Neue Asyl-Bilanz

Warum weniger Menschen in Deutschland Asyl beantragen

Die Zahl der Anträge ist nach Angaben des Innenministeriums deutlich gesunken. Die Regierung lobt sich selbst dafür. Doch die Gründe liegen auch woanders.

Warum weniger Menschen in Deutschland Asyl beantragen

In Deutschland kamen 2025 so wenig Schutzsuchende an wie schon lange nicht mehr.

Von Rebekka Wiese

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Asylanträge stark gesunken. Das berichtet die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf das Innenministerium. Während 2024 noch 250 945 Schutzgesuche gestellt wurden, waren es 2025 laut den neuen Informationen nur noch 168 543, das ist fast ein Drittel weniger. Besonders stark fällt der Rückgang im Vergleich mit dem Jahr 2023 aus: Damals zählten die Behörden noch 351 915 Anträge.

Laut dem Bericht erklärt das Innenministerium diese Entwicklung mit den Maßnahmen, die die Bundesregierung seit ihrem Antritt umgesetzt hat. Dazu zählen unter anderem die Zurückweisungen an den Grenzen und die Aussetzung des Familiennachzugs. „Das klare Signal aus Deutschland heraus, dass sich die Migrationspolitik in Europa geändert hat, ist in der Welt angekommen“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Die anderen Gründen für den Rückgang der Asylzahlen

Doch kann man die neue Entwicklung wirklich so erklären? Die Maßnahmen der Bundesregierung dürften zwar einen Einfluss haben. Doch sie sind wohl nicht der entscheidende Grund. Der Rückgang der Asylzahlen setzte schon Ende 2023 ein, etwa anderthalb Jahre vor Antritt der aktuellen Bundesregierung. Dass die zuvor gestiegenen Zahlen seitdem stetig sinken, muss noch andere Gründe haben als die neue Migrationspolitik.

Entscheidend dürfte vor allem das EU-Tunesien-Abkommen sein, das Mitte 2023 geschlossen wurde. Durch Tunesien läuft eine der wichtigsten Fluchtrouten nach Europa. Mit dem Deal sagte die EU Tunesien große Finanzhilfen zu, wenn es dafür sorgt, dass weniger Migranten von dort nach Italien und in andere EU-Länder kommen. Das hatte einen großen Effekt – auch wenn es an dem Deal trotzdem viel Kritik gab, weil Tunesien vorgeworfen wird, die Geflüchteten unmenschlich zu behandeln und absichtlich verdursten zu lassen.

Nachhol-Effekt ist ausgelaufen

Neben dem Abkommen gibt es weitere Faktoren, die den Rückgang der Asylanträge erklären dürften. Einer davon ist der Nachhol-Effekt nach der Corona-Pandemie. Durch die weltweiten Grenzschließungen waren 2020 und 2021 deutlich weniger Schutzsuchende als in den Vorjahren gekommen. 2022 und 2023 machten sich dann die Menschen auf den Weg, die die Pandemie abgewartet hatten. Dieser Effekt ließ Ende 2023 dann wieder nach, die Zahlen gingen ganz von allein zurück.

Hinzu kommt, dass durch den Fall des Assad-Regimes im Dezember 2024 nun deutlich weniger Asylbewerber aus Syrien nach Deutschland kommen. 2024 kamen noch rund ein Drittel aller Schutzgesuche von Menschen aus dieser Region. 2025 zeigte sich dann ein starker Rückgang, bis einschließlich November sank die Zahl laut Daten des Bundesamts für Migration und Flucht (Bamf) so stark, dass der Anteil der syrischen Schutzgesuche nur noch bei knapp 15 Prozent lag. Auch das erklärt, wieso 2025 weniger Asylanträge gestellt wurden.