Iran-Krieg

Was sind eigentlich Trumps Kriegsziele im Iran?

Je länger der Krieg gegen den Iran dauert, desto verunsicherter scheint US-Präsident Donald Trump zu werden. Nach außen gibt es sich unnachgiebig, doch hinter den Kulissen fürchtet er die Unzufriedenheit der eigenen Bevölkerung.

Was sind eigentlich Trumps Kriegsziele im Iran?

Nicht gut für Trumps Ansehen: Mindestens sieben Soldaten sind im Iran-Krieg bisher ums Leben gekommen. Das Pentagon gab zudem rund 140 Verletzte bekannt.

Von Markus Brauer/AFP

Auf einmal scheint US-Präsident Donald Trump es im Iran eilig zu haben. Der Krieg werde „ziemlich schnell vorbei sein“, sagte er zu Wochenbeginn in Florida. Ob auf die Worte des 79-Jährigen Verlass ist, ist jedoch wieder einmal unklar. Sowohl der Verbündete Israel als auch der Gegener Iran widersprachen Trump.

Iran-Krieg nur ein „kurzer Ausflug“?

Selbst dessen „Kriegsminister“ fällt in den Chor ein: „Wir werden nicht nachlassen, bis der Feind vollständig und endgültig besiegt ist“, verkündete Pentagon-Chef Pete Hegseth.

Als „kurzen Ausflug“ hatte der US-Präsident den Iran-Krieg bei einem Auftritt vor Abgeordneten seiner Republikanischen Partei verharmlost. Er bescheinigte der Islamischen Republik, militärisch am Boden zu liegen. Die Ölpreise gaben daraufhin deutlich nach, die Republikaner quittierten die Äußerungen wie gewohnt mit anhaltendem Applaus.

„Vom Joch der Tyrannei befreien“

Kurz danach stellte Trumps Duzfreund und engster Verbündeter, der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu, allerdings klar, sein Land sei „noch nicht fertig“ mit den Angriffen auf Teheran.

„Unser Bestreben ist es, das iranische Volk vom Joch der Tyrannei zu befreien“, erklärte er. Es bestehe kein Zweifel, dass Israel der iranischen Führung „die Knochen“ brechen werde, sagte er in alttestamentarischer Sprache.

„Es gibt keinen gemeinsamen Plan“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich daraufhin beunruhigt. „Vor allem besorgt uns, dass es offensichtlich keinen gemeinsamen Plan gibt, wie dieser Krieg schnell zu einem überzeugenden Ende gebracht werden kann“, betonet Merz in Berlin.

In Washington riefen Trumps Worte ein weiteres Mal Rätselraten über seine Strategie hervor. Der Geschäftsführer der New Yorker Denkfabrik Soufan Center, Colin Clarke, wagt folgende Prognose: Trump werde den Iran-Krieg „weiterführen, bis seine Berater ihm sagen, dass die wirtschaftlichen Schmerzen ein Risiko für die Zwischenwahlen darstellen“, konstatierte Clarke unter Anspielung auf die Kongresswahlen im November. Sie sind der bisher wichtigste Stimmungstest für Trump in seiner zweiten Amtszeit.

Spritpreise sind für US-Bürger entscheidend

Kaum etwas hat im Autofahrerland USA so viel Gewicht wie die Spritpreise. Seit Beginn des Iran-Kriegs sind sie massiv gestiegen. Das bringt Trump unter Druck. Er hatte den Wählern immer wieder eine deutliche Entlastung versprochen – nicht nur an der Zapfsäule.

Das unterscheide ihn von seinem Vorgänger Joe Biden von den Demokraten, der die Wirtschaft „zerstört“ habe und für eine beispiellose Inflation verantwortlich sei, behauptete Trump.

Vor diesem Hintergrund macht der Iran-Krieg Teile der Republikanischen Partei nervös. Schon vor den US-israelischen Angriffen legten Umfragen nahe, dass Trumps Wirtschaftspolitik unbeliebt ist und die Republikaner die Zwischenwahlen verlieren könnten.

Starke Wirkung von Särgen getöteter Soldaten

Eine mindestens ebenso starke Wirkung haben die Bilder von Särgen getöteter US-Soldaten, die derzeit auf allen TV-Sendern in den Vereinigten Staaten laufen. Mindestens sieben Soldaten sind im Iran-Krieg bisher ums Leben gekommen. Das Pentagon gab zudem rund 140 Verletzte bekannt.

Für einige Beobachter ist Trumps Ansage zu einer kurzen Kriegsdauer ein Beleg für das, was Börsenhändler das „Taco“-Phänomen nennen. Die Abkürzung steht für „Trump always chickens out“ (Trump macht immer einen Rückzieher). Der Präsident habe unmissverständlich kommuniziert, „dass er einen Ausweg sucht“ im Iran, erläutert der Journalist Robert Armstrong von der „Financial Times“, der den Begriff „Taco“ geprägt hat.

Iran „will natürlich keine Waffenruhe“

Aber offenbar hat der US-Präsident die Rechnung ohne den Iran gemacht. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte, der Iran strebe „natürlich keine Waffenruhe an“. Vielmehr gehörten die USA und Israel „bestraft“.

Auch die US-israelischen Pläne für eine Zerschlagung der Machtelite im Iran haben nicht wirklich funktioniert. Irans oberster Anführer Ayatollah Ali Chamenei ist zwar tot, wie viele aus seinem Umfeld auch. Sein als Nachfolger gekürter Sohn Modschtaba Chamenei gilt aber ebenso als Hardliner.

Trump ist „nicht glücklich“ über dessen Ernennung. Was er tun könnte, ließ er aber wieder einmal offen.