Wasserstoffbusse im Remstal: Zwischenbilanz zum Probebetrieb

Der Rems-Murr-Kreis und der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) ziehen eine positive Zwischenbilanz.

Wasserstoffbusse im Remstal: Zwischenbilanz zum Probebetrieb

Vor allem Linienbusse sollen an der Wasserstofftankstelle in der Stuttgarter Straße in Waiblingen betankt werden. Foto: Sofiia Shahaievska

Waiblingen. Die ersten sechs Wasserstoffbusse im Remstal sind seit Ende Mai im Probebetrieb. Nun haben der Rems-Murr-Kreis und der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) nun eine positive Zwischenbilanz gezogen. Das teilt der VVS in einer Pressemitteilung mit. Der Landkreis hatte sich für einen umfassenden Probebetrieb von Bussen und Tankstelle entschieden, um die neue Technik ausführlich zu testen.

Nach Angaben von Daniel Wiedmann, Leiter des ÖPNV-Amts im Landratsamt, sind die Busse mittlerweile unter der Woche nahezu täglich unterwegs und absolvieren auch komplette Umläufe störungsfrei. Das habe auch während der großen Hitze der vergangenen Wochen funktioniert. Der vollständige Übergang in den Regelbetrieb ist ab Oktober vorgesehen.

Insgesamt sind drei Wasserstofflinienbündel in den Verkehrsräumen Fellbach/Kernen, Waiblingen und Weinstadt/Korb geplant. Ab Januar 2027 soll in Weinstadt/Korb der gesamte reguläre Linienverkehr vollständig emissionsfrei erbracht werden. In Fellbach/Kernen ist dies ab August 2027 vorgesehen. In Waiblingen soll ein großer Teil des regulären Linienverkehrs vollständig emissionsfrei werden. Die verbleibende Verkehrsleistung soll mit sogenannten sauberen Fahrzeugen erbracht werden. Diese verursachen laut Landkreis 90 Prozent weniger CO2-Ausstoß als herkömmliche Dieselbusse.

Weitere sieben Wasserstoffgelenkbusse werden gegen Ende des Jahres erwartet. Ihr Einsatz ist ab Januar 2027 geplant. Für den noch fehlenden Elektrolyseur an der Tankstelle liegt inzwischen die Genehmigung vor. Für dessen Betrieb wird allerdings noch ein Trafo benötigt, der gegen Jahresende geliefert werden soll.

Landkreis und Stadt Waiblingen investieren 11,7 Millionen Euro

Das Projekt gilt nach Angaben des Landkreises als Leuchtturmprojekt in Deutschland. Die Tankstelle soll künftig nicht nur Busse betanken, sondern voraussichtlich ab Anfang 2027 auch grünen Wasserstoff direkt vor Ort herstellen.

Der Landkreis und die Stadt Waiblingen investieren gemeinsam 11,7 Millionen Euro in das Projekt und tragen die Kosten jeweils zur Hälfte. HY.Waiblingen hat für das Vorhaben insgesamt fünf Millionen Euro an Bundesfördermitteln erhalten.

Landrat Richard Sigel zeigte sich erfreut darüber, dass die Busse inzwischen erfolgreich unterwegs und im Stadtbild sichtbar seien. Mit dem Projekt würden klimafreundliche Mobilität und der Aufbau einer zukunftsfähigen Energieinfrastruktur vor Ort miteinander verbunden. Ziel sei es, Dieselbusse zu ersetzen und dadurch Lärm und Abgase im Linienverkehr zu reduzieren. Wasserstoff sei Teil einer Gesamtstrategie zum stärkeren Einsatz erneuerbarer Energien. Dazu gehöre auch eine Zukunftswerkstatt am Beruflichen Schulzentrum Backnang, in der der technische Nachwuchs für unterschiedliche Antriebsformen ausgebildet werde.

VVS-Geschäftsführerin Cornelia Christian verwies auf die Vorgaben der Clean Vehicle Directive. Diese sehe vor, dass der Busverkehr schrittweise emissionsfrei werden müsse. Welche Antriebsform am besten geeignet sei, hänge von den Bedingungen vor Ort ab. Neben batterieelektrischen Bussen könnten wasserstoffbetriebene Busse bei anspruchsvollen Einsatzbedingungen eine wichtige Rolle spielen.

Mit dem Wasserstoffprojekt und den damit verbundenen Vergaben der Buslinien eins in Fellbach/Kernen, zwei in Weinstadt und drei in Waiblingen werden die Vorgaben der Clean Vehicle Directive nach Angaben des Landkreises übererfüllt. Dadurch könne der Landkreis Kosten einsparen, weil andere Linienbündel ohne emissionsfreie Fahrzeuge ausgeschrieben werden könnten.

Langfristig soll grüner Wasserstoff vor Ort aus regionalen erneuerbaren Energien hergestellt werden

Der Landkreis beobachtet nach eigenen Angaben die Entwicklung von Batterie- und Brennstoffzellenantrieben. Busse mit Brennstoffzellenantrieb würden zunehmend konkurrenzfähiger. Gleichzeitig komme der Ausbau des Stromnetzes insbesondere im ländlichen Raum ebenso wie die Elektrifizierung von Busbetriebshöfen nicht in der nötigen Geschwindigkeit voran, um batterieelektrische Busse überall konsequent einsetzen zu können. Erfahrungen im Schwäbischen Wald hätten zudem gezeigt, dass die Reichweite solcher Busse bei anspruchsvollen Linienwegen und kalten Temperaturen betrieblich noch nicht optimal sei.

Mit Blick auf künftig strengere Vorgaben für einen emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr bleibt Wasserstoff nach Einschätzung des Landkreises daher eine wichtige Technologie. Voraussetzung für den technologischen Wandel im ÖPNV seien ausreichend leistungsfähige Lade- und Betankungsmöglichkeiten. Das Projekt in Waiblingen setzt deshalb auf eine Wasserstofferzeugungsanlage und eine Tankstelle für den Linienverkehr. Langfristig soll der grüne Wasserstoff vor Ort aus regionalen erneuerbaren Energien hergestellt und im öffentlichen Nahverkehr der Region genutzt werden.

HY.Waiblingen wird von den Stadtwerken Waiblingen, der Item UG und dem Energieversorger GP Joule getragen. Das Projekt gehört zum Verbundprojekt „H2Rivers“, das sich über die Metropolregion Rhein-Neckar erstreckt. HY.Waiblingen wird im bundesweiten Programm HyLand in der Kategorie HyPerformer gefördert. Das Projekt H2Rivers erhält zudem Förderung aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. pm