Brand-Tragödie in der Schweiz

Was ist ein Flashover?

Die Experten forschen nach dem Auslöser der Feuerkatastrophe in einer Bar in Crans Montana. Können Fotos und Videos von der Silvesterfeier einen Hinweis liefern?

Was ist ein Flashover?

Die Aufnahme des Handys eines Überlebenden zeigt den Moment, als das Feuer in der Deckenkonstruktion der Bar ausbricht.

Von Markus Brauer/dpa/AFP

Während die Ermittler nach der Ursache für das verheerende Feuer im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana suchen, werfen Aufnahmen in sozialen Medien Fragen auf.

Die nicht verifizierten Videoaufnahmen und Fotos sollen zeigen, wie Menschen in der Silvesternacht in dem betroffenen Lokal Champagnerflaschen in ihren Händen halten, in denen Wunderkerzen stecken. Funken sprühen Richtung der dem Anschein nach mit Paneelen besetzten Decke und scheinen diese in Brand zu setzen.

Handys werden ausgewertet, Gäste sahen Sprühkerzen

„Wie in jedem Fall wird in jede Richtung ermittelt“, sagt ein Schweizer Polizeisprecher. Ob die Aufnahmen den Ermittlern bekannt seien, könne er nicht bestätigen, doch er gehe davon aus.

Handys, die am Unglücksort sichergestellt wurden, würden ausgewertet, hatte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud, am Donnerstagabend (1. Januar) in einer Pressekonferenz mitgeteilt.

Auch Augenzeugen berichten über Sprühkerzen. Der 19-jährige Nathan, der sich nach eigenen Angaben rechtzeitig aus der Bar retten konnte, erzählt der Schweizer Zeitung „Blick“: „Eine Frau saß auf den Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen.“ Sie habe die Sprühkerzen so hoch geschwenkt, dass sie die Decke berührt hätten. Diese habe plötzlich Feuer gefangen, zitiert die Zeitung den jungen Schweizer.

Identifizierung der Toten kann noch Tage dauern

In der Silvesternacht waren bei dem Brand in einer Bar mit Hunderten zumeist jungen Feierenden etwa 40 Menschen ums Leben gekommen, 115 weitere wurden verletzt. Rund 80 von ihnen sollen sich Berichten zufolge im kritischen Zustand befinden.

Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben von einem Unglück und nicht von einem Anschlag aus. Die Identifizierung der Toten könne noch Tage dauern, erklärt der Polizeisprecher. Ob Deutsche von dem Feuer betroffen sind, ist nach wie vor offen. Das Auswärtige Amt steht mit den Behörden in Verbindung.

Die meisten Schwerletzten sind zwischen 16 und 26 Jahren. Die Feuerkatastrophe gilt als einer der schlimmsten Unfälle in der Geschichte der Schweiz.

Feuerwalze rast durch die Räume

Die Behörden haben sich bislang nicht deutlich zur Ursache des Feuers geäußert. Die Kantonsregierung des Wallis schreibt in einer Mitteilung von einem „Flashover“ in der Bar – ein Brandphänomen, das eine Brandschutzsachverständige mit einer Feuerwalze vergleicht.

„In der Silvesternacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar 2026 kam es in der Bar Le Constellation in Crans-Montana infolge eines Brandes zu einem Flashover, der eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte und zahlreiche Tote und Verletzte forderte“, heißt es in der Mitteilung des Staatsrats, der Regierung des Kantons. Eine Quelle für diese These wird nicht genannt.

Die Flashover-Theorie könnte aber erklären, warum so viele Menschen bei dem Brand starben und nicht flüchten konnten.

War es ein Flashover?

Bei einem Flashover – Abkürzung F/O, zu deutsch: Feuersprung) geht ein Brand schlagartig von der Entstehungs- in die Vollbrandphase über. Dieses Brandereignis greift zumeist sehr rasch über den gesamten Brandraum über.

Der Flahover entsteht beim Brand in einem geschlossenen Raum, indem sich die brennbaren sogenannten Pyrolysegase ansammeln können. Ab einer Temperatur von 600 rad Celsius entzünden sich diese Gase im gesamten Raum schlagartig. Man spricht auch vom Durchzünden.

Schlagartig gerät komplett alles gleichzeitig in Brand

Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz beschreibt das Phänomen im ARD-Brennpunkt so: Unter der Decke sammele sich Hitze, dieser Wärmestau werde heißer und heißer. Alle brennbaren Materialien in dem betroffenen Raum würden dann irgendwann chemisch zersetzt und bildeten bestimmte Gase.

„Bei dem richtigen Mischungsverhältnis und bei einer immer höher werdenden Temperatur ist das eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die komplett alles gleichzeitig in Brand nimmt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird“, erläutert Barz.

In kurzer Zeit steigt die Temperatur demnach auf 1000 bis 1200 Grad. Zusätzlich fällt der Sauerstoffgehalt auf unter vier Prozent. Selbst für Feuerwehrleute stellt das eine sehr schwierige bis lebensgefährliche Situation dar. Für Menschen ohne Schutzkleidung ist sie der Expertin zufolge nicht zu überleben.