Wenig Masse, aber ganz viel Klasse

Die Aspacher Weingärtner sind mittlerweile mitten in ihrer Weinlese. Die Menge der Weinernte fällt dieses Jahr spärlich aus. Der Frost im Frühjahr ließ für die meisten Weingärtner nur einen Bruchteil ihrer sonst gewohnten Traubenmenge übrig.

Wenig Masse, aber ganz viel Klasse

Bettina Balz hofft bei der Trollingerlese im Kleinaspacher Föhrenberg wie alle Wengerterkollegen auf gute Qualität. Foto: J. Fiedler

Von Matthias Nothstein

ASPACH. Von einem goldenen Herbst im Weinberg können die Aspacher Wengerter derzeit nur träumen. Was weniger an der verregneten Wochen liegen mag, als vielmehr an der Quantität der Trauben. Aufgrund des Frosts Mitte Mai gibt es einzelne Weingärtner, die einen Totalausfall verbuchen müssen (wir berichteten). Allerdings gibt es auch Gutes vom 20er-Jahrgang zu berichten: Die Qualität stimmt. Mehr noch, Holger Hessel vom Vorstand der Aspacher Weingärtnergenossenschaft spricht gar von perfekten Trauben.

Der Weg dahin war nicht einfach, denn nach dem Frost belastete die erneut rekordverdächtige Hitze des Sommers die restlichen Trauben zusätzlich mit Trockenheit und Sonnenbrand. Alle Trauben, die auch dies schadlos überstanden haben, liefern jetzt jedoch eine sagenhafte Klasse. Holger Hessel schwärmt: „Die Qualität ist super und die Oechlegrade sind enorm.“ Die diesjährigen Spitzenreiter sind bis jetzt der Grauburgunder mit 97 Grad Oechsle, der Spätburgunder mit dem Höchstwert von 99 Grad Oechsle sowie der Regent mit 103 Grad Oechsle. Die letzten Sorten der diesjährigen Weinlese sind die spätreifenden Sorten Trollinger, Riesling und Lemberger. Holger Hessel von der Weingärtnergenossenschaft Aspach meint: „Jetzt fehlen uns nur noch ein paar trockene Lesetage.“

Das sieht auch Günther Ferber so. Er gehört ebenso wie Hessel dem Vorstand der WG an und war gestern selbst bei der Lese. Am Abend freute er sich über ein Bild, das in diesem Jahr richtig selten war: eine Schlange von Traktoren mit ihren Anhängern vor der Kelter in Allmersbach am Weinberg. Zwischen 15 und 20 Gespanne warteten dort auf die Abnahme der Traubenware. Ferber rechnet mit etwa 23 Tonnen Lesegut: „Früher hatten wir das an jedem normalen Trollingertag, in diesem Jahr aber ist es die Ausnahme.“ In Zahlen ausgedrückt: Während im langjährigen Durchschnitt jedes Jahr etwa 280 Tonnen Trauben in den Aspacher Weinbergen geerntet werden konnten, werden es heuer laut der Prognose von Ferber lediglich 95 Tonnen werden, „gerade einmal ein Drittel“. Aber auch Ferber schwärmt jetzt schon vom guten Aroma, das er vom 20er-Jahrgang erwartet. Als Indiz für die Qualität nennt er das durchschnittliche Mostgewicht der zwölf Tonnen Trollinger, die am ersten Lesetag vor einer Woche geerntet worden sind. Die Trauben stammten vor allem aus Lagen, die vom Frost geschädigt waren. Damals hatte der Traubensaft im Schnitt 77 Grad Oechsle.

Nach der gestrigen Hauptlese werden die Wengerter vermutlich noch zu drei Lesetagen ausrücken. Noch hängen vor allem Lemberger-, Riesling- und die restlichen Trollinger-Trauben. Vor allem vom Lemberger erwartet Ferber Spitzenqualität, „er hat die Trockenheit am besten ausgehalten“.

Neben dem Frost und der Dürre haben auch die Wespen die Ernte deutlich reduziert. Ferber findet klare Worte: „Die Wespen haben in diesem Jahr viel mehr Schaden angerichtet als die Vögel.“ Insofern ist er etwas erleichtert, dass die Nächte zuletzt kälter wurden: „Es sind jetzt schon deutlich weniger Wespen unterwegs als noch vor wenigen Tagen, als es spürbar wärmer war.“ Immerhin mussten die Wengerter in diesem Jahr nicht auch noch unter der Kirschessigfliege leiden, von der war wenig bis nichts zu sehen. Ferber ist trotz aller Probleme mit dem Jahr zufrieden: „Selbst der Regen hat dem Trollinger gut getan. Denn diese Sorte braucht im Herbst auch manchmal ein wenig Schmuddelwetter.“