Warum setzen der Iran und die USA auf Pakistan statt auf andere Vermittler? Und welche Motive verfolgen die Gastgeber? Hinter den Kulissen der Krisendiplomatie.
Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen sollen Gespräche zwischen Vertretern der USA und des Irans in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad beginnen.
Von von Hans Dahne, dpa
Islamabad/Teheran/Washington - Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sollen an diesem Freitag in Pakistan Gespräche über eine Beilegung des Iran-Konflikts beginnen. Pakistanischen Sicherheitskreisen zufolge werden die Delegationen der USA und des Irans zuerst Gespräche auf Expertenebene führen. Danach sollen sich führende Regierungsvertreter am Samstagvormittag zu politischen Verhandlungen treffen.
Das Regierungs- und Diplomatenviertel in Islamabad wurde abgeriegelt. Strenge Sicherheitsvorkehrungen gelten für die gesamte Hauptstadt. Das "Serena"-Hotel sei komplett leer geräumt, hieß es aus Sicherheitskreisen weiter. Die wichtigsten Hintergründe und Fakten zu den bevorstehenden Verhandlungen:
Welche Rolle spielt Pakistan für die USA und den Iran?
Die USA brachen am 7. April 1980 die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Die Vorgeschichte: Iranische Studenten besetzten im Zuge der islamischen Revolution im Iran am 4. November 1979 die US-Botschaft und nahmen amerikanische Diplomaten und Mitarbeiter 444 Tage lang in Geiselhaft. Pakistans Botschaft in Washington vertritt inzwischen seit mehr als drei Jahrzehnten iranische Interessen in den USA.
Warum ist Pakistan für den Iran diesmal erste Wahl?
Obwohl Pakistan nicht als politischer Verbündeter des Irans gilt, hat Islamabad die Führung in Teheran nie offen provoziert. Außerdem gehört Pakistan keiner Militärkoalition gegen den Iran an. Trotz gelegentlicher Spannungen pflegen beide Länder seit Jahrzehnten ein Verhältnis, das weniger von Ideologie und mehr von geopolitischem Pragmatismus geprägt ist. Beide Länder teilen nicht nur eine 900 Kilometer lange Grenze, sondern zahlreiche religiöse und kulturelle Gemeinsamkeiten sowie vielfältige sicherheitspolitische Herausforderungen.
Ein weiterer Punkt, der für Pakistan spricht: Trotz massiver internationaler Sanktionen gegen den Iran bestehen enge bilaterale Wirtschaftsbeziehungen. Ein Beispiel sind Tauschgeschäfte, bei denen Waren gegen Waren ausgetauscht werden, ohne dass US-Dollar oder internationale Banküberweisungen fließen müssen. Ferner gibt es Grenzmärkte. Pakistan hat sich zwar stets zurückgehalten, um nicht in Konflikt mit westlichen Sanktionen zu geraten, sucht aber eine regionale Wirtschaftskooperation mit dem Iran.
Hätte es nicht auch Alternativen wie die Türkei gegeben?
Für den Iran ist Islamabad akzeptabler als westliche oder arabische Hauptstädte. Ein Grund: In der Region verfügt der Iran - vor allem jetzt auch wegen seiner Angriffe auf Golfstaaten - über wenige Länder, die als Freunde und Vermittler infrage kämen. Katar und Oman haben mehrfach vermittelt. Omans Bemühungen waren zuletzt nicht von Erfolg gekrönt. Die Türkei gilt für Teheran aufgrund ihrer Nato-Mitgliedschaft nicht als vollständig neutral. Russland ist durch den Ukraine-Krieg selbst international isoliert.
Spielen persönliche Beziehungen bei der Wahl Pakistans eine Rolle?
In der Diplomatie genießt US-Präsident Donald Trump eine Sonderstellung, sehr viel hängt davon ab, mit wem er kann oder eben nicht kann. Und wenn Trump seinen Partner nicht nur als "großartigen Anführer", "großartigen Kämpfer", "hoch respektierten General" oder "Lieblingsfeldmarschall" tituliert, dann spricht das Bände über sein Verhältnis zum pakistanischen Armeechef Asim Munir. Das persönliche Verhältnis festigte sich vor allem durch Munirs Rolle bei der Deeskalation des Grenzkonflikts 2025 mit Indien. Trump dankte ihm öffentlich dafür. Das Verhältnis des US-Präsidenten zu Premier Shehbaz Sharif wird oft als Arbeitsbeziehung beschrieben. Den Entscheider sieht Trump demnach in Munir.
Hat Pakistan Erfahrungen als internationaler Vermittler?
Ja, und die reichen teils Jahrzehnte zurück. Erwähnt seien die Vermittlung zwischen den USA und China 1971 und den rivalisierenden Golfanrainern Saudi-Arabien und Iran von 2016 bis 2019. Ohne Vermittlung Pakistans wäre 2020 auch das Doha-Abkommen zwischen den USA und den afghanischen Taliban nicht zustande gekommen. Es sollte den Weg zum Abzug der US- und Koalitionstruppen aus Afghanistan ebnen. Ein weiteres Beispiel ist die Beilegung des Grenzkonflikts mit Indien 2025. Und schließlich ganz aktuell: die Vermittlung im Iran-Konflikt.
Was verspricht sich Pakistan von den Vermittlungen?
Wie so oft in der Diplomatie spielen auch handfeste wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Der Iran-Krieg führte auch in Pakistan zu einem massiven Anstieg der Energiepreise und damit zu starkem Druck auf die Wirtschaft. Wenn der Krieg vorbei ist, dürften die Preise wieder fallen.
Und dann unterliegt Pakistan noch Dutzenden Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für einen Kredit. Die reichen von einer Erhöhung der Strom- und Gaspreise bis hin zur Korruptionsbekämpfung. Die pakistanische Führung könnte vielleicht auf Folgendes spekulieren: Gelingt ein Erfolg als Vermittler, könnte die US-Regierung vielleicht dabei helfen, "Flexibilität" bei den Auflagen auszuhandeln. Im Interesse Pakistans ist auch ein privilegierter Zugang zum US-Markt.
Pakistan möchte außerdem verhindern, dass im Fall einer Eskalation des Iran-Konflikts Millionen iranische Flüchtlinge kommen. Letztlich möchte das Land auch nicht unmittelbar in einen militärischen Konflikt hineingezogen werden.
Pakistans Premier Shehbaz Sharif ist ein Vermittler in den Gesprächen zur Beilegung des Iran-Konflikts. (Archivbild)
Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, verbindet eine enge Beziehung mit US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)