Neue Studie

Warum werden große Hunde nicht so alt wie kleine?

Eine Dogge gilt mit acht Jahren bereits als Senior, während ein Chihuahua in diesem Alter oft noch mitten im Leben steht. Doch warum ist das eigentlich so?

Warum werden große Hunde nicht so alt wie kleine?

Dass große Hunde meist früher sterben als kleine, ist schon lange bekannt.

Von Katrin Jokic

Wer Hunde liebt, wünscht sich vor allem eines: möglichst viele gemeinsame Jahre. Doch wie lange ein Hund lebt, hängt unter anderem stark von seiner Körpergröße ab. Während kleine Hunderassen häufig ein hohes Alter erreichen, ist die Lebenserwartung großer Rassen meist deutlich kürzer.

Wissenschaftler haben nun genauer untersucht, was hinter diesen Unterschieden steckt. Ihre Erkenntnis: Große Hunde sterben offenbar nicht einfach nur früher. Ihr Körper zeigt auch Anzeichen einer schnelleren biologischen Alterung.

Die innere Uhr unserer Hunde

Für ihre Untersuchung analysierten die Forscher insgesamt 1.640 sogenannte Methylierungsprofile von 894 Hunden, die am amerikanischen Dog Aging Project teilnahmen.

Was kompliziert klingt, lässt sich relativ einfach erklären: Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur unser Körper, sondern auch die Art und Weise, wie unsere Gene reguliert werden. Bestimmte chemische Markierungen an der DNA, sogenannte Methylierungen, verändern sich im Laufe des Lebens.

Anhand dieser Veränderungen lässt sich eine Art biologische Uhr ablesen. Sie gibt Hinweise darauf, wie weit der Alterungsprozess eines Lebewesens bereits fortgeschritten ist.

Dabei muss das biologische Alter nicht unbedingt mit dem tatsächlichen Alter übereinstimmen. Zwei Hunde können beispielsweise beide sechs Jahre alt sein, obwohl ihre Körper auf molekularer Ebene unterschiedlich stark gealtert sind.

Große Hunde altern offenbar schneller

Die Forscher entwickelten anhand der DNA-Daten eine sogenannte epigenetische Uhr, mit der sich das Alter der untersuchten Hunde relativ genau bestimmen ließ.

Besonders interessant war, dass Hunde, deren biologisches Alter über ihrem tatsächlichen Alter lag, auch ein erhöhtes Sterberisiko aufwiesen.

Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass größere Hunde stärkere Anzeichen beschleunigter biologischer Alterung zeigten als kleinere Artgenossen. Auch männliche Hunde wiesen im Durchschnitt entsprechende Veränderungen auf.

Dabei verlief die biologische Alterung nicht gleichmäßig: Besonders in jungen Lebensjahren zeigten sich schnellere epigenetische Veränderungen.

Die Ergebnisse liefern somit einen wichtigen Hinweis darauf, warum ein großer Hund häufig weniger Lebensjahre vor sich hat als ein kleiner.

Was passiert dabei in der DNA?

Besonders auffällig waren Veränderungen in bestimmten Abschnitten des Erbguts, den sogenannten transponierbaren Elementen. Diese werden manchmal auch als „springende Gene“ bezeichnet, weil sie im Laufe der Evolution ihre Position im Erbgut verändern konnten.

Normalerweise tragen chemische Markierungen dazu bei, die Aktivität solcher DNA-Abschnitte zu regulieren. Mit zunehmendem Alter gingen bestimmte dieser Markierungen jedoch zurück.

Bei großen Hunden waren diese altersabhängigen Veränderungen um rund 31 Prozent stärker ausgeprägt als bei kleinen Hunden.

Die Forscher vermuten deshalb, dass solche Veränderungen eine Rolle beim schnelleren Altern großer Hunde spielen könnten. Ob sie tatsächlich eine Ursache der kürzeren Lebenserwartung sind, muss allerdings noch untersucht werden.

Was bedeutet das für Hundehalter?

Die Studie hilft vor allem dabei, die biologischen Unterschiede zwischen großen und kleinen Hunden besser zu verstehen.

Sie bedeutet jedoch nicht, dass sich anhand eines DNA-Tests bereits zuverlässig vorhersagen lässt, wie lange der eigene Vierbeiner leben wird. Ebenso wenig liefern die Ergebnisse eine konkrete Möglichkeit, den Alterungsprozess zu verlangsamen.

Langfristig könnten solche Erkenntnisse aber dabei helfen, altersbedingte Erkrankungen besser zu verstehen und neue Ansätze für die Gesundheitsvorsorge von Hunden zu entwickeln.

Interessant ist außerdem, dass einige der untersuchten Alterungsprozesse Ähnlichkeiten mit denen beim Menschen aufweisen. Die Forschung könnte deshalb auch Erkenntnisse darüber liefern, warum manche Menschen schneller altern als andere.

Jeder Hund hat seine eigene biologische Uhr

Die Untersuchung macht deutlich, dass das Alter eines Hundes mehr ist als die Zahl seiner Lebensjahre. Während wir den Geburtstag unserer Vierbeiner genau kennen, laufen im Inneren ihres Körpers komplexe biologische Prozesse ab, die sich von Tier zu Tier unterscheiden.

Die wichtigste Erkenntnis: Große Hunde haben nicht nur eine kürzere durchschnittliche Lebenserwartung – sie zeigen tatsächlich Anzeichen eines beschleunigten biologischen Alterungsprozesses.

Warum das so ist und ob sich daran künftig etwas ändern lässt, bleibt Gegenstand weiterer Forschung. Für Hundehalter ist die Studie vor allem ein spannender Einblick in die Frage, warum unsere vierbeinigen Begleiter so unterschiedlich alt werden.