jahrzehnten, dass die Islamische Republik eine Atombombe bauen will, was Teheran kategorisch zurückweist.

Was verbirgt sich im Pickaxe Mountain?

Analysten des US-Thinktanks Center for Strategic and International Studies (CSIS) berichteten Anfang September, dass es im Jahresverlauf einen „deutlichen Anstieg“ der Bautätigkeit am Berg Kolang gegeben habe. Satellitenbilder zeigten demnach, dass unter anderem Zugangsbereiche stärker gesichert wurden. Bereits 2025 hatten die US-Zeitungen „Washington Post“ und „New York Times“ eine beschleunigte Bautätigkeit am Berg Kolang gemeldet.

Auf eine Bitte der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Zugang zu der Anlage und Informationen über sie zu erhalten, reagierte Teheran nach CSIS-Angaben nie. Im Juni dieses Jahres hatte die IAEA den Iran zur vollständigen und „unverzüglichen“ Offenlegung seiner Bestände atomaren Materials aufgefordert. Die Organisation hat seit Juni 2025 keinen Zugang mehr zu den iranischen Atomanlagen.

Teheran: „Keine geheimen Atomanlagen“

Vertreter der Islamischen Republik haben wiederholt versichert, es gebe keine geheimen Atomanlagen im Iran. „Alle unsere Anlagen stehen unter der Aufsicht der IAEA“, betonte im November 2025 Außenminister Abbas Araghtschi.

Außenministeriumssprecher Esmail Bakaei sprach im Juli dieses Jahres von einer „obsessiven Fixierung Washingtons“ auf den Berg Kolang, „wo keine nukleare Aktivität stattfindet“. Er warf Washington einen „konstruierten Vorwand für Aggression, Zerstörung und Sabotage“ vor.

„Mutter aller Bomben“ – Bunkerbrecher GBU-43/B (MOAB)

US-Präsident Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu berieten Ende Oktober laut dem US-Nachrichtenportal Axios über mögliche neue Angriffe auf den Iran. Nach Informationen des Senders CNN erwägen die USA den Einsatz ihrer größten nicht-atomaren Bombe namens „GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast (MOAB)“. Ein Einsatz sei „ausdrücklich vorgesehen“, um iranische Atomanlagen zu zerstören - insbesondere mit Blick auf den Berg Kolang.

CNN zufolge gibt es in der Regierung indes Zweifel, dass ein Einsatz der Bombe überhaupt den gewünschten Erfolg hätte. Sie sei eher darauf ausgelegt, große Flächen zu zerstören, aber nicht darauf, tief unter die Erde einzudringen. Für einen gewissen Show-Effekt wäre mit dem Ding aber sicher allemal gesorgt.

Welche Atomanlagen wurden im Iran angegriffen?

Die iranische Seite gab im Iran-Krieg unter anderem einen Angriff auf die Atomanlage Natans bekannt, sie wurde laut IAEA beschädigt. Anfang März 2026 gab die israelische Armee einen Angriff auf eine „geheime unterirdische“ Atomanlage am Stadtrand von Teheran bekannt. Wissenschaftler hätten dort gearbeitet, nachdem im Juni vergangenen Jahres mehrere iranische Atomanlagen angegriffen worden seien.

Im sogenannten Zwölftagekrieg hatten Israel und die USA 2025 drei wichtige iranische Atomanlagen bombardiert. Trump zufolge wurden die Anlagen Fordo, Natans und Isfahan dabei vollständig zerstört – der wirkliche Umfang der Schäden ist aber unklar. Auch weiß man nicht, wie lange der angeschlagene Iran zum Wiederaufbau brauchen könnte.

Mit dpa-Agenturmaterial